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Palästina-Nachrichten · 1935-11-22 · Heft 21 (22.11.1935) · p. Seite 4

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Journal
Palästina-Nachrichten
Volume
2 (1935)
Issue
Heft 21 (22.11.1935)
Date
1935-11-22
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Deutschland UäU den Jlekocd Ut dec P^läriina-EiHfuhc Zum erstenmal hat im Monat Juni, den letzten von der Regierung veröffentlichten Zahlen, Deutschland England in der Warencinfuhr geschlagen. Allerdings ist die Steigerung der deutschen Einfuhr nur unbedeutend und der Vorsprung ist vor allem durch den Rückgang der englischen Importe verursacht. Aber gerade diese Aktivität der deutschen Importe und speziell auf dem Gebiete der Einfuhr von Fertigwai'cn hat bei amtlichen Stellen in der Öffentlichkeit berechtigte Aufmerksamkeil hervorgerufen. Die nachstehende Tabelle vergleicht die Jahreszahlen ig33 und 1934 sowie die Monate Mai und Juni ia35. £P Nahrungsu. Oenußmittel Halbfabrikt. Rohstoffe u Fertigwaren Diverses Gesamt: Ii igland utschland c 3 « igland iütschland igland lulschland igland cT u Q t§ Q DJ Q DJ a tu 1933 18700 35 400 8400 51600 921600 104560'» 244 600 687400 1193300 1920000 1934 18400 116 901. 5100 64100 1343 7 0 1650400 281 800 1129400 659100 2960800 1935: Mai 1369 10'67 291 1800 139659 167 135 20 347 113 510 161616 292 511 Juni 1219 7 747 941 2730 140956 108782 24 469 39 171 167 585 158439 Dr. E. F. A. iHtecessattt jutul widdig,! Süd-Afrika Das ,,R. T." bringt einen sehr günstigen Bericht von Dr. Ruperli (Allianz-Versicherungs-Konzern), dem folgendes entnommen sei: Das Gespenst der Arbeitslosigkeit, wie wir es in Mitteleuropa kennen, ist gegenwärtig in Südafrika völlig unbekannt. Wer heule seine Stellung verliert, findet in der Regel sehr bald ein neues Feld zur Betätigung. Gelernte Arbeiter sind sogar außerordentlich gesucht, und die von Süd-West nach Johannesburg ausgewanderten deutschen Maurer und Zimmerleute — Johannesburg hat in den letzten zwei Jahren eine enorme Bautätigkeit entwickelt — verdienen 75 bis 80 Pfand im Monai. Der Lebensstandard der weißen Oberschicht ist überhaupt außerordentlich hoch und am schlagendsten durch die Tatsache illustriert, daß in Südafrika mehr Autos als Steuerzahler vorhanden sind. Diese wirtschaftliche Vorzugsstellung wird einzig und allein durch das Gold begründet. Südafrika produziert zwischen l\o und 5oo/0 der Weltproduktion von Gold, und die Ausgaben des Staatshaushaltes werden zu etwa 45o/o durch die Steuereinnahmen aus den Goldminen bestritten. Lediglich die Landwirtschaft bereitet auch in Südafrika große Sorgen, und während Minen und Industrie florieren, hat die Landwirtschaft schwer zu kämpfen. Dabei ist kenn- •zeichnend, daß der Farmer heute noch keine rechte Bodenständigkeit erlangt hat und daher das Ideal des jungen Südafrikaners nicht darin besteht, einmal die Farm seines Vaters zu übernehmen, sondern darin, die Universitäten und Hochschulen des Landes zu bevölkern. Grund und Boden werden quasi industriell ausgewertet, und jeder Farmer ist bereit, seine Farm an einem Ende des Landes gegen eine andere am anderen Ende zu vertauschen. Auch als Lnportland hat Südafrika eine große Bedeutung, wir: ein Bericht des Wirtschaftsdiensles (18. September ig35) zeigt: Der Einfuhrbedarf Südafrikas . Die Einfuhr hat sich von iq33 auf ig34 um annähernd 3o°/o erhöht; im laufenden Jahre hat sie vermutlich eine weitere Steigerung zu verzeichnen, denn die ersten Halbjahrsergebnisse liegen bereits über denen des Vorjahres. Dabei haben die ausländischen Lieferungen nach Südafrika sich mindestens ebenso stark erhöhen können, wie die aus Großbritannien und dem sonstigen Erapircgebiel, die durch die Ottawa-Präferenzen nicht unwesentlich bevorzugt sind. Aus folgender Übersicht geht hervor, daß