KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1915-1916
- Issue
- Heft 9 (Januar 1916)
- Date
- 1916-01-01
- Page
- Seite 560 (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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560 Rektorats; ebenso nahmen wir an einem Vorträge des Kb R. A. Df. Kochmann, Berlin, teil, der im hiesigen Jüdischen Jugendverein, der Jugendgruppe des Zentralvereins, über „Bestrebungen und Ziele in der deutschen Studentenschaft, insbesondere unter den jüdischen ©tu* denlen" sprach. Wir danken dem verehrten Herr Kb. auch an dieser Steye. An die nach der Front oder von der Front reisenden Kb. Kb. sei nochmals die Bitte gerichtet, sich bei uns einzufinden oder sich wenigstens mit uns in Verbindung zu setzen. Briefe sind bis auf weiteres an San.-Unteröff. stud. raed. Oske, Königsberg i. Pr., Nachtigallensteig 24, zu richten. Das Küsienamt ruht in den Händen des i. a. B. Laser (Adresse: Prinzeffinstr. 3 a.) Saxo-Bavaria. Nachdem nun auch der letzte Saxo- Bavare, der bisher in Leipzig weilte, einberufen ist, ist unsere Verbindung völlig verwaist. In liebenswürdiger Weise hat sich ein Freund unserer Verbindung, Herr Assessor vr. Graf, Leipzig, König-Johannstr. 3H, bereit erklärt, Auskunft über Leipzig zu erteilen. Auch werden die Berbandsbrüder, die sich vorübergehend in Leipzig aufhalten, gebeten, sich an ihn zu wenden. Die Verbindungsgeschäfte führt bis auf weiteres noch Bb. Kurt Haas, beim 27. Infanterie-Regiment, Halberstadt, Breiterweg 34, weiter. K. C.-Stammtisch Frankfurt a. M. Als der K. C.- Stammtisch Frankfurt a. M. die zweite Hälfte des W. S. 1915/16 am 10.1.16. mit Convent und anschließendem Bierabend im „Faust" eröffnete, fand sich unter der noch ortsanwesenden Aktivitas von neun Mitgliedern pur ein a. B., während die übrige Aktivitas aus sechs Brandern und zwei kraffen Füchsen bestand. Wir unterließen daher die Besetzung von Chargen, und a. B. Lewinsohn wurde wieder mit der weiteren Leitung des Stammtisches beauftragt. Ohne uns durch dieses Provisorium, das uns der Krieg aufzwang, beeinflussen zu lasten, führten wir unfern straffen Berbindungsbetrieb rege weiter. Nach Ueberwindung von Schwierigkeiten, die in der Auffindung eines geeigneten Fechtlehrers und. Pauklokals und in der Anschaffung von Paukzeug lagen, gelang es uns endlich, in diesem Halbsemester einen strammen Paukbetrieb einzurichten. Anfangs stellte uns eine l. K. B. Biadrina-Darmstadt, der wir auch hierdurch für ihre Hilfsbereitschaft herzlich danken, das notwendigste Paukzeug in karteübrüderlicher Freundschaft zur Verfügung. Bald schaffte sich der K. C.-Stammtisch aber eigenes Paukzeug an. Besondere Freude empfanden wir, daß sich zu unseren Bierabenden im „Faust" jedesmal eine große Anzahl von Gästen einfanden, die den K. C.-Stammtisch von der Seite studentischen Frohsinns und studentischer Gemütlichkeit kennen lernen konnten. Kbr. Kbr. fast aller l. K. B. K. V. konnten wir hier begrüßen. An den Tendenzabenden, die, wie bisher, unser l. A. H. vr. Lazarus in dankenswertester Weise leitete, referierten die Bbr. Bbr. Seligmann über „Blutaberglaube und Ritualmord märchen", Arfeld über „Judentaufen", Liebmann über „Das jüdische Weib im alten Testanrent", Leoita über „Zionismus" und Rosenthal über „Die moderne Jüdin". Lebhafte Diskussionen schloffen sich jedesmal an die Referate an und gaben den Bbr. Bbr. in reichem Maße Aufklärung und geistige Anregung. Die Kommentfuchsenstunden erteilte a. B. Lewinsyhn. Anfang Februar konnte sich dank des Erscheinens fast aller unserer A. H. A. H und verschiedener in Garnison stehender a. B. a. B. ein B. C. konstituieren, von dem die Brander Arfeld, Gütz, Leyita, Liebmann, Rosenthal und Seligmann nach bestandener Prüfung rezipiert wurden. Derselbe B. C. beschloß die Kriegsrezeption der beim Heere stehenden Brander Hahn, Hesse, Hirsch, Arthur Mayer und Martin Erich Mayer. Ins Heer traten ein Paul Einstein und Max Liebmann. Aktiv meldete sich Unteroffizier Hans Frühberg, stud. iur. (z. Zt. im Felde). Die vollständige Aktivitas des K. C.