Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 8 (1847)
- Issue
- Heft 31 (30.7.1847)
- Date
- 1847-07-30
- Page
- Seite 248 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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248 auch btc* eingeschriebenen^ Schüler monatlich it 4 fl. CM. Schulgeld beisteuern sollten. — Endlich wurde am Sonntag, den 20. v.M., diese neue Geburt eingeweiht. und zwar durch den hiesigen' Rabbiner.M. Christ i a n p e ll e r, der vor einem überaus gedrängten Publikum eine Emwcihungsrede, oder besser eineMussar-Derascha hielt, worin er wagte (welcher Fortschritt im 19. Jahrhundert!) Wörter wie positiv, relativ u. dgl. in sein jüdisch-deutsches Kauderwälsch mit hinein zu schmuggeln. Erstaunen Sie nicht über diese Redefreiheit! Unser Rabbi ist auch seinem Geiste nach ein Radikaler. Gedachter Herr Chnstianpotter erklärte eS im Perfolg seiner Rede für eine heilige Pflicht eines jeden irgend einer Gemeinde Vorstehenden, sich zu bestreben, die Wünsche aller extremen Parteien in der Gemeinde zu crfi’iUm und mit Selbstverleugnung seiner eigenen Meinung (Hort! hört!) nicht nur eine, sondern al l e Parteien gleich zu vertreten. Würde nicht eine solche Predigt vciv;Rabbinen der Geigcrschen Schule in Deutschland großes, Aufsehen erregen, und die konservativen HH. Frankel, Kirchheim und Genossen in Harnisch jagen? Bei uns in Galizien machen dergleichen Dinge kein Furore, und der hier herrschende Jndisserentismus unter allen Parteien bewirkt es , daß derartige Ereignisse spurlos vorüber gehen und bald der Vergessenheit au heimfallen. Ueber die Einrichtung der neuen Schule kann ich Ihnen einstweilen noch nichts Näheres berichten, nur voin Hörensagen weiß ich, daß dieselbe in zwei Klassen eingctheilt ist, in deren erste btos "HD und^v^, jenes mit M. Landau's, dieses mit Zunz's Uebersetzung, und in letzterer .-p, gelehrt wird. Die Direktoren der Schule haben aber die Absicht, nächstens eine dritte höhere Klasse zu errichten für „jüdische Religion und Geschichte". Das Lokal ist zwar nicht groß, aber doch geräumig genug, um die aufgcnommene Anzahl von 80 Schülern fassen zu können. . Die zwei angestellten Lehrer und Unterlehrer sind unbekannte Größen, man wird aber in kurzem Hrn. Blume n se t d, bekanntlich Uebersetzer des Buches Hiob, als Oberlehrer und Aufseher wählen, d. h. wenn er sich dazu verstehen wird, diese Stelle mit dem winzigen Gehalt von 200 fl. CM. anzrinehmen. Ausführliches ein anderes Mal. Wir wünschen dem Unternehmen gedeihlichen Fortgang und dorr Unternehmern wollen wir mehr Eifer und Enthusiasmus für die gute Sache, wie auch Festigkeit und Ausdauer armupfehlen. Polen und Rußland. Aus Rußlands im Juli. Ich erlaube mir hier .eine Reihe-von nachträglichen Mittheilungen zukommen zu lassen; und obgleich sie etwas verspätet sind, so verdienen sie dennoch der' Erwähnung, da Nachrichten 1 von hier'^^hnehmi-nur g^Ärl-ich zu'Ihnen gelangen. Brzeze-Littewski. In der Nacht zum 26. Februar d. I. ist der ganze hiesige Bazar, ein viereckiges Gebäude mit circa 300 hölzernen Buden, in. Flammen aufgegängon. Das Unglück, an welchem großentheils israelitische Kanflente bethciligt sind, ist schrecklich. K Man hat nichts von den Maaren fortschassen .können, > und mehrere Jsraeliteli, die versuchten, von ihren Waaren und Geldern Etwas zu retten, sind leider rettungslos in den Flammen utngekommcu, da diese sich binnen einer Stunde von einem Ende des Bazars bis zum an-; deru verbreiteten. Mau schätzt den Schäden ans eine > halbe Million Silberrnbcl. —- - Ans Temir-Khan-Schura bei Tiflis (in Kaukasien) wird berichtet, daß eine 300 Mann starke Abtheilung Bergvölker unter Anführung des Gumbetischcn. NaidS {• Abucker Debier den dichten Nebel am 31, -Januar be-; nutzte, um den hebräischen Aul keim Dorfe Tarki, während derselbe beim Morgeugebete beschäftigt war, zu überj fallen und zu plündern, was ihnen auch theilweise! gelang. Auf die erste Nachricht davon eilte der russische Befehlshaber des Machtuliuschen.Chanats Orbelian nach dem Engpässe bei Garkas, den die Räuber auf ihrem | Rückwege passiven mußten. Da er diesen schon besetzt fand, befahl. er seiner Reiterei, den Feind mit blankem k Säbel anzugreifen, warf ihn und trieb ihn bis zu dem |* Bergrücken Schmschcrska, der die Schamehalsche Ebene >: vom Awarischeu Koiß trennt.: Die Bergvölker flohen t in wilder Flucht, ließen die cibgeuommene Beute der Hebräer in Stich und verloren 33 Manu an. Sotten, | und 17 Ncann an Gefangenen. Ueberdies wurden ihnen | viele Waffen und 50 Pferde abgenommen. — | Eine hier in polnischer. Sprache erschienene Breschüre gicbt unter Andern auch über die Juden in Ga- | lizien folgende Notiz: „Die Juden in Galizien bilden | mehr als Tl¥ der ganzen und mehr als 6Zxro 0t. der j| christlichen Bevölkerung. Die Provinz zählt unter allen | östlichen Provinzen sowohl an sich als als auchimBcrhältuiß zur Fläche und zu der übrigen Bevölkerung die | meisten Juden. Im Jahre 1846 betrug ihre Zahl g 328,806. Auf einer geographischen iD Meile wohnten | 206 Juden durchschnittlich. —- I Personalchronik und Miseellen. London. Der israelitische Bankier SalomonS ül als Bewerber um einen Sitz im Parlamente aufgetreten, um zu versuchen , ob sich die Befähigung der Juden, welche cric für das folgende Jahr in Zlussicht steht, nicht zum voraus thatsächlich erringen lasse. (Rundschau.) Verlag von C. L. Fr i tz sche. Druck von I. H. Nagel.