Der junge Jude
- Journal
- Der junge Jude
- Volume
- 2 (1929-1930)
- Issue
- Heft 6 (Februar 1930)
- Date
- 1930-02-01
- Page
- – (sequence 45)
- Language
- German
- Belongs to
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gab. (Ob er nicht doch vielleicht vorher noch... —?) Aber der jüdische Knabe wird auch an die Bibel sacht herangeführt, in freien Versen vom Onkel Josua, mit Reimen sogar: „Dies ist der -stolze Potiphar Mit Säbel, Schnauzbart, ein Husar Im Dienst des Königs Pharao, Und fluchen kann er, comme il faut." Doch alles Unsittliche fällt Onkel Josuas Dichtergabe zum Opfer. Was meinst Du wohl, hat die Madame Potiphar von dem kleinen Josef gewollt? Honig schleckenl Weil Potiphar gern Honig schleckt Hält er ihn sorglich wohl versteckt ... Auch 'n Honig! Ist Honig auch lockender als Sittenverderbnis, so bleibt Wissen doch Krone der Schöpfung. Nachbibliisches Fragmichwas (S. 47): Wer waren die Gemeinden Schum und Ahu, wer war Ignatiew, wer war der letzte Patriarch, was war dessen Verdienst? — Merkst Du nun endlich Deine Unkenntnis, diese Frasren beantworten (oder auch nicht) Kinder im Alter von--! Für wen eigentlich ist dieses Buch geschrieben, das „comme il faut" von „Vierländersynode" und „Mischne Thora" und „Jüdischer iSchicksalsgemeinschaft" spricht? Für den großen Meyer? Oder — vielleicht doch für den kleinen Meyer? Oder «sicher für den großen und kleinen Meyer, die s o o treue Freunde wurden. Wer's nicht glauben will, lese S. 110 ff. Da wird er gläubig. Welchen jüdischen Jungen geht dieses Buch denn an? Wir hoffen, keinen. Hier steht nichts vom Leben drin, aber auch nichts, nichts von dem, was im Judentum im Osten vor sich geht, nichts von Palästina, nichts von Amerika. Daß es jüdische Arbeiterfragen gibt, Erziehungsprobleme, Jugendbünde, Schul versuche, kurzum, daß eine »ganze große jüdische Gesellschaft auch außerhalb der religiösen Sphäre existiert, wird mit keinem Wort erwähnt. Selbst am Antisemitismus schlängelt man sich vorbei, nur durch Aufwärmung des alten Witzes von „Zittern und Zagen", wobei der alte Deutschlehrer das antike Musikinstrument „Zage" aus dem Sanskrit ethymologisch ableiten muß. Was, man zweifelt, daß die jüdischen Jungen und Mädel anderes verstehen würden? Wenn man mit dieser Borniertheit an die Arbeit geht, kann nichts besseres zustande kommen als dieser sogenannte Jugendkalender. Da bot doch schon vor 10 Jahren das Jüdische Jugendbuch von Heinrich Löwe mehr. Aber im übrigen greife man zu „Jugend und Welt" (Verlag Williams & Co.), um zu sehen, wie heute ein Jugendbuch aussehen soll. „Geld", „Französische Revolution", „Körperbau und Charakter", „Automobile", „Holzhäuser", „Straßenjungenklubs", das sind Themen, die fesseln. Mangelt es denn unserem jüdischen Leben daran? Und schließlich, müssen es denn Originalbeiträge sein?» Onkel Josuas Pegasus lasse sich den Hafer gut munden, fürs nächste Jahr bleibe er ungezäumt. Um ein jüdisches Jugendbuch herauszugeben, gibt es letztens noch den anderen Weg, durch Konnex mit den Jugendorganisationen zu wertvollem Material aus dem Erleben der Jugend zu kommen. Denn nur durch die Verbundenheit mit einer engeren Gemeinschaft wird man Jungen und Mädel zu aktiver Mitarbeit in fruchtbarerer Weise heranziehen können. Denn was wirklich in der jüdischen Jugend vorgeht, sollte das die Leser dieses Kinderkalenders nicht mehr interessieren? Ben Schemen, Kowno, die großen jüdischen Kinderhäuser, ist deren Tagesverlauf denn so ganz von ohne —? Der Jüdische Verlag und Herr Dr. Cohn mögen unsere freimütige Sprache verstehen und uns anhören. Die vielen huldigenden Kritiken, die sie ernten werden, besagen gar nichts. Auch wir würden anderen Orts um der Sache willen das Bemühen eines periodischen Jüdischen Jugendkal enders mit freundlicheren Worten kritisieren, weil wir auch die geringste Energie für jüdische Erziehungsarbeit ausnützen müssen. Aber hier, in diesen Blättern, die der Diskussion jüdischer Probleme in der Jugendarbeit insbesondere dienen soll, sei es rundweg gesagt: Dieser Jüdische Jugendkalender ist ein Skandal! Meir Hakohen. 43