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Bericht über die Jacobson-Schule, Realschule mit (Reform-)Realprogymnasium (nach dem Frankfurter Lehrplan) zu Seesen am Harz · 1910-01-01 · Heft 1 · page 18

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Journal
Bericht über die Jacobson-Schule, Realschule mit (Reform-)Realprogymnasium (nach dem Frankfurter Lehrplan) zu Seesen am Harz
Volume
1910-1911
Issue
Heft 1
Date
1910-01-01
Page
– (sequence 18)
Language
German
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IRI
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i*> halle eine grossere Schulfeier veranstaltet, bei welcher der Schulchor und Schüler der VI, Yt IVb und der drei RealprogymnasiaUKlassen vaterländische Lieder und Gedichte vortrugen und Heir Professor Dr. Schäfer, der am Eeldzugo 1870/71 als E inj ährig-Frei will iget* teilnahm, in einem längeren Vortrag seine »persönlichen Erinnerungen aus der grossen Zeit« uns mitteilte. — An dem diesjährigen Sedan-Wetturn e n des Gaues Gandersheim, das am 4, September stattfand, nahmen des regnerischen Wetters wegen nur einige Schüler teil, von denen einzelne preisgekrönt wurden. — Das Schulfest, welches mit einer Feier zur Erinnerung an das hundertjährige Bestehen der Schulsynagoge (des Tempels) verbunden war, fand dieses Mal später als sonst, nämlich am 26. September statt. Auf Anordnung des Kuratoriums wurde diese Feier, die naturgemäss zunächst nur für einen Teil unserer Schülerschaft, die judischen, Bedeutung hat, in engem Rahmen gehalten, Weder wurden offizielle Einladungen an die staatlichen Behörden erlassen, noch wurden weitere Kreise ehemaliger Jaeobsonschüler zur Teilnahme aufgefordert. Trotzdem erschienen eine Reihe geehrter und lieber Gaste von auswärts, unter anderen: Herr Landesrabbiner Dr. Rülf, unser ehemaliger Kollege Herr RealschuIJehrer a. D. Gutkind und mehrere ehemalige Schüler. Sehr rege war die Beteiligung seitens der hiesigen Bürger, die sowohl dem Festgottesdienst im Tempel um 11 Uhr vormittags, als der sich daran anschliessenden akademischen Feier in der Turnhalle beiwohnten. Der Eestgottesdienst wurde mit einem Präludium eröffnet, welches Herr Gesanglehrer Germer wirkungsvoll auf der Orgel, der ersten, die je in einer Synagoge stand, vortrug. Dann folgten Gcmeindegesang und Gebet und die Festpredigt des Herrn Landesrabbitiers. Dieser lag das Psalmwort au Giunde: »Ich habe meine Freude an denen, die zu mir sprechen: Komin, ins Hans des Herrn lasset uns ziehen« (Ps. 122, 1), An diesen Gedanken anknüpfend, führte der Geistliche aus, wie Israel Jacobson seinem Lieblings werk, der Seesener Erziehungsanstalt die Krone aufsetzte, indem er diesen Tempel errichtete, dessen Gründung des Stifters Gottergebenheit zum Ausdruck brachte und der bestimmt war, auch bei anderen fromme Gesinnung und brüderliche Liebe zu wecken. — Es ist bedauerlich, dass der Herr Landesrabbinor dem Wunsche des Kuratoriums, die inhaltsreiche Predigt für diesen Bericht abdrucken ku lassen, nicht stattgogeben hat. Unsere jüdischen Zöglinge und deren Angehörige würden gewiss mit Vergnügen seine Worte noch einmal gelesen haben. Bei dem Festakt in der Turnhallo trugen der Chor und mehrere Musikschüler einige Lieder bezw. Violinstücke vor. Alsdann entwarf der Unterzeichnete in seiner Ansprache auf Grund einiger archivalischer Studien eine geschichtliche Skizze des Baues des Tempels*) und schilderte seine Bedeutung für die paritätische Tendenz der Jacobsonschule. Er wies darauf hin, dass Jacobson auch gelegentlich der Einweihung des Gotteshauses — wie bei vielen anderen Anlässen — den interkonfessionellen Charakter seiner Schulstiftung betonte, die den r Zweck haben sollte, die Jugend vor allem zu Staatsbürgern zu erziehen, ohne freilich eine Verwischung der historisch gewordenen konfessionellen Grenzlinien1 zu erstreben. (S. Beilage.) Am Nachmittage zogen die Schüler mit Fahnen und Musik zum Spiel platze, wo bis zur anbrechenden Dunkelheit unter Leitung des Herrn Oberlehrer Har k e geturnt und unter derjenigen der Herren Strauss und Bode gespielt wurde. Ein Freund der Schule, Herr *) Das Kuratorium hat in diesem Sommer öen Tempel neu mit 3iebersmwanz2iegeln bedenken lassen, wobei das Dach ganz in seiner ursprünglichen Gestalt erhalten wurde. Audi öie altertümliche Turmuhr, Öie mindestens 50 Jahre still gestanden hat, ist wieder in Gang gebracht worden.

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