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Der Orient · 1846-11-26 · Heft 48 (26.11.1846) · p. Seite 378

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Journal
Der Orient
Volume
7 (1846)
Issue
Heft 48 (26.11.1846)
Date
1846-11-26
Page
Seite 378 (sequence 11)
Language
German
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Universität ein Professor selbst das Zeichen gibt zu grenzenlosem Skandal und zur Aufreizung der jugendlichen Gemüther — was ist dann erst von dem Pöbel zu erwarten? Nie ist es einem Lehrer je in den Sinn gekommen, die israelitischen Zuhörer auf andere Bänke zu verweisen, als die christlichen und die traurige mittelalterliche Jsolirung des Ghetto in die Hallen der Wissenschaften hinein zu schieben, in welchen alle Geister gleich sind. Herrn Franeesconi ist es zuerst Vorbehalten gewesen, ein solches Kunststück aüßzuübm. Die maßlose Heftigkeit dieses Mannes, die Ort und Gelegenheit so vollkommen vergessend, durch fanatisches Thun und Wort solche Scenen herbeiführt, macht ihn zn ganz andern Beschäftigungen würdig, als zu der Ehre an der ältesten Universität Deutschlands das Lehrerarnt zu versehen — und wäre es auch nur das Amt-eines Sprachlehrers. Wenigstens ist das Beispiel unerhört, daß ein Professor in , offenem Kollegium die Studentenschaft auffordert, ein unmittelbar im ersten Augenblicke der Leihen schaft von ihm diktirtes Gesuch au die k. k. Hofstudienkommission zu unterschreiben. Gestatten Sie Herr 'Redakteur die Ausdrücke re. (Die Grenzboten.), Polen und Rußland. Warschau, im Novbr. (D. Z.) Aus dem entferntem Theile des ^Landes, wo der Chasidismus noch feinen mächtigen Einfluß auf die Demoralisation der Juden übt, war eine solche Gesellschaft, bestehend ans 80 Mann, ihrem Rabbi an der Spitze, vor den Thoren unserer Stadt angelangt, um für sich die Ertaubniß ihre alte Tracht beibehatten zu dürfen, von dem Fürsten- Statthalter zu erlangen. Daß einer so abmtheuerlichen Gesellschaft, die sich aus der Ferne schon durch ihr wunderliches Gebehrden ankündigte, nicht so ohne Weiteres der Einzug in die Stadt gestattet wurde, versteht sich von selbst. Der Oberpolizeimeister General A., den man von den unwirschen Gästen vor der Stadt benachrichtigte, befahl, daß sie sofort unter gehöriger Begleitung auf die Polizei gebracht, ihnen daselbst, ohne ein Wort entgegenzunehmen, Bärte und Locken abgcschoren und ihre Petze hinten ausgeschnitten werden sollten. In einer halben Stunde fühlten die Armen die rauhe Luft um ihr kahles uttbeschntztes Antlitz spielen, mnd als sie aus ihrer Besinnungslosigkeit erwachten, fanden sic sich wieder vor .dort Thoren Warschaus, wohin sie zurncktransportirt 'worden waren. Sic .hatten nun, weiter kein Anliegen.,, als daß man ihnen gestatten sollte, die Rudera ihrer Bärte, mit nach Hause, nehmen zu dürfen, um ihnen auf den: Gottesacker eine Stätte der Ruhe zn gönnen. Indessen aber waren diese nach allen Winden verflogen, und die frommen Reisenden hatten kein anderes- Geschäft mehr in Warschau, als die Gesellen zu befriedigen, die nun ihren Barbierlohn sich zu holen, kamen." . Noch ein Wort über Meziza. Von Jonas Bondi. Durch den trefflichen Aufsatz des Herrn' Kirchheim in den letzten Nummern dieser Blätter ist mir Kunde geworden von der Schilderhebung des Herrn Rabbiner Jakob Ettlinger zu Altona im Ikonswächter, für die Meziza*). Dem frommen Rabbi möchte man zurufen: 2pp\ blp ^pnr wp *>t D’Tn); er benutzt das heilige Werk, eine Esausche Handlung zu vertheidigen eine blutige tObservanz, welche längst der Vergessenheit wie D’OnriN O'OI -null heimgefallen sein sollte. Die dritte Rabbinerversammlung, welche den Streit über Peria und Meziza wieder aufnahm, ließ in mir den Entschluß reifen, an eine größere Arbeit über die Beschneidung zu gehen, namentlich das operative Verfahren im Talmud gehörig zu beleuchten, und von dem theologischen Standpunkte aus, welcher in den neuern Schriften unvollkommen soder mit großer Unkenntniß berührt wird, die verschiedenen Verfahrungsweisen zu beurtheilen; hoffentlich wird mir die nächste Zelt Muße gewinnen lassen, diese Arbeit in einem.'größeren Aufsatze zuveröffentlichen, ich habe es daher vermieden, über einzelne Theile der Beschneidung wie z. B. über Peria und Mezizazu.sprechen. Doch der Wehe- und Klageruf des Herrn E t tlinger, nach welchem es fast scheinen will, als wäre der Beschneidcr, der kein Blutsauger ist, auch kein Jude, oder gar das beschnittene Kind, dessen Blut man nicht mit dem Munde ausgescgen, kein echter Jude, und eine Aeußerung des Herrn Rabbiner Dr. Frankel in Märkisch- Friedland in Nr. 35 dieser Blätter, welcher in der Meziza nichts Nachtheiliges, sondern viel Vortheilhaftes und Heilsames findet, und ein Urtheil darüber sich deswegen anzueignen glaubt, weil er nicht nur die Broschüren und Aufsätze gelesen, nicht nur weil er die betreffenden Stellen in Talmud und Poskim genau 'durchgenommen,, sondern auch weil!er praktischer Mohel ist, veranlassen auch mich das Wort über Meziza zu nehmen Mund vorerst ohne Scham zu erklärendaß obgleich ich, wie Hr. R. Dr. Fränkel, etwas vom Talmud verstehe, und praktischer Mohel bin, ich dennoch 1) Bis jetzt sind mir die betreffenden Blätter des Iionswachters noch nicht zu Gesichte gekommen. 2) Brechers recht verdienstliche Schrift berührt blos die historische und die rituale Seite, 'ohne auf eine vollständige Kritik einzugehen; auch ist Manches unrichtig, wie ich bald Gelegenheit haben werde zu bemerken.

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