Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 1 (1898) Basel, 29. bis 31. August 1897
- Issue
- 29. bis 31. August 1897
- Date
- 1898-01-01
- Page
- Seite 9 (sequence 11)
- Language
- German, English, Hebrew
- Belongs to
- journal issue
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recht. Heute sind wir hier auf dem gastlichen Boden dieser freien Stadt — wo werden wir über's Jahr sein? Aber wo wir auch seien und wie lange unser Werk bis zur Vollendung dauere, unser Congress sei ernst und hoch, den Unglücklichen zum Wohle, Niemandem zu Trutz und allen Juden zur Ehre und würdig einer Vergangenheit, deren Rahm wohl schon fern, aber unvergänglich ist! (Stürmischer Beifall.) Im Auftrage der Vorconferenz macht Herr Sam. Pineles folgenden Vorschlag für die Wahl des Bureaus: Präsident: Dr. Theodor Herzl, 1. Vice-Präsident: Dr. Max Nordau, 2. Vice-Präsident: Dr. Abraham Salz, 3. Vice-Präsident: Samuel Pinele s, Schriftführer: Für hebräisch Ingenieur M. U ss i s c h k i n, für deutsch Dr. Schauer, für russisch W. Temkin, für englisch J. de Haas. Beisitzer: Eabb. Dr. M. Ehrenpreis, Dr. Alexander M i n t z? Dr. M. T. Schnirer, David Wolfs o Im. Die Vorgeschlagenen werden hierauf durch Acclamation gewählt. Dr. Herzl übernimmt den Vorsitz. Präsident: Der Einlauf von Kundgebungen aus der ganzen Welt ist ein so massenhafter, dass das Bureau bisher eine Ordnung nicht herstellen konnte. Wir wrollen daher diesen Punkt der Tagesordnung vorläufig verschieben, bis annähernd Ordnung hergestellt ist und gehen zunächst zum Punkte: „Die allgemeine Lage der Juden" über; ich gebe dem Referenten Herrn Dr. Max Nordau das Wort. Dr. Max Nordau (Paris): Die Sonderberichterstatter für die einzelnen Länder werden Ihnen die Lage unserer Brüder in den verschiedenen Staaten eingehend schildern; Einige ihrer Berichte haben mir vorgelegen, andere nicht. Aber auch von den Ländern, über die ich von meinen Mitarbeitern nichts erfuhr, habe ich thöils aus eigener Anschauung, theils aus anderen Quellen einige Kenntniss, so dass ich es vielleicht ohne Selbstüberhebung unternehmen darf, ein G^sammtbild von der Verfassung der Judenheit am Ausgange des neunzehnten Jahrhunderts zu entwerfen. / Dieses Bild kann ungefähr aus einem einzigen Farbenton gemalt werden. Ueberall, wo Juden in einigermassen grösserer Zahl unter den Völkern siedeln, herrscht Judennoth. Es ist nicht die Durchschnittsnoth, die das wahrscheinlich unabänderliche Erdengeschick unserer Gattung ist. Es ist eine besondere Noth, die die Juden nicht als Menschen, sondern als Juden erleiden und von der sie frei sein würden, wenn sie keine Juden wären. Die Judennoth hat zwei Formen, eine sachliche und eine sittliche. In Osteuropa, in Nordafrika, in Westasien, gerade in den Gebieten, die die ungeheure Mehrheit, wahrscheinlich neun Zehntel, aller Juden beherbergen, ist die Judennoth buchstäblich zu verstehen. Es ist ein tägliches Drangsal des Leibes; ein Battgen vor jedem folgenden Tage; ein qualvolles Eingen mm die Erhaltung