Bericht über das Schuljahr ... der Stiftischen Realschule mit Lyzeum der Israelitischen Religionsgesellschaft in Frankfurt am Main
- Journal
- Bericht über das Schuljahr ... der Stiftischen Realschule mit Lyzeum der Israelitischen Religionsgesellschaft in Frankfurt am Main
- Volume
- 1890
- Date
- 1890-01-01
- Page
- – (sequence 41)
- Language
- German
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des grands et d'etre favorise du premier ministre." In keiner Zeit entstanden so viele Dramen wie damals1), allerdings sind die meisten höchst mittelmässig. Richelieu, nicht zufrieden damit, für einen Beschützer der Poesie zu gelten, indem er die dramatischen Talente begünstigte, nicht zufrieden mit dem Rufe eines Mäcen, wollte noch den Ruhm eines Dichters erwerben. Da es ihm aber an Zeit fehlte, selbst Stücke zu schreiben, wählte er fünf bekannte Schriftsteller aus, setzte ihnen einen Stoff auseinander und übertrug jedem einen Akt behufs Umsetzung in Verse; — eine seltsame Erscheinung, welche uns zeigt, wie wenig der Cardinal mit der inneren Natur des Dramas bekannt war. Was sollen wir von einem Drama erwarten, das auf eine solche Weise entstanden ist? Kann in ihm die Einheit der Handlung, der wesentlichste Punkt jedes Dramas, gewahrt sein? Die Charaktere sind eine individuelle Schöpfung des Dichters und müssen sich selbst im ganzen Stücke treu bleiben; bei der sorgfältigsten Beratung und Besprechung werden fünf Dichter, die an demselben Drama arbeiten, dieser Forderung nicht genügen können. Die fünf Autoren waren Boisrobert, Corneille, Colletet2), de l'Estoile2), J) Wenn man nach Parfaict, Histoire du Thesitre Frangais, Vol. IV-VI eine Statistik der Stücke aufnimmt, die jährlich erschienen — allerdings ist das Resultat nicht ganz genau, da die Brüder Parfaict wohl nicht alle Stücke erwähnen —, so ergiebt sich folgendes: Von 1608—1628 finden wir im Durchschnitt jährlich nur vier neue Stücke. Ganz anders von 1629 an. Hier werden 8, 1630 : 15, 1632 : 9, 1634 : 9, 1635 und 1636 :19, 1637 und 1638 : 20, 1639 : 21, 1640: 11, 1641 : 15, 1642, dem Todesjahr Richelieus, 18 besprochen. Man erkennt also augenscheinlich den Einfluss des Hofes, resp. des Cardinais auf die Prodnction von Dramen. *) Colletet, ein Advokat, verfasste neben vielen Uehersetzungen griechischer und lateinischer Autoren mehrere religiöse Schriften. Ausserdem existiert von ihm, gegen Lotheisen I, 343, eine Tragicoraödie „Cyminde ou les deux Victimes", Paris 1642, chez Augnstin Conrbe, 12°. Sie Wirde im Palais-Cardinal gespielt und gefiel dem Cardinal ausserordentlich, vielleicht gerade wegen ihres wunderbaren Inhalts und ihrer sentimentalen Charaktere. In der Widmung an Richelieu heisst es: „Vons n'avez pas dedaigne de donner de» soupirs au recit de ses (sc. Cyminde) doulenrs, et des applaudissements ä Theureux succes de ses aventnres.* Der Dichter spricht ferner den Wunsch aus, dass die Nachwelt dieselbe Meinung von dem Werke hegen möge wie der Cardinal, „le jugement qne le grand Cardinal de Richelieu fait de nos ouvrages, doit etre celui de toute la posterite". Das Stück spielt im asiatischen Sarmatien an der Küste des Caspischen Meeres. Einst herrschte eine grosse Überschwemmung, das Volk murrte und fluchte dem Gotte Neptun; dieser bestrafte daher die Bewohner noch durch eine Pest. Das Orakel verkündet, dass, um den Gott zu besänftigen, alle drei Jahre sich jemand, freiwillig oder durch das Los bestimmt, opfern müsse, „Et cette ordonnance doit etre irre>oeable, Si le crime et le zele un jour Ne me font refuser deux victimes d'amour". Letzteres tritt ein, indem sich Cyminde, die junge Gemahlin des Fürsten Lysidas, den das Los getroffen hat, Neptun opfern will. — Zu den schönsten Stellendes Dramas gehören die Schilderungen der Flut und der Pest im I. Akt. Die häufigen Klagen der Liebenden sind hingegen höchst ermüdend, und der Eindruck, den die edelmütige Handlungsweise Cyminde's hervorbringen könnte, wird durch die zu lang ausgedehnte Intrigue verwischt. Ein sehr sorgfältiger Arbeiter ist de l'Estoile, welcher nach Pellisson „repassait cent fois rar les memes cboses* (Hist. de l'Ac. I, 249). Wir besitzen von ihm zwei Stücke, eine Tragicomödie „La Belle Esclave4*, Paris 1643 chez Pierre Moreau, Fol. 1 mit der Widmung an den Kanzler Sequier und eine Comödie „rintrigue des Filous," Paris 1648 chez Sommaville, 4°. Die Comödie „Le Secrßtaire de Saint Innocent" wurde nicht vollendet. Der Schauplatz der Tragicomödie ist Algier, wohin die beiden Liebenden Alphonse und Ciarice nach ihrer Trennung verschlagen worden sind. Im Uebrigen deckt sich der Inhalt so ziemlich mit dem des Gedichtes von Fleur und Blanchefleur. — Die „Intrigue des Filous" dreht sich um das Bild Florinde's, das ihrem Liebhaber Lusidor, während er von Bauditeii verfolgt wird, verloren geht und in die Hände seines Rivalen Tersandre gerät. Lucidor wird zuerst der Untreue geziehen, rechtfertigt sich aber und trägt über den Nebenbuhler den Sieg davon. J