Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 3 (1842)
- Issue
- Heft 36 (3.9.1842)
- Date
- 1842-09-03
- Page
- Seite 284 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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284 zur Erwählung eines Rabbi aus den drei Klassen der hiesigen Judenschaft 32 Männer, die sich über die Wahl vergleichen, herausgenommen werden sollen und die geschehene Wahl des Rabbi innerhalb acht Tagen den höchsten Behörden Behufs der Bestätigung des Gewählten anzuzeigen ist. In solcher Weise hat nach den im Gemeinde-Archive vorhandenen schriftlichen Urkunden am 4ten August 1743 die Wahl des seligen Oberlandrabbiners David Frankel, am 29sten März 1772 die Wahl des seligen Obeclandrabbiners Hirsch el L ev in, am 27sten März 1784 die Wahl des seligen Rabbiner-Assessors Meyer Simon W e y ( und endlich am 22sten Mai 1809, die Erwählung desselben zum Bice-Öber- Landrabbiner stattgefunden. In Folge der von uns in dieser Beziehung höhern Ortes emgereichten Anträge, hat uns unterm 9ten d. M. das Königliche Polizei-Präsidium angezeigt, daß Se. Majestät der König durch Allerhöchste KabinoLsordre vom 25sten Mai d. *2. zu bestimmen geruht haben, daß die Wahl des Rabbiners von dem Gemeindevorstand mit Zuziehung von 32 Mitgliedern aus den bestehenden drei Klaffen der Gemeinde vorzunehmen sei und daß diese 32 Männer und eine angemessene Zahl von Substituten in Gegenwart der sogenannten 15 Männer und der beiden Rabbinats-Assefforen aus sämmtlichen stimmfähigen Gemeindemitglicdern in der Art durch das Loos zu bestimmen, daß aus jeder der beiden ersten Klaffen etlf. und aus der dritten zehn Mitglieder an der Wahl Theil nehmen. Demgemäß hat kam 2!sten d. M. in Gegenwart der 15 Männer und der beiden Herren Rabbinats-Assefforen die Bestimmung der 32 Wähler und ihrer Substituten durch das Loos stattgefunden. Mehrere von den aus diese Weise fcstgeftellteu 32 Wählern sind entweder nicht hier anwesend oder durch anderweitige Abhaltungen verhindert, an der Wahl Theil zu nehmen; es sind daher die Substituten aus den verschiedenen Klassen, der Reihefolge nach, an ihre Stelle getreten. Gegenwärtig bestehen die 32 Wähler und deren Substituten aus folgenden Gemeindemitgliedern: Wähler. Aus der 1' Klasse: 1) Herr Alexis Meyer. 2) Hr. I. I. Caro. 3) Hr. B. S. Berend. 4) Hr. Commerzien-Rath Lessing. 5) Hr. Louis Rieß. 6) Hr. L. T. L e s se r. 7) Hr. I. H. S a m so n. 8) Hr. Joseph L i e b e r m a n n. 9) Hr. R. S. Gumpertz«. 10) Hr. Louis Neuburger. 1t) Hr. Dr. Isidor Iaco b so n. Aus der U. Klasse: 12) Hr. Hermann S im on. 13) Hr. Wolff Levin Besch ü tz. 44) Hr. Joachim Lieber mann. 15) Hr. S. Blumenr e i ch. 16) Hr. I. W. M a r ck w a l d. 17) Hr. L. F. Wolfs. 18) Hr. B. H. Lev y. 19) Hr. Liebmann Moßner. 20) Hr. I» M. Gaudechau. 21) Hr. Jtzig W. Meyer. 22) Hr. Moritz Güterbock. Aus der Ui. Klasse: 23) Hr. Martin Meyer. 24) Hr. Scholem Bernhard. 25) Hr. Max Moßner. 26) Hr. Schefftel Friedländer. 27) Hr. H. A2 Hirschberg. 28) Hr. Simon Caro. 29) Hr. H. M. Löwenthal. 30) Hr. Jtzig Goldschmidt. 31) Hr. Jacob Salomon. 32) Hr. M. L. C a s p e r. Substituten. Aus der i. Klasse: 1) Hr. Philipp Hellborn. 2) Hr. Alexander Mendelssohn. 3) Hr. Geheime Commer- (ienrath Beer. Aus der 11. Klasse: 4) Hr. Jsaac Schon Lank. 5) Hr. Joseph Lehfeldt. 6) Hr. Moses Wolfs. 7) Hr. Dr. Peter Th. Rieß. 8) Hr. D. M. Frankel. 9) Hr. Adolph Meyer. 10) Hr. G. A. Rosenbreg. Aus der Ui. Klasse: 11) Hr. Salomon Holländer. 12). Hr. Joseph Samuel. 