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Jüdische Korrespondenz · 1918-02-28 · 7 (28.2.1918) · page 7

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Journal
Jüdische Korrespondenz
Volume
4 (1918)
Issue
7 (28.2.1918)
Date
1918-02-28
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
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Nr. 7 Jüdische Korrespondenz. Seite 7 zeitung" berichtet: In seinem soeben erschienenen Referat zum Haushalt für kirchliche Zwecke bezeichnet Abgeordneter Dr. 8. Pichler die Herausgabe der Kirchenverwaltungsordnung als vordringliches Bedürfnis. Der Referent ersucht um Mitteilung über den Stand der Vorarbeiten zur Revision des Judenedikts. „Es wird betont, daß dieselbe dringend notwendig sei zur Beseitigung der finanziellen Schwierigkeiten in den Landgemeinden, wodurch die Lage für die Rabbiner und Lehrer fast unerträglich geworden fei." (Eine Trauung ans dem Friedhofe.) Aus Warschau wird geschrieben: Trauungen auf dem Friedhofe wurden in vergangenen Zeiten zur Abwendung von Seuchengefahren veranstaltet. Daß dies noch heute in manchen jüdischen Kreisen des Ostens fortlebt, bewies eine Trauung, die hier am 9. Februar auf dem jüdischen Friedhofe in der Gensiastraße stattfand. Etwa 1000 Personen waren bei dem Akt zugegen. Die Anregung zu dieser Trauung gaben die jüdischen Krämer in den Markthallen am Eisernen Tor. Sie wandten sich an die Rabbiner um die Genehmigung, die auch nach einer Reihe von Beratungen erteilt wurde. Die Krämer sammelten zur Bestreitung der Hochzeitsausgaben einige Tausend Mark und kauften die Ausstattung. Die Brauteltern sind Krämer. Bei dem Vater der Braut, dem Strumpfmarenhändler Moszek Wieliczko, fand das Verlobungsfest statt. Die Trauung selbst erfolgte am Sonntag um 12 Uhr mittags. Abends fand im Wiener Saale am Eisernen Tor das Hochzeitsfest statt; man unterhielt sich bis früh. Die Gäste sammelten einige Tausend Mark, welche Summe den Neuvermählten, die einen Kramladen in den Markthallen eröffnen wollen, als Hochzeitsgeschenk überreicht wurde. (Das Allgemeine jüdische Krankenha«s „Schaare Zedek" zuJerusalem) setzt auch nach der Besetzung Jerusalems sein Liebeswerk zum Wohle der jüdischen Bevölkerung fort. (Wegen Spenden siehe Inserat in der heutigen Nummer.) (Ukrainische Banknoten.) Anfang Jänner wurden in Kiew die ersten ukrainischen Banknoten ausgegeben; zunächst sind Hundertrubelnoten in Umlauf gesetzt, später sollen Einrubelscheine folgen. Der russische Rubel wird dem Nominalwert nach beibehalten, heißt aber „Karbowanez". Der Text der Noten ist auf der Vorderseite in ukrainischer Sprache, auf der Rückseite ist er russisch, polnisch und jiddisch wiederholt. Die ukrainischen Noten dürften wohl die ersten papiernen Geldzeichen sein, auf denen hebräische Lettern erscheinen. Auf der Rückseite steht der Vermerk, daß die Noten durch den Nationalreichtum der Volksrepublick gedeckt seien, insbesondere durch Bergwerke, Wälder und Forste, worunter das Zuckermonopol ausdrücklich erwähnt wird._ Gemütlicher Ioldatenabend. Aus Prcßburg wird uns geschrieben: In den reichgeschmückten Lokalitäten des jüdischen Soldatenheimes fand am Dienstag, den 12. d., ein gemütlicher Soldatenabend — gleichzeitig ein Abschiedsfest für den ins Feld abgehenden hiesigen Feldrabbiner — statt. Herr Zugssührer Lichlenfeld, der verdienstvolle Vorsitzende des Komitees, erdffnete den Abend mit einer kurzen Begrüßung. Hierauf folgte das meisterhaft zulammengezetzte Menu. Herr Feldrabbiner Dr. Pollak begrüßte die Ehrengäste, an deren Spitze den Sanitätschef des V. Korps, Generalstabsarzt Dr. Josef Pewny — ein Jude —, die Herrn Oberoffizial Kohn des Militärkommandos und Oberarzt Dr. Oesterreicher, Bankdirektor Ungar als Vertreter der orthodoxen israelitischen Kultusgemeinde u. v. a. Es fylgten ernste und heitere Vorträge der Herren Rabbiner Herzl, Schreiber, Wider, Lefkowitssch. Nach dem Kaiserhoch, von seiten des Herrn eldrabbiners vorgebracht, sang Herr Oberkantor