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Der junge Jude · 1930-02-01 · Heft 1 (Februar 1930) · page 44

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der junge Jude
Volume
3 (1930)
Issue
Heft 1 (Februar 1930)
Date
1930-02-01
Page
– (sequence 44)
Language
German
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Ferne. Vom Fenster aus interessiert man sich für die Mädchen und schließlich nahen einige es zu einer Freundin gebracht, die von allen kritisiert oder -bewundert wird. Das Problem der Stellung dieser Jungens zu den Mädchen ist noch verhältnismäßig wenig berührt. Man hat aber nicht den Eindruck, daß es mit Absicht unterlassen ist. In der Schkid gibt es periodisch immer etwas Neues. Eine Zeitlang entstehen Zeitungen auf Zeitungen, selbst die kleinsten und unintelligentesten Jungens versuchen etwas zu schaffen. Dann plötzlich entsteht bei ihnen ein Traumland »Hooliganien«! Sie wählen ein Volkskommissariat für Unfug. Dann gibt es eine Lotterie, dann ein Kino. Zwischen allem Allotria aber finden wir auch wieder ernstes Streben. Die Strolche haben stark das Empfinden, daß auch sie einmal Mitträger ihrer Zeit werden. Aus diesem Bewußtsein heraus treten sie an den Leiter mit der Forderung »Politische Bildung« heran, und der Leiter hat Verständnis. Er unterstützt überhaupt alles, was die Jungens fördern kann und erzieht sie, ohne daß sie es merken, zur Verantwortlichkeit. — Das Buch schließt mit der Entlassung einigem Schüler, die den Wunsch haben, literarisch tätig zu werden. Wir verfolgen noch einige andere Strolche ein Stück auf ihrem Lebensweg und man hat den Eindruck, daß die meisten, wenn auch noch jung, auf dem richtigen Weg zum Menschwerden sind. Das Besondere dieses Buches liegt darin, daß es so lebendig geschrieben ist, zum anderen aber einen Einblick in eine Anstalt gibt, wie sie im Prinzip auch bei uns möglich wäre. Man lebt mitten in einer großen Stadt, mitten zwischen Menschen und mitten im Leben. Nicht das Enge, das Abgeschlossene ist Prinzip, sondern Freiheit und Beweglichkeit, und alle diese Faktoren zusammen sind für das Werden der jungen Menschen entscheidend. Friedel Weiß, Rostock. „JÜDISCHER JUGENDKALENDER" Jüdischer Verlag, Berlin. 5690. Der Jüdische Verlag gibt einen jüdischen Jugendkalender heraus. Das wird sicher was gutes sein, recht ein Buch, um jüdischen Jungen und Mädel zu zeigen, wir Juden stehen heute in einer großen Zeit, große Aufgaben und Forderungen stellt heut unser Volk an uns. Darum muß man schon von jung auf sich vorbereiten, damit die neue Zeit eine neue Generation findet, bereit zur Tat. Ein Jugendbuch, das erst den Menschen vorbereiten soll, hinführen zu den Aufgaben, die dieser Jugend einmal zu bewältigen gegeben sein werden, das muß Mut geben, das muß Ausdruck ungebrochener Kraft sein, und mit dieser Stärke muß es die Wirklichkeit in ihrer bunten Fülle und Vielverschlungenheit zeigen und sagen, es lohnt schon hier mitzuarbeiten. Mit 4 PS ruekelt sich dieser jüdische Jugendkarren .aus einer verstaubten Remise. Aber diese 4 PS sind beileibe keine 4 PS, noch nicht einmal 4 vollkommene Pseudonyma. Der Herausgeber, ein bekannter Berliner Rabbiner, der mit vierfachem Namen sich ziert, verbirgt in jedem einen Teil seines bürgerlichen Ich: Emil Bernhard, Emil Cohn, Emil Bernhard Cohn und last not least Onkel Josua. Wahrhaftig ein Onkel Josua, noch dazu aus der Provinz, der den vielen Neffen und Nichten erzählen muß, wie bei ihm zu Hause in Ritschenwalde im Posenschen... Und was lehrt man in Ritschenwalde? — Die Juden haben Feiertage, an denen man in die „Synagoge" geht, am Jörn Kippur soll man fasten, da.rf man fasten, wenn der weitere oder engere Kreis der Eltern, Onkel, Tanten und ■sonstiger Erziehungsberechtigten es „erlaubt". Soweit die Juden noch andere Funktionen als diese zu erfüllen haben, hat man an die Darstellung folgender jüdischer Gestalten gedacht: Moses Mendelssohn, Siegfried Markus (wer war S. M.? Der Erfinder des Automobils!!) und Lord Reading, „nicht nur ein Großer aus Israel, sondern ein Großer i n Israel". Warum? Weil er aus Indien heimkehrend 1926 sich vom Schiff sofort in eine jüdische Versammlung be- 42

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