Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 3 (1842)
- Issue
- Heft 7 (12.2.1842)
- Date
- 1842-02-12
- Page
- Seite 50 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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50 samkeit schenkte. Sie erwiederte der schottischen Mission, „daß sie auf den Gegenstand der Denkschrift ihre ernsteste Aufmerksamkeit richten wird". (Forts, folgt.) Deutschland. Berlin, 2. Februar. Die Gesellschaft der Freunde, ein aus den gebildetsten und geachtetsten Männern der hiesigen, jüdischen Gemeinde bestehendes Institut , das, gleich dem der Freimaurer, nicht blos dem Wohlthun, sondern auch der Verbreitung humaner und wahrhaft duldsamer Gesinnungen gewidmet ist, feierte am 30. Januar o. ihr 50jahciges Jubelfest. Es zerfiel dieses Fest in zwei Abtheilungen, in eine innere Feier, die den Statuten der Gesellschaft gemäß nur für die Mitglieder der Gesellschaft stattfand, und worin über die zahlreichen Wohlthaten derselben (sie spendet jährlich 5—6000 Thcr-!er an Familienväter, Wittwen und Waisen) Rechenschaft erstattet wurde, und wobei namentlich die neun Greise, die von den ursprünglichen Stiftern noch am Leben sind, und zu denen der ältere Sohn des großen Moses Mendelssohn gehört, von den nach den Jahrgängen ihrer Aufnahme unter besondern Marschallen in ihrem festlich decoricten Lokal ausgestellten Mitgliedern feierlich empfangen wurden. Die Greise ließen sich auf einer Erhöhung -nieder; ihnen gegenüber saß der Vorstand der Gesellschaft, während rechts ein großes Tableau verhüllt war und links im Saale die ganze Gesellschaft, die altern Mitglieder immer vorn, aufgestellt war. Der Vorsteher, Herr I. Lehmann hielt die Jubelrede, während welcher er das Zeichen zur Enthüllung des Tableau gab, das unter den Büsten des Königs und der Königin die von Prof. Hen sel und dem Maler Gustav Herz gemalten Bildnisse der beiden ältesten noch lebenden Stifter, Hcn. Joseph Mendelssohns und I. Neo's, so wie eine große allegorische Zeichnung, ebenfalls von Prof. Henftl zeigte Dem Pflegevater der Gesellschaft, Hr. Gold sch mi dt, der seit 44 Jahren sein menschenfreundliches, unbesoldetes Amt verrichtet, wurde ein in Silber reichgefaßtes Jubel-Diplom überreicht. Nachmittags versammelte sich die Gesellschaft im Odeum, weil ihr eigenes Lokal für die Zahl der an dem Festmahle theilnehmenden Gaste zu klein war. Der Oberbürgermeister, der Bürgermeister von Berlin, der Polizei-Präsident, die Geh.-Ob.-Reg.-Räthe Streckfuß und Brüggemann, von denen Elfterer im Ministerium des Innern und Letzterer im Ministerium des Cultus die Angelegenheiten der Juden zu leiten hat, so wie noch mehrere angesehene Männer, die für die Gesellschaft ein besonderes Interesse haben, waren als Gäste erschienen. Unter ihnen auch der Kapellmeister Felix Mendelssohn, der eben so wie der Kapellmeister Me per beer, welcher Mitglied der Gesellschaft ist, und Herr Musikdireetor Neithard, die Taftllieder der Gesellschaft komponirt hatte. Sämmtliche Compositionen wurden von den anwesenden Musikverständigen für meisterhaft erklärt. Die Toaste galten dem Könige, der Königin und dem königl. Hause (vom Vorsteher ausgebracht), dem Vaterlande und der Stadt Berlin (von Dc. Veit), worauf der Oberbürgemeister das Wort nahm und sagte, daß die Stadt Berlin immer eine Ehre darin gesucht habe, ihre wackeren israelitischen Mitbürger als solche anzuerkennen. Auf gleiche verbindliche Weise sprach sich Hr. Geh.^Rath Streckfuß aus. Demnächst wurden noch mehrere Toaste den Stiftern der Gesellschaft und den Gästen ausgebracht; worauf sich Hr. Geh.-Rath Brüggemann erhob und in wahrhaft begeisternden herrlichen Worten dankte, zugleich den Wunsch aussprechmd, daß der wahrhaft Einigenden, Liebenden und Strebenden im Vaterlands immer mehr werden wögen. Sämmtliche Reden der Gaste wurden vom Vorsteher der Gesellschaft beantwortet. Das Ganze machte einen überaus erhebenden Eindruck. Hr. Ludwig Lesser, zeitiger Sekretär der Gesellschaft, ließ bei dieser Gelegenheit eine achtbare Festgabe vectheilen, nämlich eine von ihm ausgearbeitete und als Manuskript abgedruckte Chronik der Gesellschaft der Freunde (13 Bogen stark), aus der wir entnehmen, daß die Gesellschaft wahrend der 50 Jahre ihres Bestehens nicht weniger als 80,092 Thaler zu wohlthatigen Zwecken verausgabte. Leipzig, 2. Febr. So eben ist hier ein Bogen starkes Broschürchen erschienen, das unter dem Namen: „Die Juden in Leipzig" annoncirt wurde, aus welchem Titel Viele auf ein Schristchen schließen möchten, das aus der Feder eines die Concurrenz fürchtenden und nebenbei judenfeindlichen Großhändlers geflossen, und das so manche vom Ankauf desselben abhalten könnte. Ohne auf den Grund einer falschen Annoncirung hier eingehen zu wollen, bemerke ich nur, daß der wahre Titel: „Die Bedeutsamkeit der Juden in Leipzig" lautet, woraus man gerade auf eine entgegengesetzte Tendenz schließen wird. So bedeutend und weltberühmt die meßblühende Merkur-Stadt Leipzig, das deutsche Manchester, im Reiche des Handels dasteht, so unbedeutend und geringfügig ist die hiesige jüdische Gemeinde, so wenig ist die Rede von jüdischen Bürgern der Pleißensiadt, und doch haben die Juden zu dem Meßflor, zur Blüthe Leipzigs so viel beigetragen, und noch bis aus den heutigen Tag tragen sie zum Wohlstände unserer Stadt bei. Dieses Problem zu lösen, lag nicht im Sinne des Verfassers, er wollte blos auf einige momentane Erscheinungen in der Stellung der Juden hier aufmerksam machen. Zuerst spricht der Verfasser daher über die des Handels wegen hier verweilenden ausländischen Juden, die im Allgemeinen schon sehr früh mit großer Liberalität behandelt und angesehen wurden, so daß die Leipziger Judenordnung von 1682, worin das