chwarzkin mit vorzüglich geschultem Chor, in gewohnt meisterhafter Weise das Hanosien teschuoh. Herr Ungar sprach im Namen der Gemeinde. Herr Abrahanisohn-Kässa erregte Helle Begeisterung durch seine ausgezeichneten Gesangsproduktionen. Herr Generalstabsarzt Dr. Pewny begrüßte in kerniger Weise die Institution des Soldatenheimes und gab seiner Genugtuung über den zahlreichen Besuch und den glänzenden Verlauf des Abends beredten Ausdruck. Er schilderte seine Erlebnisse während seiner mehr als zweijährigen Felddienstleistung und seiner Tätigkeit >m Hinterlande, wie er Gelegenheit hatte, die Tapferkeit und Arbcitssreude jüdischer Soldaten zu bewundern und forderte auf, sich an jenen ein Beispiel zu nehmen, „zur andauernden, vollen und ehrlichen Erfüllung ihrer Dienstespflichten". Mit warmen Worten gedachte er der Tatkraft und nimmermüden Schaffensfreude des Feldrabbiners. Nach einer anregenden Unterhaltung mußte wegen der vorgerückten Stunde der Abend geschlossen werden. Die Gäste nahmen den unauslöschlichen Eindruck eines gemütlichen Soldatenabends mit sich.?. Zwei Aussprüche Koheleths. Bikschu chachomim lignaus sefer kauheles. Unsere Alten wollten das Buch Koheleths wegen der philosophischen Zweifel, welche es enthält, nicht unter die heiligen Bücher aufnehmen. In der Gegenwart sind es zwei der Aussprüche Koheleths, deren Richtigkeit wir bestreiten. Unser Autor erklärt eingangs: „Es gibt nichts Neues unter der Sonne." Dieser Behauptung sei nachstehendes entgegengehalten: Englischer Neid, gallische Eitelkeit, zarischer Hochmut haben in unseren Tagen einen Brand verschuldet, der den ganzen Erdball ergriffen, die Welt zu einem Tränental in des Wortes eigenster Bedeutung gemacht hat. Hunderttausende Menschenleben, unersetzliche Werte sind bereits dem Weltkriege zum Opfer gefallen und noch immer weisen — mit Ausnahme Rußlands — die von gewissenlosen Staatsmännern betörten Völker der Entente die ihnen von den Mittelmächten zum Frieden dargcreichte Hand zurück: Millionenheere, Tausende von Geschützen und sonstiges Kriegsgerät ohne Zahl sollen noch weiter Tod und Verderben in die Reihen des Gegners tragen, das unsägliche Elend auf Erden noch vermehren. Wahrlich, wenn Koheleth heute auf Erden wandelte, er würde selbst seine Behauptung : „Es gibt nichts Neues unter der Sonne", was dem „Alles schon dagewesen" gleichkommt, zurücknehmen; denn einen solchen Krieg hat es vor dem nicht gegeben, so etwas Schreckliches ist noch nicht dagcwesen. Wenn der Redner sich ferner äußert: „Sage nicht, daß die früheren Zeiten besser waren", so fordert auch dieser Satz, nachdem wir das Einst mit dem Jetzt in bezug auf die religiöse Erziehung der israelitischen Jugend verglichen, unfern Widerspruch heraus, lieber das Einst lesen wir in „Geschichte der Erziehung und des Unterrichtes", von Dr. Friedrich Dittes, weiland Direktor des Pädagegiums in Wien: „Und so haben wir denn die Israeliten als das einzige, wahrhaft pädagogische Volk des semitischen Stammes zu betrachten. Sie allein stehen noch heute als lebendiger Zweig dieses alten Stammes inmitten der großen Völkerfamilie; Jahrtausende hindurch, unter ägyptischer, babylonischer, persischer, mazedonischer, syrischer und römischer Knechtschaft, unter den Verfolgungen durch Heiden, Christen und Mohammedaner, unter dem Drucke harter Gesetze haben sie ihr Eigenleben bis auf diesen Tag behauptet; ihre Freiheit, ihre Rechte, ihre Arbeit, ihre Existenz standen fast immer und überall in Frage; ihr Vaterland, fast auch ihre Sprache haben sie verloren; aber ihr Blut, ihren Charakter, ihr Selbstgefühl, ihren Nationalstolz, ihren Glauben haben sie bewahrt. Wenn irgend «in Volk auf der weiten Erdenrunde, so haben die Israeliten bewiesen, welche Macht in einer konsequenten Erziehung liegt. Die Richtschnur der Erziehung war im mosaischen Gesetze, besonders in den zehn Geboten gegeben. So war die israelitische Erziehung eine entschieden religiöse. Daß das Kind ein rechter Israelit, ein gehorsamer