-Stammtisches setzt sich somit zusammen aus 17 a. B a. B. und 4 Füchsen - allerdings steht der größere Teil davon im Heeresdienst. Die Keilaussichten für das nächste Semester sind gut. Wir beschließen dieses Semester am 26. Februar mit Bierabend im „Faust" und eröffnen das S. S. 1916 am 29. April mit Convent und Bierabend ebendaselbst. In die F. C. wurden gewählt: a. B. Rosenthal F. C. x A. H. vr. Mainzer F. C. xX a. B. Seligmann F. C. x x x. Unsere Ferienadreffe ist: 8tud. iur. Rosenthal, Frankfurt a. M., Seilerstraße 301. Ratibor. Dienstag, den 8. Februar, erfolgte nach Ueberführung vom russischen Kriegsschauplatz die Beisetzung unseres l. Kb. vr. Lindner. Eine außerordentliche Teilnahme der. gesamten Bürgerschaft Ratibors legte beredten Ausdruck davon ab, welcher Sympathie und welcher Wertschätzung sich Lindner erfreute. Zahlreiche Offiziere, darunter das gesamte Offizierkorps der Garnison Ratibor und eine Abordnung des hiesigen Ersatzbataillons, der Kriegerverein und die Sanitätskolonne, erwiesen unserur l. Kb. das letzte Ehrengeleit. Auch unsere l. K. V. „Thuringia" hatte es sich nicht nehmen lasten, drei Chargierte zu entsenden. Aus nächster Umgebung waren 10 K. C. er herbeigeeilt, um unserm l. Kb., der bei seinem Abschied ms Feld es schon fühlte, daß er nimmer lebend zurückkehren würde, zu seiner letzten Ruhe zu geleiten. An seiner Bahre gedachte Raub. vr. Dienemann in einer tief zu Herzen gehenden Gedächnisrede unseres Kartellbruders, dessen Tod eines der schwersten Opfer war, die der Krieg von uns forderte. Der Redner erinnerte daran, daß Lindner zu den ersten gehörte, die in Zeiten schwerer Not den Kampf um das Recht des deutschen Judentums aufnahmen. Diesem Ideal, alle Niedrigkeit der Welt zu besiegen durch die tapfere Tat, die getragen ist von Adel und tiefer Sittlichkeit, sei er treu geblieben bis zur Todesstunde. Von diesem Ideal beseelt, habe er vom Tage des Kriegsbeginns an schon seine ganze Kraft dem Vaterland geweiht. So habe er denn auch, den Tod im Herzen, nur dem Gebote der Ehre und der Pflicht folgend, zu noch größerer Leistung auf den Kriegsschauplatz sich begeben. Mit seiner ganzen Art habe er sich in den Herzen der Seinen und in den Herzen all derer, die ihm näher getreten seien, ein Denk, mal gesetzt, das mit dankbarer Treue gepflegt werde. Hierauf ergriff vr. Ehrenfried (Viad.t das Wort und sandte in tiefempfundenen und herzlichen Worten seinem Studiengenosten, seinem Bundesbruder und Freunde Äbschiedsgrüße nach. Unter den üblichen militärischen Ehren erfolgte nun die Beisetzung unseres l. Kb. Lindner, während gleichzeitig die Chargierten mit gekreuzter Klinge und gesenkter Fahne ihren Bundesbruder zurp letzten Male grüßten. Eine erhebende Feier war es, eine innere Zufriedenheit beseelte uns, daß wir Lindner, der mit feiner geschwächten Gesundheit den aufreibenden Strapazen des Feldes trotzen wollte, nur um seine Ehre rein und makellos zu halten, mit allen ihm zukommenden Ehren bestatten konnten. Ein Trauersalamander in der Wohnung unseres Bb. Lübinski beendete auch für uns K C. er die eindruchsväfle Feier.