Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 3 (1842)
- Issue
- Heft 17 (23.4.1842)
- Date
- 1842-04-23
- Page
- Seite 129 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Dritter Jahrgang, TT Berichte, Studien und Kritiken fü r Das Abonnement für ein Jahr isi 5 Thlr. Man abonnirt bei allen löbl. Postämtern und allen solid. Buchhand- Lunaen auf ein Jahr. Dr. Julius Fürst. Mische Geschichte und Literatur. Herausgegeben von Von dieser Zeitschrift erscheinen wöchentlich, das Literaturblatt mitgerechnet, zwei Bogen, und zwar an jedem Samstag regelmäßig. - _Leipzig, den 23. April 1842. Deutschland. (Berlin: Dr. Nieß's Aufnahme in die Akademie der Wissenschaften. Breslau: Unangenehmer Vorfall bei einem Beg7abniß und dessen Folgen. Niederwerrn: Beleuchtung eines früheren Aufsatzes im Orient über die weltgeschichtliche Tendenz des Judenthums.) — Böhm e m (Prag: Institut der Frau Charlotte Löw.) — V o l k s t h ü m l i ch e Aussatze und B e nr t h ei lu n g e n: Aktenstücke in der Hamburger Gebetbuchfrage. — Literatur: Die Geiger'sche Schrift über den Temrelstreitllwurtheilt. — Ueber das Verhaltniß des Lehrers und der Schule in den früheren jüd. Gemeinden nach dem rabbinischem Rechte u. dem älteren Herkommen (Fortsetzung). — LB. d. Or. Deutschland. II. April. Tempora mulanlur el 110s mnlanuir in iüis*, dieses große Wort hat sich hier vor einigen Tagen auf eine glänzende Weise bestätigt. Der -durch seine mathematischen und naturhistorischen Kenntnisse rühmlichst bekannte Dr. Peter Rieß ist nämlich von unserer Akademie der Wissenschaften trotz seines jüdischen Bekenntnisses zu ihrem ordentlichen Mitglieds wie 36 gegen 3 Stimmen ausgenommen und in seiner Wmde von Sr. Majestät dem Könige bestätigt worden, wobei Alex, von Humboldt am Schlüsse seines Amtsschreibens an den Neuaufgenommenen bemerkte: „daß dieser Schritt der Anfang der Sühne fei, welche den preußischen Juden abgetragen werde für das 25jahrige Unrecht, das sie erdulden mußten" und darf dieses Zugestandniß gewiß nicht so gering veranschlagt werden. Denn man denke nur 70 Jahre zurück, wo Moses Mendelssohn zu gleicher Würde von unserer Akademie erhoben wurde, wie benahm sich damals der freimüthige Friedrich II.? — Ec strich den jüdischen Philosophen von der Liste der Akademiker und dieser sah sich zu der Aeußerung genöthigt: „Besser daß eine Akademie mich zu ihrem Mitglieds vorgeschlagen und ein König mich gestrichen hat, als wenn ein König mich vorgeschlagen und die Akademie mich gestrichen hätte." Schließlich bemerken wir noch, daß der Schwager des Dr. P. Rieß, der Hauptwann Burg ist, den neulich, wie bereits bekannt, unser König mit dem rochen Adlerorden vierter Klasse beschenkt hat. Breslau, 10. April. Zeihen Sie mich nicht der Kleinigkeitskrämerei, wenn ich Ihnen heute mit ungewohnter Ausführlichkeit einen Bericht über einen Vorfall. abstatte, der unter den hiesigen Israeliten jetzt das alleinige Tagesgespräch bildet. Dies unangenehme und widerwärtige Eceigniß wird Ihren Lesern gleichzeitig ein Bild abgeben von der Unruhe und Zwietracht, die jetzt in unsrer einst so friedfertigen Gemeinde herrschen, von den Feindseligkeiten und Parteiungen die uns ganz und gar zerfleischen und unsere besten Kräfte und Säfte zu Nichte machen. Die Ereignisse, welche der Anstellung des Hcn. Dr. Abc. Geiger als Rabbiner vorangingen, sind Ihrem Gedächtnisse gewiß noch nicht entfallen, ja sie lassen sich vielleicht errathen und vermuthen, da sich jetzt Aehnliches wieder zugetragen hat. Und in der Thar, wenn Sie seit längerer Zeit von hier nichts Erhebliches über Gemeindeangelegenheiten, Gemeindevecfassung, Rabbinat rc. erfahren haben, so dürfen Sie das durchaus nicht etwa für ein Zeichen der innern Ruhe, Ordnung und Zufriedenheit halten, und als ginge Alles seinen Gang fort z nein auch seit der definitiven und festen Anstellung Geigers gahcte und kochte es im Innern der Gemeinde immer fort, und es war vorauszusehen, daß auch schon ein unbedeutender Anlaß den Ausbruchder früher» Gehässigkeit wieder Hervorrufen werde. Ein solcher Anlaß nun wurde heut vor acht Tagen gegeben. Es sollte nämlich an diesem Tage ein echt frommer, religiöser und auch nicht unbegüterter Mann zur Erde 17 '