Der junge Jude
- Journal
- Der junge Jude
- Volume
- 2 (1929-1930)
- Issue
- Heft 6 (Februar 1930)
- Date
- 1930-02-01
- Page
- – (sequence 28)
- Language
- German
- Belongs to
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daher seinen Sinn und seine Bedeutung für die Ewigkeit, weil in ihm ein Teil des göttlichen Weltplanes zu verwirkliehen sei. Diese Auffassung des Eeligiösen führt aber nicht notwendig zu jüdischer Religiosität. Der Weg hierzu wurde von einem Teilnehmer der Arbeitsgemeinschaft über die Bindung an jüdische Menschen, von daher über die Bindung an jüdisches Kulturgut und endlich zur Bindung an Gott gesehen. Der Begriff der Religiosität setze den Begriff der Bindung voraus (religio-Bindung). Unserer Zeit ist das Wissen und die Existenz der Bindung verloren gegangen. IV. Der Zionismus überwindet ähnlich wie der Sozialismus das Minderwertigkeitsgefühl des jüdischen Kindes. Das jüdische Kind fühlt sich in nichtjüdisoher Umgebung oftmals unmittelbar angegriffen oder auch nur ausgeschlossen von dem Leben der anderen. Durch den Zionismus und heute auch schon durch die dem Zionismus folgende jüdische Bewegung erlangt der junge Mensch die Sicherheit des Judeseins, die Selbstverständlichkeit seiner jüdischen Existenz. Der Zionismus bewährt sich pädagogisch sodann durch die Tendenz der unmittelbaren Verwirklichung. Er läßt den jungen Menschen mitschaffen an Neuem, das seiner eigenen Auffassung von dem erstrebenswerten Leben der Gesellschaft entspricht. Die Problematik des Berufs in unserer Zeit, in der jeder Beruf dazu führt, den Fortbestand der kapitalistischen Gesellschaft zu sichern, hebt die Rückkehr zu produktiven Berufen in Palästina auf. Die Hinwendung zur körperlichen Arbeit bringt eine starke physische und seelische Befreiung. Durch den körperlichen Beruf wird das Verhältnis zu den „Gegenständen'' ein neues: Wesen und Dinge, die man bisher nur unklar gekannt hat, deren Grenzen und Schwere man noch nicht erfahren hatte, treten nunmehr in eine direkte Beziehung zum jungen Menschen. Der Bereich der Wirklichkeit weitet sich gerade in dem jüdischen Menschen ungeheuer aus. Dazu kommt noch die Ausweitung ins Jüdische, das Eindringen in die hebräische Sprache und damit in die Art seines eigenen Volkes. So wie der Sozialismus führt auch der Zionismus den jungen Menschen hinein in ein neues Gemeinschaftsleben. Die Gemeinschaft hat nicht mehr nur gesellschaftliehen Wert. Sie ist der Boden, auf dem der Entschluß zur Umschichtung entspringt, sie ist das Ziel der umgeschichteten Menschen. Zionismus und Sozialismus gehen dabei nicht getrennt voneinander einher: Das meiste, was vom Zionismus gesagt ist, gilt eigentlich erst richtig für den sozialistischen Zionismus. Dabei ist eine Gefahr deutlich, dem der Zionismus gerade junger Menschen oft unterliegt: Die Gefahr der Enge, die Gefahr des Nichtwissens um Menschen außerhalb des eigenen Kreises, des Nichtwissens um die Werte der Welt außerhalb der eigenen Bewegung. Denke daran, daß Du mach Palästina gehst, nicht um H'eldantaten zu vollbringen, nicht um Opfer zu brimigen, sondern um zu arbeiten. Josef T r u an p e 1 d o r in einem Briefe an einen Freund. 26