KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1927
- Issue
- Heft 3 (5.8.1927)
- Date
- 1927-08-05
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
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(29) Gruß an meinen Von Josef Hii Motto: „Als ich schlummernd lag heut' nacht, lockten süße Träume." 2a, mein lieber, guter Freund, ich dachte und denke viel der schönen Zeiten, die uns in München zusammenführten und für unser ganzes Leben in treuer Freundschaft zusammenschmiedeten. Es war nicht der lieberschwang der Jugend und heute nicht die Erinnerung, die unsere Gemeinschaft schuf, es war ein gemeinsames Streben, den höchsten Inhalt des Lebens zu erfassen. Nicht als ob wir der Freude des Lebens abhold gewesen waren und uns in ernste Betrachtungen verloren hätten. Nein, wir waren frohe und jugendbewußte Studenten, die wir jede Freude unseres Studentenlebens in uns aufnehmen wollten. Aber der große Zug und der große Ruf des Lebens wurden gewahrt. Was damals unbewußt in uns schlummerte und gärte, ist in vielem durch die Last und die Wucht des alltäglichen Lebens erdrückt, in vielen zur edlen Reife erblüht. Zu diesen, man darf es Dir sagen, ohne der Gefahr der Verstiegenheit in Worten anheim zu fallen, gehörst Du, mein lieber Freund. Die Eigenschaften, die in Deiner Jugend in Dir schlummerten, hast Du zu entwickeln verstanden und zur Vollendung gebracht und, was weit mehr bedeutet, in den Dienst der Gesamtheit gestellt. Und eine Eigennote Deiner Persönlichkeit ist Dir geblieben, die viele nicht immer in ihrem wahren Wert erkannten: die innere Wahrhaftigkeit Deiner Persönlichkeit, die, losgelöst von allen Rücksichten des Lebens, Dich trieb, die Dinge und Personen so zu charakterisieren, wie sie die Wirklichkeit ergab. Wir liebten oft nicht Deine scharfe Kritik und, es sei eingestanden, verargten sie Dir. Wir erkannten nicht, daß Du uns den klaren Spiegel unserer Wesensart vor Augen hieltest und uns dadurch einen Freundschaftsdienst erwiesest, der höher stand, als die weichliche Freundschaft jugendlicher Schwärmerseelen. Ob bewußt, weiß ich nicht, unbewußt jedenfalls bist Du dadurch Deiner Umgebung zum Erzieher geworden, weil Du jeden Deiner Freunde zwangst, sich zur inneren Wahrhaftigkeit durchzuringen. Die innere Wahrhaftigkeit war eng verbunden mit Deiner Treue zu Personen und Werten des Lebens, die Du als wahre Werte erkanntest. Daher Deine hohe Auffassung von Bundesbrüderlichkeit. Wenn einmal in unserem Kreise das Freund Hollunder. t s ch (Lic., Spr.) Wort geprägt wurde, Freundschaft und Bundesbruderschast bedeute nicht nur, daß man bereit sei, Freundschaft und Liebe zu geben, daß man in gleicher Weise bereit sein müsse, ohne Gefühl verletzten Stolzes, auch Freundschaft zu empfangen, so bist Du das Symbol einer solchen Bundesbrüderlichkeit stets gewesen. Wir alle wußten und haben es oft erfahren, daß Deine Freundeshand stets bereit war, den wankenden oder strauchelnden Freund mit dem Schild Deiner machtvollen Persönlichkeit zu schützen. Und Du, der Du stets mehr geben als nehmen konntest, wußtest, daß jeder von uns Gelegenheit suchte, wenigstens durch einen Freundesblick Dir innere Verbundenheit zu zeigen. Die Treue zu wahren Werten des Lebens führte Dich zur Liebe für das Judentum, zu einer Liebe, die nicht nach irgend welchen Dogmen und Worten suchte, an denen sich eine schwärmende Seele berauschen konnte; gemäß der inneren Wahrhaftigkeit Deiner Person hieltest Du Dich an die Tatsachen, die Deiner Erkenntnis offenlagen. Du liebtest die tiefe Ethik des religiösen Judentums und verbandest diese Liebe mit dem Stolz Deiner Abstammung. Dadurch wurdest Du zu einem religiösen Menschen. Und weil Du erkanntest, daß nur Wissende wahrhaft geistige Werte lieben konnten, häuftest Du ein Wissen auf, das Deine Umgebung zwang, die Pfade der suchenden Erkenntnis Dir nachzuwandeln. Wenn D^ diese Worte lesen wirst, mein lieber Freund, wirst Du lächeln und vielleicht sagen, bin ich der Jüngling gewesen, als den mich die Feder meines Freundes schildert? — Vielleicht wirst du es verneinen. Aber mit Unrecht. Die Zeit hat den Beweis erbracht. Deine allen erkennbaren Eigenschaften der Wahrhaftigkeit und Treue zu Personen und Dingen haben Dich zu dem gemacht, der Du heute bist: ein Kämpfer für Wahrheit und für das Judentum. Du bist Dir selbst treu geblieben! Deine Verdienste um den K. C. werden an anderer Stelle gewürdigt. Wenn bei Deinem Eintritt in das Studentenleben der K. C. nicht bestanden hätte, so wärst Du zwangsläufig aus Deiner geistigen Einstellung der Gründer geworden. Andererseits darf der K. C. von sich