KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1927
- Issue
- Heft 3 (5.8.1927)
- Date
- 1927-08-05
- Page
- Seite 109 (sequence 109)
- Language
- German
- Belongs to
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(133) 109 schäften. (197 Familien mit 900 Seelen, 3000 Desjatin.) Er -Unterhalt dort 3 Agronome. Die Kreditgewährung erfolgte in Weißrußland durch die Weißrussische Staatsbank, mit der O.R.T. einen entsprechenden Vertrag abgeschlossen hat. Die Kredite dienten zum Erwerb von Kühen und Pferden, zur Einrichtung neuer und Verbesserung alter Häuser, sowie zur Einfuhr landwirtschaftlicher Maschinen und Molkerei-Apparate. Die vorstehenden Zahlen zeigen selbstverständlich nur einen kleinen Ausschnitt der kolonisatorischen Arbeit, an der in erster Linie und in großzügigster Weise der amerikanische Joint, ferner die 2. C. A. und O.R.T. sich beteiligen. Die wenigen Zahlen aus einem begrenzten Arbeitsgebiete einer Organisation zeigen die Größe der Gesamtarbeit. Sie beleuchten auch die Schwierigkeit der kolonisatorischen Aufgabe. Man darf selbstverständlich nicht der Illusion sich hingeben, daß es sich hier um kolonisatorische Aufgaben handelt, die in kurzer Zeit gelöst werden können. Aber schon diese wenigen Zahlen zeigen, daß mit gewaltigen Kräften an der Bewältigung der Aufgabe gearbeitet wird. Was diese Arbeit so sehr von der Arbeit vor dem Kriege unterscheidet, ist die Tatsache, daß die Arbeit von der zunächst beteiligten jüdischen Bevölkerung im wesentlichen getragen wird. Der russische Jude hängt an seinem heimatlichen Boden und will auf diesem Boden sich ehrlich ernähren. Die charitative Hilfe, wie sie die Ostarbeit der Vorkriegszeit beherrschte, ist fortgefallen. Auf dem Wege über Genossenschaften werden Kredite gewährt. Die Rückzahlungspflicht wird durchaus nicht etwa als leere Formalität betrachtet; es muß zurückgezahlt werden, und es wird tatsächlich zurückgezahlt. Die Kreditgewährung erfolgt fast ausschließlich durch Lieferung von Sachwerten. 2n diesem Zusammenhang ist interessant, das von der Gesellschaft O.R.T. die allgemein freudig begrüßte Anregung ausgegangen ist, im Osten eine sogenannte produktive Verwandten- Hilfe zu schaffen, die an Stelle der Geldzuwendungen seitens amerikanischer Verwandten die Uebernahme der Bürgschaft für Lieferung von Maschinen für Landwirtschaft und Handwerk treten läßt. Das Drängen der beteiligten Bevölkerung nach produktiver Beschäftigung tritt ganz besonders im Handwerk hervor. Es ist erschütternd, zu hören, wie überall im Osten die jüdische Bevölkerung dazu sich drängt, Unterkunft in Handwerksschulen und landwirtschaftlichen Schulen zu finden, welche verhältnismäßig ungeheuren Opfer die jüdische Bevölkerung im Osten auch ihrerseits bringt, um die Einrichtung oder Erhaltung solcher Schulen zu ermöglichen. Die Gesellschaft O. R. T. ist ganz auf den Gedanken eingestellt, daß diese große Umstellungsbewegung von der beteiligten Bevölkerung selbst getragen werden muß. Dies wird nicht überall in ausreichender Weise anerkannt. Roch stark wurzelt in maßgebenden Köpfen der Notabeln-Gedanke der Vorkriegszeit, der Zeit der großen Wohltäter. Man kann sich auch nicht überall auf die Zusammenarbeit mit Männern und Frauen einstellen, die sich der gegenwärtig herrschenden politischen Struktur aus Notwendigkeit oder innerer Neigung anpassen. Zum Teil machen sich diese Hemmungen auch in der Einstellung gegenüber denjenigen Organisationen geltend, die, wie die Gesellschaft O.R.T., ganz der modernen Lage sich anpaßt. Von den großen Organisationen ist der Joint die Verwaltung der Mittel großzügiger amerikanischer Wohltäter. Wie großzügig dort die Arbeit geleistet wird, zeigten erst neuerdings die Berichte über die Reise von Felix M. Marburg und Dr. Bernhard C a h n, dem hochverdienten europäischen Direktor des Joint, durch Rußland. Die I. C. A. ist nach ihrer ganzen Entwicklung keine Organisation, die sich an die große Masse der Juden in der ganzen Welt wendet, welche den Wunsch haben, sich an der Hilfe für die östlichen Glaubensbrüder zu beteiligen. Sie verwaltet lediglich den Nachlaß des Baron Hirsch. Die Gesellschaft O.R.T. hat ihre Einzelvereine im ganzen Osten und in den meisten Kulturländern. So existiert auch eine „O. R. T.- Abteilung Deutschland", die als eingetragener Verein in das Berliner Vereinsregister eingetragen ist. In dieser Abteilung Deutschland arbeiten hier ansässige östliche und deutsche Juden zusammen. Die Arbeit gilt neben der Förderung der östlichen kolonisatorischen Aufgaben auch der Produktivierung der in Deutschland ansässigen Juden. Die großen Erfahrungen der Gesellschaft kommen auch den Bestrebungen der Berussumstellung in Deutschland zugute. Die Gesellschaft unterhält z. B. in Berlin eine Schneider- M werkstätte und eine Ehausfeur-Schule. An zahlreichen Projekten ähnlicher Art fehlt es nicht, wenn die nötige finanzielle Hilfe in Deutschland gewährt wird.