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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in der Tschechoslowakei · 1930-12-01 · 2 (Dezember 1930) · p. Seite 79

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in der Tschechoslowakei
Volume
1 (1930-1931)
Issue
2 (Dezember 1930)
Date
1930-12-01
Page
Seite 79 (sequence 16)
Language
German
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Nachruf iür Dr. Michael Holzmann gehalten am 23. Oktober 1930. Von Dr. Julius Stockinger, Wien. Lieber Dr. Holzmann,vch verabschiede mich von Dir, in Vertretung des Direktors der Universitätsbibliothek und im Namen Deiner Kollegen. In erster Eigenschaft rühme ich Dir nach Deinen Fleiß, Deine Gewissenhaftigkeit, Deine Arbeitskraft, mit der man wahrlich Berge von Büchern verrücken konnte und eine Arbeitsleistung, von wenigen erreicht, von keinem übertroffen. Wenn dieser Staat viele solche Beamte hätte wie Du einer warst, er wäre ein Musterstaat unter anderen. Als Kollege lobe ich Dein Wissen und Deine Hilfsbereitschaft. Diese beiden Tugenden waren in einem derartigen Maße in Dir vertreten — es klingt zwar paradox, ich möchte aber diesen Gedanken nicht unterdrücken — nahezu eine Gefahr bedeutet haben für den jungen Nachwuchs. Wir haben, statt selbst langwierige Recherchen anzustellen, in der Bibliographie, sehr bald den kürzeren und bequemeren Weg gefunden, den Weg zu Dir. Dr. Holzmann war immer hilfsbereit und liebenswürdig. Und war er wirklich einmal böse, so war es das Poltern eines Kindes, wir haben gelacht dazu. Zudem wußte Dr. Holzmann alles. Er war ein lebendes Lexikon, das — im Gegensatz zu den gedruckten — niemals versagt hat. Dr. Holzmann war uns aber nicht nur Kollege, sondern auch Freund. Damit komme ich zum schwierigsten Teil meiner heutigen Aufgabe: zu meinem Abschied von ihm als Freund. Dr. Holzmann hat einmal vor vielen Jahren in der Vorrede zu einem seiner Werke den Satz geprägt — ich zitiere sinngemäß — „Ein Leben, dem keine Prüfung erspart geblieben ist, geht seinem Ende zu!y Lieber Dr. Holzmann, Du hast Dich getäuscht, Du mußtest noch lange leben. Immerhin gewährt jener Ausspruch einen tiefen Einblick in -seine Seele. Wie schwer muß er an dem, was wir Leben nennen, getragen haben! Und warum? War er schuld oder die 79

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