Der junge Jude
- Journal
- Der junge Jude
- Volume
- 2 (1929-1930)
- Issue
- Heft 1 (März 1929)
- Date
- 1929-03-01
- Page
- – (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/3497353-3497361-3497362--253-3525939- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
eigenen Willen — insofern Notabein, als sie nicht vom Vertrauen einer organisierten Gruppe, deren Führer sie sind, getragen werden. So sieht — mit kurzen Schlagworten — der sozialistische Teil des deutschen Zionismus aus: Eine Partei, die die zionistische Landesprganisation bekämpft, eine zweite Partei, die in der Z. V. f. D. arbeitet und deshalb von der ersten bekämpft und gescnwacht wird; viele Einzelne, die bei der inneren Perteizersetzung der sozialistischen Gruppen sich keir ner Partei anschließen und keine Bewegung hinter sich haben; eine Jugend, die zionistisch sein will, an die zionistische Landesoi*gan,isatiion Forderungen stellt, sich von ihr unterstützen läßt, aber den Eintritt in die Z. V. f. D. versäumt und Na'wuchs für den Kommunismus liefert; eine Chaluzbewegung, deren ganze Existenz: ideell, moralisch, materiell, vom Zionismus abhängt, die dabei außerhalb der repräsentativen zionistischen Organisation steht und sich jeden Einflusses auf die Gestaltung des zionistischen Lebens in Deutschland und die zionistische Politik begibt. So sah der sozialistische Flügel des deutschen Zionismus bisher aus; kein Wunder, daß er wenig Anziehungskraft hatte und geringe Wirkung ausübte. Daß es auch anders sein kann, beweisen die Verhältnisse in Thüringen. Hier gibt es keine besondere Poale-Zion-Organisation; die Sozialisten;sind Mitglieder der zionistischen Organisaiton, Leiter der Ortsgruppen und des Gruppenverbandes, sie vertreten die Mitglieder der Z. V. f. D. auf Delegiertentagen und im Landesvorstand, sie sind auch die Abgeordneten in den Gemeindeparlamenten. Die Chaluz- und Jugendarbeit steht unter ihrem Einfluß. Die Z. V. f. D. hat davon keinen Schaden, im Gegenteil: ohne die Linke wäre der Zionismus in Thüringen nicht lebensfähig. Andrerseits wirkt sich der Einfluß der Linken innerhalb des Zionistischen Gruppenverbandes natürlich auch im Interesse der Arbeiterbewegung aus. Thüringen bildet aber eine Ausnahme in Deutschland. Das Ziel muß sein, alle sozialistischen Gruppen zu einheitlicher/ Aktion innerhalb der Zionistischen Welt zusammenzufassen. Die Schwierigkeiten, die sich dem entgegenstellen, dürfen nicht verkannt werden. Das Beste und Sinnvollste wäre es, wenn auch die Poale Zion in die Z. V. f. D. eintreten würden und eine Kooperation der gesamten Linken innerhalb der Z. V. f. D. zustande käme. Dadurch könnte das Problem mit einem Schlage gelöst werden. Die Poale Zion sind aber vorerst durch Beschluß des Weltverbandes P. Z. gebunden, der Landesorganisation fern zu bleiben und es wäre unbillig, von ihnen den Bruch der Parteidisziplin zu verlangen, so sehr auch der Beschluß zu bedauern ist. Es gibt aber die Möglichkeit, sei es in der Foiim des Territorialverbandes oder einer Arbeitsgemeinschaft oder eines sonstigen Statement, eine Zusammenarbeit zwischen Z. V. f. D. und Poale Zion und dadurch eine Kooperation der Linken zu erreichen. Es besteht ferner die Möglichkeit, auf dem Wege über die Liga zu einer Neuformung des zionistischen Lebens in Deutschland und zu einem Neuaufstieg des linken Flügels zu gelangen. Bei allem muß man sich nur über einige Grundvoraussetzungen klär sein: 1) Auch die Linke ist ein Teil der zionistischen Welt. Sie kann nur an einer Stärkung des Zionismus, nie an seiner Schwächung Interesse haben. Sie kann gegen die Leitung der Zionistischen Organisation — sowohl der Weltwie der Landesorganisation — in Opposition treten und sie bekämpfen, sie kann aber nie die Organisation 14