Bericht über das Schuljahr ... der Stiftischen Realschule mit Lyzeum der Israelitischen Religionsgesellschaft in Frankfurt am Main
- Journal
- Bericht über das Schuljahr ... der Stiftischen Realschule mit Lyzeum der Israelitischen Religionsgesellschaft in Frankfurt am Main
- Volume
- 1891
- Date
- 1891-01-01
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Rotro u. Corneille, den wir uns wundern unter ihnen zu finden, war von Richelieu abhängig und musste seiner Aufforderung Folge leisten. Aber schon nach dem ersten Stücke zog er sich zurück, er sah den Misserfolg des ganzen Unternehmens wahrscheinlich voraus und schämte sich der unwürdigen Rolle, die er dabei spielte. „Corneille n'a pas d'esprit de suite,* sagte Richelieu von ihm, als er in einem Punkte nicht mit ihm übereinstimmte, und verzichtete auf seine Mitarbeiterschaft. Nur der dritte Akt der „Comedie des Tuileries" ist von Corneille.1) Die beiden Stücke, welche von den vier anderen geschrieben wurden, sind „l'Aveugle de Smyrne* und „laGrandePastorale." Wie sich die Dichter in den Stoff teilten, ist heute nicht mehr festzustellen, da keine Angaben darüber gemacht werden; weder Pellisson noch die Vorreden der Stücke enthalten eine diesbezügliche Notiz. — „La Comedie des Tuileries* und „FAveugle de Smyrne" wurden in den Jahren 1635 und 1637 vor dem Könige und dem Hofe in dem grossen Saale des Palais-Cardinal mit der prächtigsten Ausstattung aufgeführt. Sie hatten einen grossen Erfolg, aber weniger wegen ihres inneren Gehaltes, als weil jeder ihren geistigen Urheber kannte und sich dem Premierminister gefällig zeigen wollte. Eine zweite Aufführung erlebten sie nicht, und obgleich sie im Jahre 1638 gedruckt wurden, waren sie bald nachher vergessen. Das Schicksal der „Grande Pastorale" war noch jämmerlicher. Richelieu selbst soll 500 Verse an ihr geschrieben haben. Aber sie wurde weder aufgeführt noch gedruckt. Richelieu hatte sie Chapelain übersandt, um sie durchzusehen und seine Bemerkungen darüber zu machen. Obgleich der Kritiker sehr diskret und rücksichtsvoll war, misfielen seine Bemerkungen dem Cardinal, er zerriss sie in Gegenwart Boisroberts. Aber in der folgenden Nacht las er sie noch einmal mit grösserer Aufmerksamkeit, und nachdem er sich von ihrer Richtigkeit überzeugt hatte, verzichtete er auf die Veröffentlichung der Comödie und sagte zu Boisrobert: „Messieurs de PAcademie s'entendaient mieux que lui en ces matieres, et qu'ii ne fallait plus parier de cette impression."2) Das erste dieser drei Stücke, die C o m e d i e d e s T u i 1 e r i e s3), ist sehr schwach. Der Schauplatz ist der Tuileriengarten. Aglante und Cleonice sind in ihrer Jugend für einander bestimmt worden. Jener kommt von einer längeren Reise zurück und trifft Cleonice, welche er nicht wiedererkennt, und von der er seinerseits auch nicht erkannt wird, im Garten und findet Wohlgefallen an ihr. Er beklagt sein Geschick, das ihn an eine andere fessele und lässt sich mit der anscheinend Fremden in ein Gespräch ein. Da die beiden annehmen müssen, dass ihre Namen in der Stadt bekannt seien, so verändern sie dieselben, um den Roman ohne Besorgniss spielen zu können, Aglante nennt sich Philene, Cleonice: Megate. Auf dieser Namensveränderung baut sich das äusserst schlecht motivierte Stück auf. Die Verlobten bitten,- da sie das in ihrer Kindheit gegebene Versprechen jetzt nicht einlösen können, um Aufschub der Ehe. Da man ihnen nicht willfahrt, wollen sie sich das Leben nehmen. Cleonice stürzt sich in den Teich des Gartens, Aglante in den Löwenzwinger. Natürlich werden sie beide gerettet und löst sich das Rätsel der Namen, so dass sich Aglante und Cleonice resp. Philene und Megate, ihrer Neigung gemäss verbinden können. — Die Einheit des Ortes und der Zeit >) Voltaire irrt, wenn er in seinen Remarques sur le Cid (Oeuvres completes ed. Moland, Paris 1880, vol. 31, pag. 206) Corneille auch die Mitarbeiterschaft am „Aveugle de Smyrnett zuschreibt. In der Vorrede zu diesem StUcke sagt der Herausgeber ausdrücklich, dass es von vier berühmten Geistern geschrieben sei. *) Histoire de i'Academie I, 83. *) La Comedie des Tuileries par les Cinq Anteurs. Paris 1638. Chez Augustin Cöurbe. 4a.