KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1931
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1931)
- Date
- 1931-10-01
- Page
- Seite 178 (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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178 K. C.-Blätter Nachr.-Heft achtzigjähriger hat er sich zu diesem Ideal seiner Jugend bekannt, wie er anläßlich einer Einladung zum Berliner K. C. in einem warm empfundenen Schreiben bezeugt hat. Sein ehrliches Wollen und Streben sichert ihm ein rühmliches Gedenken. Büdier- und Blätlersdiau Der Morgen, Nr. 4, VH. Jahrgang. Aus der neuen Nummer 4 (VH. Jahrgang) des Morgen seien vor allem zwei für unsere Tage besonders bedeutungsvolle Arbeiten herausgegriffen: Hans Herzfeld nimmt in seinem Aufsatz „Geistfeindlichkeit und ihre politischen Auswirkungen" Stellung zur gegenwärtigen geistigen Lage der Politik. Die immer stärker werdende Mechanisierung und Verwirtschaftlichung des Lebens erzeugen heute eine freudlose Nivellierung und Entpersönlichung des Menschen. Nietzsches Kulturkritik rief eine nicht weniger extreme Gegenrichtung hervor^ die den Geist als den eigentlichen Schädling bekämpfte. Besonders in der Politik zeigt sich eine ungeheure Vergröberung dieser kulturkritischen Ideen, die eine Befreiung der irrationalen Kräfte befürworten. Die wahren natürlichen Kräfte aber können sich nur entfalten, wenn sie in das richtige Verhältnis zum Geist gebracht werden. Die immer wieder brennende Frage der Stellung des Juden in der andersgläubigen Umwelt wird von Lore S e l i g m a n n in dem Aufsatz „Negativismus?" behandelt. In der falschen Auffassung des Objekts der negativen Handlung der Juden zur Welt liegt ein Mißverständnis. Nur aus dem Ja zur Zukunft könne das Nein des stetig Beruhigtseins zur erstarrten Gegenwart verstanden werden, deren Erlebnis der Gegenwart für den Juden Durchschauen und Enthüllen ihrer Negativität bedeutet. Die Spannung zwischen dem Heute und dem Morgen werde gelöst in der Hinwendung zur Zukunft, die keine Gegenwartsfeindlichkeit bedeutet. Aus diesem jüdisch-historischen Schicksal in der Weltgeschichte als Minderheit unter den Völkern, ist diese negative Haltung zu verstehen. In einem Nachwort zu diesem Aufsatz bekennt sich Eva Re ich mann-Iungmann zu der ruhigeren Position der bodenständigen Menschen, und sie bejaht von hier aus — auch für den heutigen Juden — die Gegenwart. Wertvoll und lesenswert sind ferner die Beiträge von Friedrich Franz von Unruh: Liebe und Tod im Werk R. M. Rilkes; Hans Hartmann: Der Weltfriedenskongreß der Religionen; Ernst von Ast e r: Hegel; Hugo Hahn: Iudenmission. Ein warmherziger Nachruf für Ernestine Eschelbach mrd Buchbesprechungen beschließen das anregende Heft. Die Zeitschrift erscheint zweimonatlich und ist durch jede Buchhandlung oder direkt durch den Philoverlag, Berlin W 15, zum Iahrespreis von Reichsmark 12.— zu beziehen. „Von der Holbeinbibel zur Amsterdamer Haggadah", lautet die Ueberschrift eines sehr lehrreichen Aufsatzes, den Rahel Wischnitzer in dem soeben erschienenen Heft der Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums veröffentlicht. Sie zeigt, daß die Uebereinstimmungen älterer Haggadahbilder mit Holbeins Bildern zur Bibel auf die Benutzung christlicher Mittelquellen zurückgehen; insbesondere hat die Kunst M. Merians auf die Haggadahillustration gewirkt. Sie veranschaulicht aber auch, wie die jüdischen Meister, welche die Haggadah geschmückt haben, die christlichen Vorlagen im Sinne ihrer Religion abzuändern vermochten. Im gleichen Hefte gibt A. Tartakower eine höchst lehrreiche Aebersicht über das jüdische Schulwesen in Polen, welche lebhaft veranschaulicht, wie schwere Opfer die verschiedenen Richtungen des polnischen Judentums bringen, um die Jugend in ihrem (sinne zu erziehen. Auch ein Aufsatz des Greifs- Wälder Alttestamentlers Schütz über Ausgrabungen in Palästina wird weite Kreise fesseln; erfreulicherweise sind ihm, wie auch dem Aufsatz der Frau Wischnitzer, Bildbeilagen hinzugefügt. Man abonniert die Monatsschrift, indem man Mitglied der Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums in Berlin wird und den jährlichen Mindestbeitrag von RM. 10.— an die Gesellschaft (Postscheckkonto Paul Veit Simon, Berlin 7030) oder an einen der Vertrauensmänner sendet, welche in jedem Heft der Monatsschrift aufgeführt sind.