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Der junge Jude · 1930-02-01 · Heft 6 (Februar 1930) · page 19

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Journal
Der junge Jude
Volume
2 (1929-1930)
Issue
Heft 6 (Februar 1930)
Date
1930-02-01
Page
– (sequence 19)
Language
German
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Es ist dem Kinderhause manchmal zum Vorwurf gemacht worden, daß es jungen, unerfahrenen Menschen so höchst verantwortliche Arbeitsgebiete, wie die Säuglingspflege zur selbständigen Leitung übergab. Die Erfahrungen und Beobachtungen der Jahre haben uns aber gelehrt* daß die verständlichen Befürchtungen nicht zutrafen. Es gibt wohl kaum zuverlässigere Menschen als Jugendliche, denen Vertrauen zur ihrer Verantwortlichkeit und Liebe entgegengebracht wird. Eben, weil die Jugendlichen die Kleinen wirklich „besaßen", gaben sie alle Liebe und alles Mütterliche, das in ihnen verdrängt und gestaut war, den Kindern. Diese liebe und Hingabe war auch für die Kleinen von größter Bedeutung. Sie wuchsen nicht auf wie sonst Ansitaltskinder. Jedes hatte seine junge Mutter und der Stolz am Gedeihen des Kindes vermehrte noch die Intensität des Verantwortungsgefühles. Aehnlieh war es im sozialen Büro und in der Säuglingsfürsorgestelle des Kinderhauses. Die Nöte, die Kinder und Mütter in das soziale Büro führten, waren dieselben Nöte, die unsere Jugend ins Kinderhaus geführt hatte; so war die Möglichkeit tiefsten Verstehens in einem Maße gegeben, wie sie bei anderen Sozialarbeitern nur selten gegeben ist. Zu allen diesen Arbeiten konnte naturgemäß nur ein Teil der Jugendlichen herangezogen werden, aber es bestand bei allen der Wunsch zu helfen. Diesem Bedürfnis nach tätiger Mithilfe aller wurde beim Ausbau der Milchwirtschaft des Kinderhauses ganz entsprochen. Die Milchwirtschaft, die erste moderne Trink- und Kindermilehversorgungsanlage in Litauen, war vom Kinderhaus geschaffen worden, um die Bevölkerung mit einwandfreier Milch zu versorgen, besonders aber auch, um für das Kinderhaus eine Einnahmequelle zu schaffen. Ohne unsere Aufforderung boten sich die Jugendlichen an, das Austragen der Milch zu besorgen, um damit dem Kinderbaus etwa 8% seines Etats aufzubringen. Es war eine schwere Arbeit, die die Jugendlichen auf sich nahmen. Sommer und Winter morgens um 6 Uhr früh konnte man unsere Jugendlichen an der Arbeit sehen.. (Nach etwa 2 Jahren erwies sich die Belastung als zu groß und dann mußte diese Arbeit aufgegeben werden.) Diese neue Uebernahme von Arbeiten für das Haus, an der alle beteiligt waren, legitimierte die Trägerschaft der Jugend auch nach außen. Doch noch immer gab es Aufgaben, die gelöst werden sollten. So entstand der Plan, in Slobotka, einem Vorort von Kowno, einen von den Arbeitsverdiensten der Jugendlichen getragenen Kindergarten zu gründen, in dem unsere Mädchen die alleinige und volle Verantwortung trugen. Der Plan, der wohl den Höhepunkt sozialer Verantwortung unserer Jugend darstellt, kam dann aber infolge technischer Schwierigkeiten nicht zur Durchführung. Ein anderer Plan beschäftigte damals die Jugend des Kinderhauses. Ein großer Garten sollte für die Lebensmittel des Hauses sorgen. Es wäre gut, wenn man den Kartoffelhändler und die Gemüsefrau auf dem Markt entbehren könnte. Wenn auch dieser Plan infolge Geldmangels nicht voll durchgeführt werden konnte und nur einen Sommer versucht wurde, so hat die Arbeit auf dem Lande doch einigen die Liebe zur Erde, zur Natur, zum Leben außerhalb der Stadt, lebendig werden lassen. Diese ganze „Gartengruppe'' ist jetzt in Palästina, im Kfar Hanoar Benschemen und was in Kowno nur Spiel war und Wunsch, 17

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