Mitteilungen der Gesellschaft für Jüdische Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen der Gesellschaft für Jüdische Volkskunde
- Volume
- 1899
- Issue
- 1 (1899)
- Date
- 1899-01-01
- Page
- Seite 146 (sequence 150)
- Language
- German
- Belongs to
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146 52. Selichoth-Tage »die unruhige Zeit der Juden«. In einem Dorfe des badischen Unterlandes kam es vor längerer Zeit einmal vor. dass die jungen Leute vor, vielleicht auch während des Gottesdienst es. der noch vor Anbruch des Tages begann, anstatt diesen zu besuchen, sich an die Obstbäume machten und an deren Früchten sich gütlich timten. Im nächsten Jahre liess vor Beginn der Selichoth-Tage der Bürgermeister ausschellen: ,,Ihr Leut’, ihr Leut*, timt euer Obst herunter, die unruhige Zeit der .luden kommt“. (Dr, Esehelbacher.) 53. Der kalte Schabbes. S. oben: zu behar und bechqosc zieht man an die Winterhouse. Auch die Bauern richten ihre Zeiteinteilung nach der jüd. Kalenderregel und fragen oft wochenlang vorher die jüd. Lehrer, wann der kalte Schabbes komme. (J)ers.) C. Sagen. 54. Der reiche Jude in Hamburg: Grimm, Hausmärchen III, 95. 55. Der ewige Jude (in Hamburg: Beneke, Hamb. Geschichten, Hamb. 1854 S. 223. vgl. Grässe, Die Sage u. s. w. und Neubaur. Der ewige Jude, ferner die künstlerische Behandlung bei Goethe, Börne, Mosen, Hamerling u. s. w. und mit Stift und Meissei z. B. von Nossig s. unt. »Eingänge«). 56. Der juck im Dorn: Grimm, Kinder- und Hausmärchen 1843, Bd. II5, S. 140 ff., III 198, 420. 57. Die klare Sonne bringts an den Tag: das. 172 ff., Allg. Zeit. d. Jud. 1896. Mitt. II, S. 21. Fragekasten. 1) Holekreiseh. ü Eine Umfrage. Der Name Holekreiseh oder Cholkrüsch bezeichnet bekanntlich bei den Juden Mitteldeutschlands die mit der Ertheilung des ,,deutschen“, profanen Rufnamens verbundene Feier, zu der sich am Nachmittage des Sabbats, an dem die *Wöchnerin zuerst die Synagoge besucht, die Kinder der Gemeinde in ihrer Wohnung versammeln. Sie stellen sich um die Wiege des Kindes und heben diese, nachdem der Cantor einige Bibelverse rec-itirt hat, dreimal in die Höhe mit dem Rufe: ״Holekreiseh! wie soll das Kindche heisse?“ ״N.w Hierauf werde!! sie. sowie die anwesenden Gäste mit allerhand Süssigkeiten bewirtet. In der Zeitschrift des Vereins für Volkskunde IX, 72 ff, habe ich zur Erklärung dieses Brauches eine grosse Anzahl von Kinderliedchen aus West- und Süddeutschland und Oesterreich zusammengestellt, deren wesentlicher Inhalt sich dahin zusammenfassen lässt, dass ein Kind im Brunnen der Frau Holle (aus denn, nach dem Wiksglauben die Kinder kommen) gefunden wird. Daun wird das Kind ״gehoben•‘ und auf die Frage, wie es heissen soll, ein Käme genannt Durch den Hinweis auf die auffallende Uebereinstimmung des jüdischen Brauches mit den Einzelheiten dieser Kinderlieder, in denen augenscheinlich נ) Vgl. Mitt. I, S. 84, No. 22.