an dieser Steigerung des Exports nach der Südafrikanischen Union ungefähr alle fremden Länder proportional beteiligt waren mit der einzigen bemerkenswerten Ausnahme Deutschlands. Im Gegensatz zu allen übrigen Lieferanten Südafrikas hatte Deutschland von ig33 auf1 ig34 eine Verminderung seines Exports — wenn auch nur geringfügiger Art — zu verzeichnen. Auch im ersten Halbjahr ig35 haben die deutschen Lieferungen knapp den Stand des ersten Halbjahrs 1934 bzw. ig33 erreicht. Cypern In Verbindung mit der internationalen Lage hat in verschiedenen cypriotischen Städten eine starke Preistreiberei in Lebensmitteln und sonstigem täglichen Bedarf eingesetzt. Die Regierung ist nunmehr dagegen mit einer Höchstpreisverordnung eingeschritten. Türkei Wie der „Tan" erfährt, hat der städtische Ausschuß unter dem Vorsitz des stellvertretenden Bürgermeisters Ekrem Sevencan gestern den Bau der Atatürk-Brücke vergeben. Der Ausschuß überprüfte noch einmal die Angebote der Teilnehmer und stellte fest, daß die Firma M.A.N. Maschinenfabrik Augsburg-Nürnberg unter den Teilnehmern sowohl in finanzieller als auch in technischer Hinsicht das geeignetste Angebot gemacht hat. Der Bau der Brücke wurde daher dieser Firma zum Preise von 1 585 665,95 Türkpfund vergeben. 2wei IldUUec Einem instruktiven Artikel in der „Orient-Rundschau" entnehmen wir folgende Zeilen, die gleichzeitig zwei Meinungen, eine deutsche und eine englische enthalten: Wir wissen, daß in dieser glänzenden Fassade hier und da schon Risse aufgetaucht sind, nicht alle Träume wurden bei dem teilweise überhasteten Tempo Wirklichkeit. Was aber tatsächlich erreicht wurde, bleibt bemerkenswert genug, und so kommt z. B. ein englischer Berichterstatter zu dem Schluß: „Solange der Strom von Einwanderern mit Kapital nicht versiegt, ist kein Grund zu Befürchtungen. Die Importeure werden überwiegend aus importiertem Kapital bezahlt, zudem stellen sie meist Produktionskapilal dar, wie Baumaterial, industrielle Maschinen u. dgl. Außerdem haben die Einwanderer neben den mitgebrachten Kapitalien oft noch im Auslande wirtschaftliche Stützen. Es ist zwar richtig, daß die neugegründeten Industrieunternehmungen ihre Rohmaterialien meist einführen müssen und daß ihr Export winzig ist, aber der heimische Markt ist gegenwärtig mehr als groß genug, IN PALÄSTINA steht den Lesern und Inserenten der „P.N." unser Generalvertreter HEINZ ZEIMANN Tel-Aviv, Dizengoffstreet 159, zur Verfügung volle Beschäftigung zu gewährleisten." (C. Empson in „Economic Conditions in Palestine".) In Zukunft wird ja dann allerdings auch die Handelsbilanz durch die selbstproduzierten Güter in gewissem Umfang entlastet. Bemerkenswert ist weiter, daß trotz allem Unternehmungen deutliche Anzeichen beginnenden Exports zeigen, wenn auch unter den gegebenen Voraussetzungen wohl nur der Industrie der Gewinnung von Kali, Brom usw. aus dem Toten Meer eine größere Exportzukunft vorausgesagt werden kann. Ist auch Palästina keinesfalls als ein „Neuland" unbegrenzter Möglichkeiten anzusprechen, so fehlen doch deutliche Anzeichen, die auf einen starken Rückgang des wirtschaftlichen Aufschwungs schließen lassen. Solange die Einwanderung wächst, bleiben viele Chancen vorhanden, selbst wenn die Zahl der Kapitalisten zukünftig geringer werden sollte. Die Sättigung des Kapitalmarktes drängt zu Neugründungen, von denen denn auch ständig berichtet wird. Allerdings schwinden damit die Bevölkerungsgegensätze im Lande noch keineswegs, die erst kürzlich wieder bei dem Waffenschmuggel in Jaffa zutage getreten sind und die in absehbarer Zukunft — vielleicht bei verstärkter jüdischer Einwanderung noch in zunehmendem Maße — von starkem Einfluß auf das wirtschaftliche und politische Gesicht des Landes bleiben werden. Dr. R. Hüber. 4

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