Bericht über das Schuljahr ... der Stiftischen Realschule mit Lyzeum der Israelitischen Religionsgesellschaft in Frankfurt am Main
- Journal
- Bericht über das Schuljahr ... der Stiftischen Realschule mit Lyzeum der Israelitischen Religionsgesellschaft in Frankfurt am Main
- Volume
- 1891
- Date
- 1891-01-01
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Stellung in der Gesellschaft, und ohne seine Gunst würden nicht einmal ihre Namen auf die Nachwelt gekommen sein. Sehr bekannt ist die Thatsache1, dass er einst Colletet fünfzig Pistolen übersandte für drei Verse im Prolog der „Comedie des Tnileries", die ihm ausserordentlich gefielen.1) Nicht weniger als Poesie und Wissenschaft erfreuten sich die plastischen Künste der Gunst des Cardinais. Beim Bau seiner eigenen Schlösser beschäftigte er die besten Maler und Bildhauer. Sein Schloss in Ruel, welches von einem schönen mit italienischen Wasserkünsten ausgestatteten Park umgeben war, das Petit-Luxembourg, und vor allem das Palais- Cardinal enthielten zahlreiche Meisterwerke der bekanntesten Künstler. Er war ein eifriger Sammler, und mannigfache Gegenstände aus seinen Sammlungen, welche in den grossen Museen Europa's zu sehen sind, beweisen seinen feinen und nicht gewöhnlichen Geschmack. — Das Palais-Cardinal, später Palais-Royal genannt, wurde im Jahre 1629 erbaut, da dem Cardinal das Petit-Luxembourg zu klein war und nicht mehr recht würdig schien. Er legte auf seine innere und äussere Ausstattung viel Wrert und übertrug den Bau dem grössten Architekten des 17. Jahrhunderts, Lemercier. In diesem Palais befanden sich zwei Bühnen, eine grössere und eine kleinere, welche für die eigenen Stücke des Cardinais eingerichtet wurden. Dieses Theater des Palais-Cardinal war damals das einzige in Paris, das eigens zur Aufführung von Stücken erbaut worden war. Die meisten übrigen Theater, wie das Hotel de Bourgogne, das Theätre du Marais, waren nur notdürftig ausgestattet. Richelieu besass eine grosse Leidenschaft für's Theater; inmitten der rauschendsten Hoffestlichkeiten war eine gute Vorstellung sein liebstes Vergnügen. Er gewährte auch den verschiedenen Truppen Subventionen und ermöglichte so ihre Existenz. Das Hotel de Bourgogne erhielt eine jährliche Pension von 12,000 Fr., das Theätre du Marais, unter Mondory, für welches Richelieu sich besonders interessierte, während der König mehr das Hotel de Bourgogne, die troupe royale par excellence, bevorzugte, eine von 20002). Auf seiner eigenen Bülme sah der Cardinal meistens solche Stücke, welche bereits im Marais aufgeführt worden waren; dort fanden die grossen prunkhaften Vorstellungen des Königs und des ganzen Hofes statt; dort wurden zum ersten Male die Stücke der fünf Autoren und die andern vom Cardinal beeinflussten Dramen gegeben. Nach dem Register der Gazette sah der Hof dort auch einige Opern und Ballets3). Wir können uns leicht vorstellen, dass jeder Dichter es als die höchste Ehre ansah, in diesen Musentempel eintreten zu dürfen und dort vom Premierminister empfangen zu werden. Sollte er nicht von der Hoffnung begeistert sein, dass auch sein Werk vielleicht für würdig einer Aufführung im Palais-Cardinal gehalten würde! „Tous ceux, sagt Pellisson4), qui se sentaient quelque genie, ne manquaient pas de travailler pour le theätre; c'etait le moyen d'approcher J) Es sind die Verse — es handelt sich um die Schilderang eines Teiches — La cane s'humecter de la bonrbe de l'eau P'une voix enrouee et d'un battement d'aile. Animer le canard qui languit aupres d'elle. Richelieu wollte s'humecter durch barboter ersetzen, aber die ursprüngliche Fassung blieb. *) Despois: Le Theatre Francais sous Louis XIV. Paris 18868, pag. 102. *) Dussieux, Le Cardinal de Richelieu, Etüde Biographique. Paris 1886, pag. 248. *) Histoire de l'Academie Francaise par Peüisson und d'Otivet, avec une Introduction ete. parM. Ch. L. Livet Paris 1858. I, 81.