Zeitschrift für die Geschichte der Juden in der Tschechoslowakei
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in der Tschechoslowakei
- Volume
- 1 (1930-1931)
- Issue
- 3 (März 1931)
- Date
- 1931-03-01
- Page
- Seite 178 (sequence 42)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Dessen ungeachtet war die Vereinsleitung bestrebt, die 50jährige Wiederkehr der Vereinsgründung im Jahre 1919 durch die Herausgabe eines größeren wissenschaftlichen Werkes zu feiern. Die nötigen Vorbereitungen hiezu wurden schon drei Jahre vorher getroffen, und es wurde ein eigenes Komitee unter dem Vorsitz des Herrn Univ.-Prof. Dr. Sam. Steinherz eingesetzt. Zunächst wurde an eine großangelegte Arbeit nach Art des Wurzbach'schen Lexikons gedacht. Dieses Werk sollte einen kurzen Abriß aus dem Leben aller jener Juden bieten, welche sich innerhalb einer bestimmten Geschichtsepoche in Prag und im ehemaligen Königreich Böhmen aufgehalten und sich auf dem Gebiete der Kunst, der Wissenschaft oder der Volkswirtschaft bleibende Verdienste um die Öffentlichkeit erworben hatten. Zu diesem Behufe wurde an alle Gemeinden und sonstigen in Betracht kommenden Korporationen Fragebogen verschickt. Allein auch die wenigen eingelaufenen Antworten waren derart unvollständig, daß sie als Grundlage einer wissenschaftlichen Arbeit ganz unverwendbar gewesen wären. Überdies waren inzwischen infolge des langandauernden Krieges sämtliche zur Drucklegung eines umfangreicheren Werkes notwendigen Materialien furchtbar teuer geworden. So sah sich das Komitee gezwungen, seinen ursprünglichen Plan aufzugeben und sich mit einer kleineren Leistung zu bescheiden. Die Anregung des Komiteevorsitzenden wurde daher allgemein begrüßt, das Nationale aller an den weltlichen Fakultäten der Prager Universität promovierten Juden von der Zeit ihrer Zulassung zum Universitätsstudium bis zur nationalen Trennung der Universität 1882 zu sammeln. Diese Arbeit wurde dem Archivar der Deutschen Universität, Herrn Dr. Bergel, übertragen und von diesem auch durchgeführt. Die Halbjahrhundertfeier des Vereines wurde am 24. Dezember 1919 in solenner Weise mit einem Festvortrag des verdienstvollen Vereinsmitgliedes Herrn Rabb. Prof. Dr. Isidor Hirsch über „Achad* Haam, ein jüdischer Nationalphilosoph" begangen. Aber auch noch die folgenden Jahre haben sich im Leben des Vereines nicht besonders günstig gezeigt. Die Interesselosigkeit für wissenschaftliche Darbietungen der vergangenen Zeit hielt noch weiter an, und auch die Zahl der Vereinsmitglieder wurde immer kleiner. 178