Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1847
- Issue
- 46 (12.11.1847)
- Date
- 1847-11-12
- Page
- Spalte 721-722 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/8555529-9890729-9890761--5199-3533647- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Berichte» Studien und Kritiken für Mische Geschichte und Literatur. M 46. Lerp zi g, den 12. November . 184V. JnhaN. Studien. Geschichte der Mischen Literatur ln Babylonien. Eine Skizze von Dr. Julius Fürst. (Fortsetzung.) Zum Leben Raba's. Neuntes Kapitel. — Biographische Skizzen von Dr. Fränkel. Joel Sirkes. Seine Gutachten. — Ueber Parabeln und Sentenzen im Talmud. Mit Bezug auf die Parabe-ln und Sentenzen im neuen Testamente. — Ankündigungen. Geschichte der jüdischen Literatur in Babylonien. Eine Skizze ' ‘ von * Dr. Julius Fürst. (Fortsetzung.) Neuntes Kapitel. 10. Betrachten wir nun Raba als alleiniges Schulhaupt Babyloniens, wie er zu Machusa das traditiouale Studium aufr-echt erhält und vierzehn Jahre lang (337—351), gleich seinem Vorgänger Abbadie Oberleitung der Hochschule führt 58% £)ie dialektischen Disputationen zurr Erforschung der Motive der überlieferten oder entwickelten Lehren, überhaupt die sogenannte diskutive Methode (Hawasot), welche sein Vorgänger bereits eingeleitet, führte er, wie unter Abbaji bemerkt worden, zu einer Stufe, die nicht mehr überstiegen werden konnte"^ Erft durch diese höchste Stufe der Dialektik glaubten seine Zeitgenossen die Nutzbarkeit des halachischen Studiums gefunden zu haben wie er selbst von dem Werthe und der Fruchtbarkeit dieser Methode durchdrungen war. „Wenn der Mensch, sagte er, in das große göttliche Gericht gezogen wird, so werden unter andern Fragen auch diese an ihn gerichtet werden: Hast du Zeiten für das Gesetzstudium bestimmt-^, Haft du auf das Heil (in den pro- 589) Scherira 36 Gittin 60 d. — 590) Von den Haw aj ot Raba's wird gesprochen Sukka 28 a 5 Baba Batra 134 a. V^rgl. oben 2Cnm. 562^ — 591) Baba Batra 22 a; wergl. oben Anm. 566. — .592) Sabbat 31 a. DTiy njOp, um nicht im weltlichen Treiben ganz aufzugehen. — phetischen Verheißungen) gehofft"^, Haft du mit Weisheit disputirt und das Eine-aus dem Andern entwickelt?""* Von einem solchen dialektischen Geiste geleitet, machte er eigenthümliche Ansichten über Gesetz, Mischna und Talmud (d. h. Studium der Mischna) geltend. Das geschriebene Gesetz, meinte er, scheint ein ewiges Einerlei, ohne Wandel und ohne Wechsel, - aber gerade in dieser Unwandelbarkeit ist es immer das höchste, das sich darin zeigt, daß kein Lehrer, kein Priester und kein Rabbi von dem Buchstaben weichen kann. „Verächter des Gesetzes sind diejenigen, welche sagen, was nützen uns die Rabbiner, sie predigen immer und immer das Gesetz, nie erlauben sie den Raben, me verbietien sie die Taube"S9fi. In der Traditionslehre stand ihm der Talmud, d. h. die diskussive Durchsprechung und Entwickelung der Mischna-Sätze, oben an, während die Mischna allein, irrdem sie die Traditionen unmotivirt giebt, ihm unfruchtbar und unerquicklich erschien. In diesem Sinne legte er Schriftstellen aus, um den Talmud zu empfehlen und die Mischna als unerquicklich hinzustellen. „Die Tage des Armen, heißt es in den Sprüchen (15, 15), sind unglücklich", der Arme das,ist der Lehrer der Mischna, dessen Tage unerquicklich sind^ „aber heiteres Herz hat ein beständiges Freudenmal", darunter sind die Talmudlehrer gemeint"^". „Wer Steine bricht, heißt es in Kohelet (10, 9), thut sich weh daran", d. h. wer mit der Mischna 593) S. Rasch i z. St. — 5M ib. ib. im -jinD "IDT nnJDil N0VN2 Man sieht daraus, daß er den ^^2 mrint. — 595) Sanhcdrin 100 a. Wie es scheint polemisirt Raba hier auch gegen das neue Gesetz des Christenthums ,t ba er, wir wie weiter unten sehen werden, die . Fortschritte des Christenthums beobachtete. — 596) Sbnh. 180 l). — 46