13) Hr. Samuel Nathan. 14) Hr. A. Bleichröder. 15) Hr. A. H. H e y m a n n. 16) Hr. H. Salomon. 17) Hr^ Jacob Schwerin. Wir zeigen Ihnen dieses mit dem Bemerken an, daß die Wahl des Ober-Rabbiners auf den 15. August d. I. anberäumt ist. Sollten Sie hinsichtlich eines oder mehrerer Ihnen bekannten und in Vorschlag zu bringenden Wahlkandidaten besondere Wünsche auszusprechen haben, so wollen Sie sich damit an einen oder mehrere der Mitglieder des gesammten, aus 39 Männern bestehenden Wahlcollegiums wenden, deren Ermessen es natürlich überlassen bleiben muß, wie und inwiefern sie die gegen sie ausgesprochenen Wünsche in Ausführung bringen. Wir bitten Gott, daß Er die Ehre unserer heiligen Religion und zum Wohl unserer Gemeinde beabsichtigte Rabbinerwaht segnen möge und zweifeln nicht, daß Sie mit Ihrer Theilnahme und Ihren Wünschen diese fromme Handlung begleiten werden. Berlin, den 28. Juli 1842. Die Ae l testen und Vorsteher der Judenschaft. Solomon Meyer. Joel Wolff Meyer. Dr. Moritz Veit. I. Muhr. Joseph Lehmann. I. Hirsch selb. L. A. Benda Frankfurt, 6. August. Die hiesige israelitische Bürger- und Realschule hat einen herben Verlust erlitten. Herr Dr. M. Creizenach, seit siebenzehn Jahren Lehrer der Religion, Mathematik und deutschen Sprache, ist ihr gestern durch einen frühzeitigen Tod entrissen worden. Groß sind die Verdienste des Verewigten um die Bildung und Veredlung der Jugend, der er ein eben so gemüthlicher und liebevoller, als kenntnißreicher und geistvoller Lehrer war, und deren religiösen Unterricht er durch die Lehre des reinen Judenthums, Resultate der umfassendsten Kenntniß der theologischen Wissenschaften, in der jährlichen Consirmation, zum Theil nach einem von ihm herausgegebenen Leitfaden, vollendete. Aber nicht blos die Jugend, die ganze Gemeinde fühlt sich schmerzvoll von dem Tode eines Mannes ergriffen, der ihr in seinen gehaltvollen Predigten im Andachtssaale die vortrefflichsten religiösen und sittlichen Belehrungen ertheilte, und deren geistiges und sittliches Fortschreiten ihm eine Herzensangelegenheit war. Die theologische Wissenschaft des Judenthums, die er mit reichhaltigen, das Dogma, wie das religiöse Leben beleuchtenden Werken und Abhandlungen, den Früchten einer umfassenden Gelehrsamkeit und eines tief eindringenden Forschungsgeistes, bereicherte, und die Mathematik, welche ihm einige gediegene Lehrbücher verdankt, haben in demselben einen trefflichen Forscher und Schulmann verloren. Als zärtlicher Familienvater, als theilnehmender liebenswürdiger Freund und höchst anspruchloser und bescheidener Gelehrter, wird er allen, die ihn näher kannten, unvergeßlich bleiben. Mainz, 8. Aug. Gestern reiste eine Anzahl hiesiger israelitischer Bürger nach Frankfurt, um dem Hingeschiedenen Dr. Creizenach, Lehrer an der dortigen Schulanstalt, zum Grabe zu folgen. Der Tod dieses ausgezeichneten Mannes, der Bürger in der hiesigen israelitischen Gemeinde war, hat in derselben den schmerzlichsten Eindruck hervorgerufen, ob er gleich seit vielen Jahren in Frankfurt wohnte und wirkte. Die Motive für diesen tiefen Schmerz liegen auf der Hand. Dr. Creizenach hatte, ehe er nach Frankfurt überzog, dahier eine Schule, worin die jetzige reifere Männer-Generation ihre Erziehung und religiöse Bildung erworben hat. In dieser Schule, die schon an sich vortrefflich war, legte Creizenach den Grund zu jener aufgeklärten und humanen Betrachtungsweise jüdisch-religiösen Lebens und Handelns, die später so