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Der junge Jude · 1930-02-01 · Heft 6 (Februar 1930) · page 23

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Journal
Der junge Jude
Volume
2 (1929-1930)
Issue
Heft 6 (Februar 1930)
Date
1930-02-01
Page
– (sequence 23)
Language
German
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nur mit unseren Fragen zu tun gehabt: Organisationsfragen, Pfadfinderei, unsere jüdische Erziehung, selten nur gelang es, alle unsere Probleme in den großen Zusammenhang der Zeitgeschichte einzuordnen. Man muß einmal gesehen haben, wie andere Bünde stets offenes Ohr für das da draußen hatten, wie die Wellen des Geschehens auch ihren Boden erschütterten, wie dort alle Fragen der Person und der Sache gestellt und Lösungen gesucht wurden. Wir hatten zu viel mit uns zu tun. Die Folge war, daß wir als Bund den Kontakt mit der Sache und mit ihren Trägern verloren, daß die Träger unserer Sache in anderen Organisationen begannen, unsere Arbeit und uns nicht mehr ernst zu nehmen. Die Folge war ferner, daß die inneren Differenzen ungeheuer überschätzt wurden und daß damit doch die innere Isolierung eintrat, die wir oben gezeigt haben. Wenn wir an das Geschehen in der ganzen jüdischen Welt gedacht hätten, dann wäre uns selbst der Streit für oder gegen Scouting lächerlich erschienen. Unsere Isolierung nimmt uns die richtige Perspektive. Sie schadet uns noch mehr. Wir verlieren dauernd gute Leute an isogenannte Tendenzbünde. Wir haben keine Waffen geschmiedet, gegen den Kommunismus und keine gegen andere geistige Mächte, die uns bedrohen. Es besteht die ernste Gefahr, daß im Kadimah ein geistiger Mittelstand verbleibt, der nicht gesonnen ist, radikalen Parolen zu folgen. Wer ernstlich Hachscharah treibt, muß heute in den JJWB. Im Kadimah findet er keine adäquate Atmosphäre. Wer ernsthaft Sozialist ist, der geht in den S. S. B. oder in die K. J. Wem es ernst ist um ein jugendbeweglerisches „Neues Leben", der wendet sich an die Kameraden. — Wir müssen die innere und die äußere Isolierung überwinden. Mit der Ueberwindung der äußeren Isolierung müssen wir beginnen. Wir müssen als Bund wieder einen Kontakt mit der lebendigen Bewegung da draußen bekommen. Wir wollen teilhaben an der jüdischen Bewegung und an dem Bemühen um neue Lebensformen, das sich in der Welt vollzieht. Wir wollen radikal werden, nicht im Sinne einer Vertretung extremer Forderungen, sondern im Sinne einer wirklich gründlichen Durchdringung unseres eigenen Lebens im Bund und außerhalb mit geprüften gültigen Werten. Wir wollen unserem Leben Sinn geben durch Teilhaben an der großen Bewegung. Das ist das Ziel des Haschomer. Er will die äußere Isolierung überwinden. Und wir glauben allerdings, daß die innere Isolierung dann überwunden ist, wenn wir alle Diener einer Sache sind und uns gegenseitig als „Chawerim" sehen. Im „Haschomer" soll die Sache selbst zu Worte kommen, ohne Bücksicht auf gegenwärtig sichtbare Aktualität im Bunde. Aber das ist nur ein Weg zur Verbindung mit der Sache. Ich glaube, daß jeder von uns Aelteren auch außerhalb der Sache in der Bewegung stehen muß. Und da müssen wir uns darüber klar sein, daß die jüdische Bewegung heute in einer Organisation lebt, in der Zionistischen Organisation. Ich vertrete hier die Meinung, daß wir Mitglieder dieser Organisation sein müssen, um in Kontakt mit unserer Sache zu bleiben. Besser noch ist es, Teil zu haben an der Arbeit der Föderationen innerhalb der Z. V. Hier werden wir von dem Strom konkreten jüdischen Lebens erfaßt, der von Palästina ausgeht. Man kann ein Gegner von Kurt Blumenfeld sein oder von Herrn Kanowitz — oder von beiden — man darf aber nicht prinzipiell Gegner der zioni- 21

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