Zeitschrift für die Geschichte der Juden in der Tschechoslowakei
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in der Tschechoslowakei
- Volume
- 1 (1930-1931)
- Issue
- 2 (Dezember 1930)
- Date
- 1930-12-01
- Page
- Seite 127 (sequence 64)
- Language
- German
- Belongs to
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Das jüdische Museum in Presov. Von Dr. Theodor Austerlitz, Presov. Nach 2jährigem Bestände, im Kindesalter, da jüdische Institutionen gar zu häufig dem frühen Untergange verfallen, ist das jüdische Museum dn Presov (Slowakei) seinem engen Rahmen bereits entwachsen und in sein neues, eigenes Heim übersiedelt. Bis zum Anfang des XIX. Jahrhunderts waren die Tore der einstigen kö-nigl. Freistadt Eperies, jetzt Presov benannt, der Niederlassung von Juden verschlossen. Sie durften sich wohl während der Jahrmärkte je 3 Tage in den Vorstädten aufhalten, wurden aber peinlichst überwacht, daß sie diese karg bemessene Frist nicht •überschreiten. Es entstand eine größere Judensiedlung ganz nahe der Stadtgrenze, in Schebesch. Doch auch für die 3 Duldungstage sorgten die marktfahrenden Juden für ein Bethaus in der Stadt. Ein solches wurde vor 2 Jahren durch den Zufall entdeckt. Bei Renovierung eines Wohnhauses am ehemaligen Stadtgraben kamen bei Abschabung der Innenmauer hebräische Buchstaben, das Tetragramm des Gottesnamens, dann die hebr. Inschrift „Dies ist die Pforte Gottes" ans Tageslicht. Als vorsichtig die oberste Mörtelschicht entfernt ward, kamen synagogale Gebettexte und ornamentale Wandmalerei zum Vorschein. Nur wenige Männer, die wir Sinn für jüdische Denkmäler und den Mut hatten, die Gründung einer jüdischen Kulturstätte anzubahnen, gingen rasch zu Werke. Die nötigsten Geldmittel £rgab eine Sammlung im Kreise der Judenschaft der Stadt. Sofort wurde auch die Sammlung des musealen Materials eingeleitet. Die Slowakei bewies sich als reiche Fundgrube hiefür. Sie war im vergangenen Jahrhundert eine Pflegestätte jüdischer Wissenschaft und Kunst. Bedauerlich ist nur, daß. für Erhaltung unserer Denkmäler kein Sinn herrschte. Sie wurden nicht gepflegt, lagen verwahrlost, dem Verfall preisgegeben umher und mußten aus Dachstühlen alter Synagogen, Rumpelkammern heraufbefördert werden, dabei kostete es zuweilen manch harten Kampf, irgend einen, sei es auch materiell wertlosen Gegenstand fürs Museum zu sichern, welchen kurzsichtiger Konservativismus dort verfallen lassen wollte, wo er schon Jahrhunderte moderte. j 127