und treuer Knecht Gottes werde, war tauptziel der Erziehung. Mit dieser religiösen rtiehung war zugleich die sittliche gegeben; denn das Gesetz Gottes zeichnete das Tun und Lassen des Menschen vor." Wie traurig ist es dagegen in der Jetztzeit mit der religiösen Erziehung der israelitischen Jugend bestelltI Das lebhafte Interesse, welches Israel früher für die religiöse Erziehung seiner Jugend an den Tag legte, Hai einem totalen Jndifferentismuß Platz gemacht, welcher unserem Volke bereits unermeßlichen Schaden zugefügt hat und es einer Katastrophe zutreibt. Diese Gleichgültigkeit ist allerdings bequem. Ob sie aber auch mit den Pflichten gegen unsere Jugend vereinbar ist? Maure. Neue Löcher. Die „Reue Illustrierte Zeitung" (Wien- Czernowitz) widmet der Flüchtlingsfürsorge eine Sondernummer; dieselbe ist mit Geleitworten des Ministers Dr. v. Twardowski und des Monsignore Dr. Faidutti versehen. Außer zahlreichen sachlichen Beiträgen über die reichverzweiqte Organisation der staatlichen und privaten Flüchtlingsfürsorge haben auch Schriftsteller wie Peter Rosegger, Fritz Lemmermayer, Kar! Fischer u. a., Erzählungen beigesteuert. Reicher Bilderschmuck, so Porträts Ihrer Majestät der Kaiserin, der durchlauchtigste» Frau Erzherzogin Maria Josepha und zahlreicher offizieller Persönlichkeiten, welche sich in den Dienst der Flüchtlingsfürsorge gestellt haben, ferner Abbildungen von Interieurs aus vielen ins Leben gerufenen Flüchtlingslagern, aus Bureau-, Wohn- und Schulräumen, Kuchen und Krankenstuben derselben ergänzen den Text. — Preis der Nummer ll 3-~. „Statistisches Jahrbuch Polens". Herausgegeben von Univ.-Prof Dr. v. Römer und Priv- Dozcnt Dr. I. Weinsfeld. Krakau 1017, Verlag G. Gebaetner & Co. — Das vorliegende Jahrbuch enthält in etwa SO Tabellen das gesamte statistische Material in politischer, wirtschaftlicher und sozialkultureller Hinsicht bezüglich aller polnischen Länder. Angesichts des großen Interesses, das die polnische Frage heute erregt, ist dieses Handbuch jedem, der sich mit politischen Tagesfragen befaßt, ein willkommener Behelf. „Das Problem der Europäisier«»« orientalischer Wirtschaft". Von R. Junge. Verlag von Gustav Kiepenhauer, Weimar 1915. — Der vorliegende erste Band der Veröffentlichungen des Archivs für Wirtschasiserforschung im nahen Orient befaßt sich mit Russisch-Turkestan und enthält in vorzüglicher Darstellung ein reiches Material u»d eine Reihe wichtiger Anregungen. Die Entwicklung des jüdischen Anch ßandels nnter den russischen Inden. _ Die volkstümliche Gestalt Mendel Mochcr Ssorims, Mendel des Buchhändlers, ist mit der Entwicklung des jüdischen Buchhandels in Litauen und Polen eng verknüpft. Noch vor einem halben Jahrhundert war für die Juden des Ostens der Erwerb von Büchern mit großen Schwierigkeiten verbunden. In den wenigen jüdischen Buchhandlungen gab es fast ausschließlich Werke religiösen Inhalts oder Gebetbücher. Die jüdischen Buchhändler hatten nur einen beschränkten Abnehmerkreis und wurden meist von jüdischen Gelehrlen geführt, die von den Grundprinzipien des europäischen Buchhandels keine Ahnung hatten und sich nur kümmerlich von ihrem Erlös ernähren konnten. Buchhandlungen in Wilna, Warschau, Lodz und anderen größeren Städten vertrieben ihre Ware aus dem Lande durch Hausierer. Diese wurden die heften Verbreiter der erwachenden jüdischen Literatur. Als die ersten Volksschrifien in jiddischer Sprache erschienen, trugen die „Päckeljuden", wie die „fliegenden" Kolporteure genannt werden, mit ihren Anderen Waren die Aünnen Heftchen in jeden Ort, in dem Juden wohnen und verschafflen so den jungen Verlagsunternehmern in Warschau und Wilna, die sich mit der Herausgabe jiddischer Originalarbeiten und den Uebersetzungen aus der Weltliteratur befaßten, den Absatz für ihre Werke. Als Vermittler geistiger Anregung haben die jüdischen „Päckeliräger" durch fast ein halbes Jahrhundert ihre hohe Kuliurmission erfüllt.

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