Zeitschrift für die Geschichte der Juden in der Tschechoslowakei
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in der Tschechoslowakei
- Volume
- 1 (1930-1931)
- Issue
- 4 (Juni 1931)
- Date
- 1931-06-01
- Page
- Seite 296 (sequence 80)
- Language
- German
- Belongs to
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cmr wurmstichig und vielfach beschädigt vorhanden ist, mit losen Blättern, auf morschen Papier, mit zum Teile verblaßter Schrift. Nichtsdestoweniger ist es dem unermüdlichen 'Forscher Dr. Flesch gelungen, den wesentlichen Inhalt zu entziffern, und hiebei festzustellen, daß ein Teil des Buches als Kassabuch der Zedakah für die Jahre 1645 bis 1695 diente, wobei jedes Gemeindemitglied ein eigenes Folio hatte. Für den Zeitraum von 1650 bis 1730 umfaßte der hebräisch geführte Pinax das Grundbuch der Synagogensessel, deren Ausmaße und Besitzer genau verzeichnet waren. Kauf und Verkauf, Tausch und Umschreibung der Schulsessel bildeten den Inhalt dieses interessanten und kulturhistorisch bedeutenden Bestandteiles des Pinax. Aber auch historische Ereignisse werden dortselbst ausführlich geschildert,, so die Verwüstung der Synagoge von Töbitschau im Jahre 1643 durch Torstensons Soldateska. Zum Schlüsse werden die Namen der Rabbiner, welche in Töbitschau gewirkt haben, in chronologischer Reihenfolge aus dem Pinax angeführt und aus dem Chewrabuche und Totenprotokolle ergänzt. Als letzter ist Israel, S. Zebi Hirsch angeführt, der im Jahre 1798 gestorben ist. Nunmehr gehört Tobitschau zur Kultusgemeinde Kojetein. Wir sprechen den Wunsch aus, daß diesem Aufsätze noch rieht zahlreiche Monographien aus der Feder des gelehrten Verfassers folgen mögen; denn die Anzahl der auf diesem Gebiete sachkundigen Personen ist leider nur eine verschwindend kleine. Dr. Theodor Haas, Brünn. Von der Schlacht bei Töbitschau im Jahre 1866. Herr Dr. Heinrich Flesch zitiert in einer von ihm verfaßten, kürzlich erschienenen Broschüre „Aus dem Pinax von Töbitschau" u. a. auch eine Stelle a.us dem Totenprotokolle der dortigen Judengemeinde, in welcher angeführt ist, daß ein Soldat des Infanterieregimentes Nr. 71, Feldwebel Nachum S. Mordechai Groß aus Bosäc in der Schlacht, welche in der Nähe von Töbitschau am 3. Ab 626 (15. Juli 1866) stattgefunden hat, gefallen ist und dortselbst am 17. Juli beerdigt wurde. Es handelt sich hiebei um eine Schlacht, welche arn genannten Tage bei Tobitschciu und dem nahen Dorfe Roketnitz zwischen Österreichern und Preußen stattfand, mit einem Siege der Preußen endete und zur Folge hatte, daß die östeirireichischen Truppen auf ihrem Rückmarsehe die Marchlinie aufgeben mußten. In dieser Schlacht hat auch das vorangeführte Infanterieregiment Nr. 71, welches sich aus den slowakischen Komitaten Trencin, Orava und Turec ergänzte, namhafte Verluste erlitten, und einem „Beitrage zur Geschichte dieses Regiments", ist zu entnehmen, daß unter den am 15. Juli 1866 auf dem Schlachtfelde von Töbitschau gefallenen Kriegern sich auch mehrere Juden befunden haben. So wird außer dem mit dem vorzitierten Nachum Groß zweifellos identischen Feldwebel Nathan Groß unter den Gefallenen angeführt ein Führer Ludwig Waldsberger, ein Führer Moritz Klar, ein Führer Ignatz Steinmann, ein Gefreiter Josef Finger, und ein Gefreiter Johann Weiß. Unter den Verwundeten werden angeführt Führer Jakob Neu, Korporal Benedikt 296