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Mitteilungen der Gesellschaft für Jüdische Volkskunde · 1899-01-01 · 1 (1899) · p. Seite 96

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Journal
Mitteilungen der Gesellschaft für Jüdische Volkskunde
Volume
1899
Issue
1 (1899)
Date
1899-01-01
Page
Seite 96 (sequence 100)
Language
German
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96 Gemeinde angewachsenen Wiener Judenschaft. Simeon Wolf, der Vater des Bräutigams, war in Ansehen und Stellung der Erbe und Fortsetzer seines Vaters, des Oberhoffactors und Landesrabbiners Samson Wertheimer, den er an Kühnheit der Unternehmungen und umfassendem Finanzgenie nur noch übertraf.1) Isak Oppenheim, der Vater der Braut, war Simeon Wolf’s Halbbruder, da ihn Samson Wertheimer als Stiefsohn bei seiner ersten Eheschliessung in sein Haus übernahm.2) Bräutigam und Braut waren also eigentlich vetterschaftlich verwandt. Ist uns auch kein Blick in ihre Erziehung und die Führung der Häuser, in denen sie erwachsen waren, gestattet, so eröffnet das verwehte Blatt ihrer Ehepakten uns doch noch eine, wenn auch nur karge Einsicht in den religiösen Geist, der bei allem Glanze nach aussen hin und aller Opulenz im Innern die Elternhäuser dieses Brautpaares noch erfüllte, und eine Vorstellung zugleich von der Wohlhabenheit und der feineren Sitte dieser jüdischen Patricierfamilien. Der Zehent von allen Einkünften versteht sich in diesen von einer frommen und festen Ueberlieferung getragenen Häusern auch bei dem zugebrachten Ehegute von selbst. Es ist Sache der Eltern, um den Betrag, der durch die Entrichtung des Zehents vom Iieirathsgute abgeht, dieses von vornherein zu erhöhen. Simeon Wolf Wertheimer, der seinem Sohne 25,000 Gulden Rheinisch in die Ehe mitgiebt, verschreibt ihm gleich mit Rücksicht auf die davon abgehenden 2500 des Zehents 27,500. Ebenso erhält die Braut, die über eine Mitgift von 30,000 Gulden Rheinisch verfügt, vom Vater gleich 33,000. Der Bräutigam erhält daneben auch noch eine Sicherstellung, die ihm aus dem Häuserbesitz der Familie in Frankfurt am Main3) ein Haus im Werthe von 12,000 Gulden für die nächsten vier Jahre in Aussicht stellt. Obendrein sichern die Väter des Brautpaares für je vier Jahre in ihrem Hause in Wien Wohnung und Verpflegung, die sie jedoch gegen einen Ersatz von 500 Gulden jährlich sich baar ablösen zu lassen das Recht erhalten. In der Ausstattung, die den Kindern aus dem Elternhause mitgegeben wird, fehlt neben der ihrem Stande entsprechenden Kleidung auch das Sterbegewand nicht, wie unter den Geschenken, die ihnen in die Ehe folgen, auch die Andacht und Ritus verherrlichenden Schmuckgegenstände ausdrücklich angegeben werden. Die Braut erhält von ihrem Schwiegervater ein mit Gold beschlagenes und mit Perlen verziertes Gebetbuch, der Bräutigam vom Brautvater Vgl. Iva ufmann, Samson Wortheimer p. 80 ff. 2) Jb. 78 n. 1. Vgl, auch Löwen st ein, Geschichte der Juden in der Kurpfalz p. 82 n. 1* und Kaufmann, Aus Heinrich Heine’s Ahnensaal p. 29 n. 2. s~) Kaufmann, Urkundliches aus dem Leben Samson Wertheimers p. 68 ff.

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