Der junge Jude
- Journal
- Der junge Jude
- Volume
- 3 (1930)
- Issue
- Heft 1 (Februar 1930)
- Date
- 1930-02-01
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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Untersuchungen und das Unglück selbst wurde von ihnen als eine notwendige und ewig bestehende Sache hingenommen. So konnte Schuschanna'le <z. OB. nicht verstehen, „wieso man ihn gerade jetzt in die schmutzige Erde gelegt hat und nicht wenigstens den nahen Frühling abgewartet hat" — und die Stirn von Gideon war gefurcht von grübelnden „Warum" und „Wieso", die in die Geheimnisse des Lebens einzudringen versuchten. Aber jedesmal, wenn am Abend in der verwaisten Dämmerung die furchtbaren Klagen der Frau des Verstorbenen zu hören waren, entzündete sich ein duimpfes Grauen in den Augen der Kinder. Am frühen Morgen umstanden die Kinder das Bettchen der verwaisten Sara'le, der kleinen Schwätzerin, die jetzt stolz schwieg. In ihren Augen waren Stolz und Besonderheit; sogar in ihren Bewegungen war etwas Besonderes, nicht wie sonst. Awner, der Größte unter ihnen, der Phantasiereiche und Empfindliche, stand zu ihren Hänpten, biß nervös an seinen Nägeln und lächelte, als ob auch er seine vielen Fragen los werden möchte, die sein brennendes Gemüt nicht in Euhe ließen. „Sarale — wo ist jetzt dein Vater?'4, begann er schließlich. „In der Erde" — antwortete sie einfach und ein wenig stolz. „Aber du wirst doch deinen Vater nie wieder sehen können, nie wieder" — und die traurigen Augen Awners blicken in die Ferne, als ob er sich den Verunglückten vorstellen möchte. „Und wenn du ihn einmal umarmen willst?'', fragte Jael. „Du weißt nichts! Einen toten Vater umarmt man nicht!" ,^Aber wenn du einmal, einmal Lust dazu hast'1, zittert die Stimme Awners. „Dann werden wir Gott 'bitten, daß er ihn wieder lebendig macht", sagt Schlomith, die vor einigen Monaten aus Jerusalem gekommen war. „Aber wie kommen wir zu Gott?", fragt Awner traurig. „Wißt ihr was, Kinder" — begeistert sich Schlolmith — „wir wollen nach Jerusalem fahren; in Jerusalem wohnt Gott. Ich habe es selbst gesehen und Gadi wird dort auf den hohen, hohen Berg klettern und von dort wird er direkt zu Gott springen. Gadi kann furchtbar hoch springen." „Und wenn er Gott dort nicht findet — vielleicht ist er versteckt in einer Ecke", zweifelt Awner. „Dann wird er einen furchtbaren Schrei ,tun', damit er hört" — antwortet Schlomith. „Wißt ihr Kinder — Gadi wird zu Gott schreien: wir wollen nicht, daß Vaters sterben. Niemals, wollen wir, und fertig!" und Awners Augen entströmen Tränen. Da beginnt plötzlich die untere Gesichtshälfte von Sarale zu zittern und sie bricht in ein bitteres Weinen aus: „Vater--Vater---" (Ins Deutsche übertragen von G. St. 12