Bericht über das Schuljahr ... der Stiftischen Realschule mit Lyzeum der Israelitischen Religionsgesellschaft in Frankfurt am Main
- Journal
- Bericht über das Schuljahr ... der Stiftischen Realschule mit Lyzeum der Israelitischen Religionsgesellschaft in Frankfurt am Main
- Volume
- 1888
- Date
- 1888-01-01
- Page
- – (sequence 23)
- Language
- German
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— 23 — III. Chronik der Schule. Das Schuljahr begann am Montag, den 18. April 1887 und schließt am 22. März 1888. Die Sommerferien dauerten vom 3. Juli bis zum 2. August. Das Sommersemester schloß am 26. September und das Wintersemester begann am 13. Oktober. Wegen großer Hitze mußte der Unterricht an 8 Nachmittagen und außerdem an einem Tage bereits um 10 Uhr vormittags ausgesetzt werden. Wegen Betriebsstörung in der Heizung während der Winterferien wurden dieselben für die Mädchenklassen um drei Schultage verlängert, sodaß der Unterricht für sie statt am 5. erst am 9. Jalluar wieder begann. Am 14. Juni wurde das Maifest in herkömmlicher Weise durch Ausflüge in den Taunus, Rheingau, Odenwald und die Bergstraße, sowie von den Kleinen im Stadtwalde gefeiert. Der Geburtstag Sr. Majestät des Kaisers und Königs wurde am 22. März durch einen feierlichen Schulaktus, Deklamationen, Gesänge und Festrede des Direktors festlich begangen. Der zweite September wurde durch ein Wettturnen der Klassen von Quarta aufwärts im Walde bei der Mainkur gefeiert. Von inneren Veränderungen unserer Lehrverfassuug haben wir nur zu berichten, daß infolge der vom Provinzialschulkollegium in Gemäßheit des Normallehrplanes für unsere drei obersten Mädchenklassen angeordneten Reduktion des Französischen auf vier Stunden, die das neunte und zehnte Schuljahr umfassende erste Klasse in diesem Unterrichtsgegenstande auseinander gelegt wurde, um den Folgen der Herabminderung der Stundenzahl möglichst entgegenzuwirken. Die so gewonnene Zeit sowie die Übertragung des gesamten Turnunterrichts in der Mädchenschule an Frl. Crusius ermöglichte uns die Ausführung des längst gehegten Wunsches der Fortführung des Turnens auch in den obersten Klassen, eine Maßnahme, die für die Hygiene gerade der weiblichen Jugend von nicht zu unterschätzender Bedeutung ist. In diesem Jahre war es uns auch zum ersten Male vergönnt, an unserer Schule eine Maturitätsprüfung abzuhalten, eine Folge der Veränderung, von der wir im vorjährigen Programme zu berichten hatten. Denn da ein zweijähriger Aufenthalt in Prima die gesetzliche Vorbedingung der Zulassung zur Abgangsprüfung bildet, so konnte, so lange unsere Sekunda in eine Unter- und Obersekunda geteilt, also zweijährig war, von den Eltern nicht erwartet werden, daß sie ihre Söhne nach absolvierter zweijähriger Sekunda und einjähriger Prima noch ein Jahr, also 8 Jahre, eine nur für 7 Realklassen bestimmte Realschule besuchen ließen. Dies Verhältnis ist seit einem Jahre dadurch, daß unsere Sekunda jetzt einjährig geworden, in erfreulicher Weise verändert, und am 29. Februar fand unter dem Vorsitze des Herrn Provinzialschulrates Kannegießer die mündliche Prüfung statt. In unserem Lehrerkollegium traten einige Veränderungen ein. Leider war Herr Thiel, der seit dem Jahre 1870 an unserer Schule thätig war, bereits im Laufe des vorigen Wintersemesters durch ein seine Sehkraft schwächendes Rückenmarksleiden an der Erteilung des Unterrichts verhindert. Sein Leiden nahm in überaus trauriger Weise derart zu, daß zum Beginn des Schuljahres seine Pensionierung erfolgen mußte. Herr Thiel hat seit einer Reihe von Jahren insbesondere den Turnunterricht in sämtlichen Knaben- und in den unteren und mittleren Mädchenklassen mit großer Hingebung und gutem Erfolge erteilt, und die Schule bewahrt der treuen und