Der junge Jude
- Journal
- Der junge Jude
- Volume
- 3 (1930)
- Issue
- Heft 1 (Februar 1930)
- Date
- 1930-02-01
- Page
- – (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
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ISOLIERUNG. Wir entnehmen die nachstehenden Ausführungen mit Zustimmung des Verfassers einem Aufsatz Walter Mecklenburgs in der Oktobernummer des „Haschomer", des Aelterenblatts des „Schomer" im Kadimah, weil er uns charakteristisch scheint für die Situation eines großen Teils der jüdischen Jugend Deutschlands und für die deutliche Tendenz dieser zumeist westjüdischen Menschen, zu einer klaren und sicheren Haltung gegenüber dem Zionismus iziu kommen. Die Red. Es soll hier von einer zweifachen Isolierung die Bede sein: Von der Isolierung des Kadimahners im Kadimah und der Isolierung des Kadimah in der jüdischen Welt. Nicht zum ersten Mal wird hier auf die Tatsache hingewiesen, daß die Arbeit unserer Ohawerim im Bunde ganz ohne Berührung mit der Arbeit in anderen „Formationen" erfolgt, daß wir vielleicht eine Eeihe guter Formationen haben, aber keinen Bund. Man hat oft diesen Mangel aus dem Fehlen eines einheitlichen Erziehungssystems hergeleitet, aber hier soll wieder die Meinung vertreten werden, daß das gemeinsame Erziehungsprogramm erst ein Zweites ist nach dem Ersten: dem gemeinsamen Willen zur Verwirklichung gemeinsamen Ziele. Und noch scheint es, als ob auch das Ziel Sache von Gruppen ist, daß wohl in kleinen oder größeren Kreisen sich Meinungen bilden, daß es aber nichts gibt, was Bundesmeinung heißen könnte. Gewiß, es gibt „Prominente" unter uns, aber ihre Meinung reicht nicht weiter, als der Kreis einer örtlichen Nähe, sie unterscheiden sich nur dadurch von den andern, daß man auf Tagungen ihre Ansichten mit größerer Geduld anhört. Das einzige Mittel der Berührung der Kreise unter einander sind bisher Tagungen gewesen, und jeder weiß, wie sehr Tagungen abhängig sind von den Zufälligkeiten einer individuellen Konstellation. Es fehlt im Bunde nicht eigentlich das Verständnis für fremde Meinungen, sondern eher die Kenntnis. Es gilt nur der Wert praktischer Arbeit und Gedanken stehen als „Ideologien" mit Theorjes nicht hoch im Kurs. Die Folge dieser Wendung zur Sachlichkeit war die Isolierung jedes Einzelnen von uns, über die auch organisatorische Zusammenschlüsse innerhalb des Bundes nicht täuschen sollen. Wir haben es erlebt, daß Menschen, denen es nicht gleich den andern gelang, in einen der vielen Kreise hineinzugelangen, aus Enttäuschung am Kadimah uns verlassen haben. Denn das ist sicher: der Bund gibt heute nicht das Band, das auch die Person erfaßt und persönlich in einen Zusammenhang von vielen hundert Menschen stellt, mit denen man „verbunden" ist. Ich habe viele Führer gesprochen, die sich so zuletzt einsam und isoliert fühlen. Der Kadimah ist isoliert unter den jüdischen Bünden. Der Plan, das Auffangebecken der jüdischen Jugend zu werden, ja zu der großen Jugendbewegung, die alle anderen kleineren Bünde in sich aufsaugt, die Jewish Agency der jüdischen Jugend zu werden, ist gescheitert. Aber nicht nur, daß der Kadimiah nur zu einem Bunde neben andern wurde, er verlor auch den Kontakt mit dem, was ringsum in der jüdischen Jugend und in der jüdischen Welt vor sich ging. Ich will damit nicht sagen, daß nicht einzelne Ohawerim diese Fühlung gehabt haben, es ist gewiß auch gut, wenn ein Bund unbeirrt um die da draußen seinen Weg geht — aber wir haben den Kontakt mit der Bewegung verloren. Wir haben als Bund immer 20