Bericht über das Schuljahr ... der Stiftischen Realschule mit Lyzeum der Israelitischen Religionsgesellschaft in Frankfurt am Main
- Journal
- Bericht über das Schuljahr ... der Stiftischen Realschule mit Lyzeum der Israelitischen Religionsgesellschaft in Frankfurt am Main
- Volume
- 1889
- Date
- 1889-01-01
- Page
- – (sequence 44)
- Language
- German
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— 45 — an V. 1: „Gott, lasse deine ernsten Waltungsthaten dem Könige werden, deine Gnade aber dem Königssohne" — die Hoffnung ans, dass nach der schweren Heimsuchung, die leider den verewigten Kaiser getroffen, die Regierung Kaiser Willielms IL zum Heile des Vaterlandes eine ungetrübt glückliche und reich gesegnete sein möge. Er wies sodann auf die weltgeschichtliche Bedeutung des Augenblicks hin, da sämtliche deutsche Fürsten, indem sie sich neben den Vertretern der Nation um den jugendlichen Kaiser schaarten, in imposanter Bekundung den nimmer geschauten Anblick des in seinen Fürsten und Stämmen auch über das Hinscheiden seines erhabenen Wiederbegründers hinaus geeinten deutschen Reiches der Welt darboten. Der 9. und der 22. März, Todes- und Geburtstag weiland Kaiser Wilhelm L. wurden am Schlüsse des Unterrichtes durch geeignete Ansprachen an die versammelten Schüler begangen; am 9. hielt der Unterzeichnete, am 22. März Herr Dr. Schwartze die Ansprache. Letzterer gab unter Mitteilung von Charakterzügen eine Lebensskizze Kaiser Wilhelm I. und schilderte namentlich seine Jugendzeit. Am 21. März fand unter dem Vorsitze des Herrn Provinzialsehulrats Kannegiesser die mündliche Abiturientenprüfung statt. Was den Gesundheitszustand unserer Schüler betrifft, so kamen namentlich in den Vorschulklassen mehrfach Erkrankungen an Mumps vor; ausserdem traten auch einige Fälle von Scharlach und Diphtheritis auf.*) Dieselben nahmen Gottlob im allgemeinen einen günstigen Verlauf. Leider haben wir jedoch den Verlust eines lieben braven Schülers zu beklagen. Am 27. Februar erlag Ludwig Ettinghausen, Schüler der Quinta, einem schweren Anfalle von Diphtheritis. Dem tiefen Schmerze der Schule über den Heimgang dieses vorzüglichen, durch seinen Fleiss, seine reiche Begabung und seine seltene Gewissenhaftigkeit zu den schönsten Erwartungen berechtigenden Schülers, dem nach Gottes Ratschlnss schon ein so frühes Ziel gesteckt war, gab der Unterzeichnete am Grabe warmen Ausdruck. Was den Gesundheitszustand im Lehrerkollegium betrifft, so mussten wegen Unwohlseins ganz oder teilweise vertreten werden die Herren Plaut an 23, Dr. Wasserzieher an 11, Dr. Schwartze an 9, der Unterzeichnete an 7, Rönnberg und Wahl an 6, Dr. Sulzbach an 6, Posen an 4, Dr. Portmann an 3, Altmann und Bendix an 2 Tagen, Apelt. Strenger und Kaufmann an je einem Tage, Frau Prestel und Frau Bindernagel an 7, Frl. Baum an 3, Frau Steinhilper und Frl. Crusius an 2 Tagen und Frl. Xeumüller an einem Tage. Ausserdem Herr Löwenthal an 3 Tagen wegen Trauer und Herr Bendix an 14 Tagen wegen Krankheitsfalls in seiner Familie. Ausserdem war Herr Baruch 3 Tage beurlaubt. *) Die Fälle verteilten sich in folgender Weise auf die Klassen: Scharlach: Vorschule 3. KL 0, 2. Kl. 3, 1. Kl. 0, Realschule VI 1, V 1, IV1, III 2, II 0, P 1, P1, Mädchenschule 0, zusammen d. Diphtheritis in V 4.