Der junge Jude
- Journal
- Der junge Jude
- Volume
- 2 (1929-1930)
- Issue
- Heft 3 (August 1929)
- Date
- 1929-08-01
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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DER JUNGE JUDE August-September 1929 2. Jahrg. Nr. 3 Aw 5689 DIE VEREINIGUNG DER PARTEIEN. Von Fritz Naphtali, Die Redaktion des „Jungen Juden" bittet mich um eine Äußerung zu der in Palästina vollzogenen Vereinigung der beiden sozialistischen Parteien. Wenn es sich nur um den Vorgang in Palästina handeln würde, so hätte ich nichts anderes zu sagen, als dem Gefühl der Freude Ausdruck zu geben. In der Geschichte des modernen Sozialismus haben in vielen Ländern die Vereinigungen sozialistischer Gruppen verschiedener Richtungen Marksteine des Aufstiegs der Partei der Arbeiterklasse bedeutet. Wenn es in der frühsten Periode jeder einzelnen sozialistischen Gruppe oft als das Wichtigste erscheint, die Reinheit der Lehre zu bewahren, so kennzeichnet der Zusammenschluß verschiedener Gruppen meist den Übergang von der Sekte zur Partei. Die geeinigte Partei wird toleranter gegenüber Richtungsverschiedenheiten, der Streit um den echten Ring tritt zurück gegenüber dem praktischen Kampf der Arbeiterklasse um Machtpositionen, gegenüber dem praktischen Kampf um sozialistische Verwirklichung. Wenn irgendwo in der Welt die Zusammenfassung der Kräfte der sozialistischen Arbeiterschaft notwendig ist und unmittelbar fruchtbar werden kann, so in Palästina, dem Lande, in dem die jüdische Arbeiterschaft das Glück hat, unmittelbar am Aufbau einer neuen Gesellschatt mitwirken zu können. Ich beglückwünsche also freudig die palästinensischen Genossen, daß sie sich unter Begrabung eines alten Richtungsstreites zusammen gefunden haben zur Arbeit mit vereinten Kräften, und ich hoffe, daß die geeinte Partei auf ihrer Vorpostenstellung ein immer erfolgreicheres Glied der sozialistischen Arbeiterinternationale werden möge. Über diesen Ausdruck der Freude hinaus ist es aber notwendig, ein Wort über die Rückwirkungen auf die Parteien im Galuth, im besonderen in Deutschland zu sagen. Es war einigermaßen grotesk, daß, nachdem bereits in Palästina die Vereinigung vollzogen war, in Deutschland bei den Wahlen zum Zionistenkongress die beiden sozialistischen Parteien noch getrennt aufmarschierten. Offenbar erschien es den in Deutschland lebenden Genossen als nicht erträglich, wenn sich um die rund neuntausend bei der Kongreßwahl abgegebenen Stimmen nur fünf anstatt sechs zionistische Parteien beworben hätten. Jedoch je kleiner die Gruppe, desto schwerer fällt es oft auch aus persönlichen Gründen der Führung, sich von der Sekte zu trennen und den 65