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Der Orient · 1845-12-17 · Heft 51 (17.12.1845) · p. Seite 408

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Journal
Der Orient
Volume
6 (1845)
Issue
Heft 51 (17.12.1845)
Date
1845-12-17
Page
Seite 408 (sequence 15)
Language
German
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408 - markigen Zeit, in welcher die Iesuktenfrage wieder mit leidenschaftlicher Heftigkeit zur Sprache kommt, die Einwirkungen der Jesuiten auf die-Schicksale der Israeliten nachgewiesen werden könnten. Dr. S. Mayer. Würtemberg. Notizen über die Geschichte der Juden in Würtemberg. Die Juden in Würtemberg sollen schon vor Christi Geburt dort ansäßig gewesen sein. Denn in der alten herzoglichen Kunstkammer zu Stuttgart bewahrte man einen Stein mit hebräischer Inschrift, der zu Frauenthal — einem Dorfe zwischen Stuttgart und Heilbronn —- auf dem Felde ausgegraben worden. Der Stein selbst ist leider nicht mehr vorhanden; denn er ist bei Abbrechung des alten Kunstkammergebäudes verloren gegangen; aus Sattlers Geschichte Würtembergs aber der Inhalt der Aufschrift zu entnehmen. Sobald wir Sattlers Geschichte habhaft werden, werden wir die ganze Inschrift des Grabsteins geben. Der Stein war. einer Tochter des Rabbi Samuels, Namens Guthlis, gelegt und enthielt in hebräischen Versen Klagen über ihren frühen Tod. Das nahe gelegene Lesigheim war eine römische Kolonie, auch dort haben Juden gewohnt und es ist sehr wahrscheinlich, daß-mit dem großen Römerzug auch Juden eingewandert sind. Der alte Gottesacker Ln Freudenthal soll gemeinschaftlich der Begräbniß-Platz für Lesigheim und Freudenthal gewesen sein. Das Frauenbad zu Lesigheim zeigt man sich jetzt noch. Mit dem alten Gottesacker in Freudenthal hat es folgende Bewandniß: König Friedrich 1. hatte Freudenthal zu seiner Sommercesidenz erkoren und die Straße zu seiner Villa führte am jüdischen Friedhof vorbei. Die grauen Grabsteine und die bemoosten Grabhügel mochten wohl dem Fürsten von Vergänglichkeit und Tod was vorerzählt haben und sein Machtspruch verlegte den Friedhof an das entgegengesetzte Ende des stillen Thales. Die Juden aber sahen ruhig zu, wie die Grabsteine ihrer Vorfahren zum Vau eines Jagdhauses verwendet wurden. Ein Bauernhaus in Freudenthal soll ganz von solchen jüdischen Grabsteinen aufgeführt worden sein. Könnten die Steine mancher Stadt reden, sie würden interessante Beiträge zur Geschichte der Juden liefernkönnen.« Alexander Elsaß er. W li r t e m b e r g. Marcus E tlinger aus Pflaum loch in Würtemberg ist zum Bürgermeister mit Stimmenmehrheit gewählt worden. Ein Zeugniß dafür, daß auch unter dem Landvolke die Vorurtheile gegen Juden allmäligschwinden. — Volksschriften machen, unter Juden wenig Glück. Der wackre Schulmann ugd Schriftsteller für's Volk, Krämer in Altenmuhr, wird sogar von den Pseudogebildeten verfolgt, weil er, in seiner neuesten Schrift, den Wucher aufdeckt und verpönt. Ba i er n. Der Weinreisende Wern eck (christlicher Religion),ist wegen versuchter Entführung eines Kindes, die man nebst obligater Blutbeschuldigung den Juden zu Oettingen aufbürdm wollte, zur Gefängnißstrafe und zur Tragung der Kosten verurtheilt worden. Großh. Me klen b. -Schwerin. Die Bürger der Haupt- und Residenzstadt Schwerin haben beim Landtage auf Emancipation der Juden angetragen. * » Breslau. Nach dem Journal des Debats vom 20. November ift'jben jüd. Kaufleuten der Zutritt zu der neuen Korn- und Getreidebörse erlaubt; der vierte Theil der Courtiers soll aus Juden bestehen. — Berlin. Die erste Vorlesung des Dr. S. Stern in Berlin hatte zum Thema: Die Religion und das Religionsbedürfmß des Menschen. — Das Haus, in dem einst Moses Mendelssohn wohnte, Spandauerstcaße 68 zu Berlin, ist jetzt zu verkaufen. An dem Hause befindet sich eine angemessene Inschrift. — * * Rußland und P o l e n. Die Deutsche Allgemeine Zeitung giebt den Modus der neuen an Juden zu verpachtenden, äußerst drückenden Lichtsteuer an, von der nur Wenige eximirt sind und deren Ertrag den künftig zu errichtenden jüdischen Schulen zu Gute kommen soll. Becberei. Ein Jude aus Tripolis in der Berberei war Muselmann geworden, später aber wieder zum Judenthume zurückgekehrt. Der Bei von Tripolis fragte nun sn Konstantinopel an, ob er enthauptet werden solle. Indessen kam der Befehl,, ihn nach Konstantinopel zu schicken. Hier wurde im Rache der Ulema's (Geistlichen) beschlossen, das wegen der christlichen Renegaten erlassene Gesetz auch auf die Juden anzuwenden. Er wird nun dem Chacham-Baschi (Oberrabbiner) übergeben, bleibt Jude und behält seinen Kopf. Konstantinopel. Der am 25. Oktbr. dort ausgebrochene Brand, welcher in 14 Stunden 600 Häuser verzehrt, hat auch das Judenquartier und die Synagoge großen- ' theils vernichtet. Noch und Elend aller Art, Hungersnoth t und Krankheiten herrschen. Möge die Mildthätigkeit recht bald Helsen. * * l * ' Meiningen, 25. Novbr. In diesen Tagen (am 17.) starb der Rabbiner Jos. Hofmann im 38. Jahre seines Lebens. Bei seiner Beerdigung am 19. zeigte sich große Theilnahme. Die D. A. Z. giebt seinen Nekrolog, worauf ich d!e Leser verweise. - Verlag von C. L. F r i tz s ch e. Druck von I. H. Nage U

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