Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1844
- Issue
- 9 (27.2.1844)
- Date
- 1844-02-27
- Page
- Spalte 141-142 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Es sind diese Spalten sonst nicht der Ort, einen Roman, eine Unterhaltungsschrift zu besprechen, u. wenn wir hier eine Ausnahme machen, so liegt der Grund einzig und allein in der Tendenz des Romans, die uns veranlaßt, darauf aufmerksam zu machen, um seinen Leserkreis mit erweitern zu helfen. Äenny behandelt eine alte Frage in einer nicht mehr neuen Form, aber auf eine schöne Weise: nämlich die Freiwerdung, die Gleichstellung der Juden. Dieser kämpft dafür in politischen Blättern, Jener in Flugschriften, dieser spricht dafür in den Kammern, Jener in engen Kreisen: es hat Alles sein Gutes. Bedenken wir aber, daß das leidige Vorurtheil, diese so lief wurzelnde Giftpflanze, die gar nicht auszurotten ist, *) So eben wird uns aus Berlin berichtet, daß die Verf. lue dortige Dame, Fanny Lewald, sei. Die Red. ein Haupthinderniß der zu erstrebenden Freiheit istz bedenken wir, daß alle Vernunftschlüsie, alle Beweisgründe gegen diesen Panzer abprallen, so müssen wir es als höchst verdienstvoll anerkennen, wenn man sich mitten auf den Kampfplatz wagt und da streitet, streitet mit Waffen, die in unserer nach neuen Romanen immer hungrigen Zeit, sicher die besten und passendsten sind. Denn wo der offene Kampf nicht fruchtet, da muß man das Terrain unterminen, man muß die Hohlheit und Flachheit des Vorurtheils zeigen, ohne nur sichtbar werden zu lassen, daß man es wollte. So dienen uns diese Unterhaltungsschriften, die wir in den Händen aller nur möglichen Arten von Lesepublikum finden, und wir halten es für Pflicht, der Verfasserin die vollkommenste Anerkennung öffentlich zn bezeugen. Dabei ist der Roman gut und fließend geschrieben, und nimmt im Fortschreiten an Interesse zu. Möchten wir ihn auch nicht zu einem vollkommenen Kunstgebilde stempeln — denn die Kritik kann sich selbst durch die besten Absichten nicht bestechen lassen — so gehört er doch zu den besseren, die in unserer Zeit geschrieben worden. Es ist Schade, daß die Verfasserin im Ausmalen und Vollständig machen zu sehr ins Breite fällt, wodurch der Fortgang der Handlung gehemmt wird; auch fehlt den Charakteren die Schärfe und Tiefe, dieses Seelenergründen, das gerade hier am schönsten wäre, und das die Verfasserin wohl gefühlt, aber nicht gegeben hat; doch ist Alles sehr schön zu einem Ganzen verschlungen, und sind die Nebenhandlungen oft von zu geringem Interesse und tritt die Absichtlichteit hier zu deutlich hervor, so werden wir doch durch viele Schönheiten entschädigt. Die Geschichte ist interessant; es liegt nicht in unserm Plane, sie hier wiederzugeben. Wir wollen nur noch erwähnen', daß der Schluß sehr wichtig ist: das allwaltende Fatum rächt sich am Weltübel, das Vorurtheil kostet Opfer, und wir fühlen, daß solcher Opfer schon viele waren, und noch mehr sein werden, wenn Deutschland in seinen socialen Verhältnissen nicht eine andere Gestaltung annimmt. — Die scharfe Trennung zwischen Juden und Christen, wie sie hier gezeichnet ist, findet man übrigens selten. Man kann sich von einem so starren Abschließen keinen Begriff machen, wenn man das Leben in einzelnen Städten wie z. B. Frankfur. a. M. nicht kennt, wo es wirklich sich ganz so findet, wie es in der Jenny geschildert wird, was den dortigen Bewohnern gar nicht auffallend erscheint, den Fremden aber schmerzhaft berührt; wenn man jemals an den Druck, der noch auf die Juden lastet, vergessen könnte: hier wird man daran erinnert. Den Schwachen muß es entmuthigen, wer aber Kraft in sich fühlet, der führt den Kampf: der Einzelne ist (hätig, das Ganze aber schafft. Louis Simon. 9) crgin?)^kxn jNoSx axn“;p nii’f? ISO m» iQlpE^N |2, d. h. Kommentar über das Buch der Klaglieder/als Ltzeil des Werkes KitUb el-Bejün, verfaßt von Tanchum den Josef el-Makdisi (d. h. der Jerusalemer). Der lateinische Titel des Buches ist: Tanchumi Hierosolymitani Commentarius arabicus in Lamentationes ,