Der israelitische Volkslehrer
- Journal
- Der israelitische Volkslehrer
- Volume
- 6 (1857)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1857)
- Date
- 1857-01-01
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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4. Die Leiden des V» Zuuz*). Erstes Gespräch. Lehrling. Sie haben vollkommen Recht; der Verfasser des „historischen und literarischen Sündenregisters" hat die Autorität des vi-. Zunz sehr erschüttert, aber gerade nm sich solcher scharfen Kritik nicht wieder auszusetzen hat er seine „synagogale Poesie" so bearbeitet, daß ihm noch Niemand darin einen Fehler nachgewiesen hat. Meist er lein. Ich begreife dieses sekr wohl, weil sich noch Niemand die Mühe gegeben hat dieseö Werk zu beunheilen; denn Fehler wahrlich sind genug darin; besonders in dem Thcile, „Leiden" betitelt, bemerkt man „viel Jrrthum und ein Fünkchen Wahrheit." Lehrling. Mir dünkt im Gegentheil dieser Abschnitt des Werkes der ^) sehr wir alle Verdienste Zuliz's^um die jüdische Literatur überhaiN't und die Literarhistorie insbesondere anerkennen und insbesondere sein Werk über „die gottesdieiistlichen Borträgeu>. als eines der lichtvollsten und aufklävendsten Werke der Neuzeit bezeichnen müssen, so muß deßhalb doch der Kritik ihr Recht widerfahren und dürfen die Verdienste eines Gelehrten uns gegen seine Mängel nicht blind machen. Auch uns erschien das jüngste Werk von Zun;, „die Synagvgale Poesie" als eines der schwächsten. Die Syuagoaale Poesie des Mittelalters, insofern sie daS beittschpolnische Rituale betrifft, ist allgemeinhin selbst so schwach und geschmacklos, daß ihre Verherrlichung unmöglich viel Herrlichkeit zu besitzen vermag. Versmaß und deutscher Reim geben den Sachen immer ein hübsches Kleidchen, aber Gehalt ist nicht viel drinn. Dasselbe Urtheil müssen wir über die neueste Machsor-Uebersetzuna. von Vr. Sachs fällen. Das ist ein großes Stück Arbeit; mit viel Fleiß und Ausdauer durchgeführt; aber Poesie ist wenig dran und drum. — Schließlich müssen wir der Wahrheit die Ehre geben, daß nach unserem Erachten allerdings die Einleitung zur „Synagogalen Poesie," worin Zunz die Leiden der Synagoge schildert, das Beste am Buche sei, und das Verdienstliche dieser mit Umsicht, gedrängter Kürze und inniger Pietät geschrie, denen Schilderung stehen bleibe, so auffallend immer die groben Fehler und Mängel find, welche der geehrte Kritiker in den folgenden Blättern nachweist, wofür wir ihm im Interesse der Wissenschaft zu Danke verpflichtet bleiben. — Ned.