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Jüdische Korrespondenz · 1918-01-24 · 3 (24.1.1918) · page 5

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Journal
Jüdische Korrespondenz
Volume
4 (1918)
Issue
3 (24.1.1918)
Date
1918-01-24
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Jeschurun Nr. 3. — 1918.! Organ des Vereines „Jeschurun“ j: ORGANISATION für die Ihoratreue Jugend Wiens Alle Zuschriften und Anfragen sind zu richten an: ji ,.Jeschurun“-PreßkoiTiitee, Wien l.,Sa!ztorgasse2. I« - - Bernhard Schiff. 8eeksr Za.d.itc liwrocho! Wenn auch dieses Blatt schon das Hinscheiden Bernhard Schiffs meldete, halten wir es dennoch sür unsere Pflicht, heute von seinem Leben zu sprechen. Mehr als der alles gleich machende Tod erscheint sein Lebenswerk, das die Verwirklichung unserer Ideale bedeutete, heute einer ehrenden Betrachtung würdig zu sein. Seit seiner frühesten Jugend bis zu seinem schönen Lebensabend hat er das Ideal der Glanbenstreue unveränderlich hochgehalten. Für ihn hat es keine Richtungen und Strömungen im Judentum gegeben; keine Lebenswelle konnte den unverrückbaren Felsen seiner Uebcrzeugung wankend machen. Er war eine hervorragende und tragende Säule der Gemeinde unseres Geistes gewesen. Unsere sehnlichsten Wunsche in der Neumondsverkündigung haben sich in diesem harmonischen Menschenleben nach jeder Richtung hin erfüllt. Ein langes und friedliches Leben, voll Frieden und Harmonie, in Segen und bürgerlichen Ehren, voll Gottesfurcht und Sündenscheu, ohne Fehl und Makel, bildeten die Erdenjahre Bernhard Schiffs. Der nach dem Ideal eines Volljudentnms strebenden Jugend wird sein Leben ein stets leuchtendes Vorbild, ein wahres Jeschurunleben bedeuten. _ Oie wiener Juden. Von Sigmund Mayer. (Erschienen bei R. Löwit, 1917.) „Große Genies erreichen das Ziel mit einem Schritt, wohin sich gemeine Geister durch eine lange Reihe von Schlüssen müssen leiten lassen“, schrieb Moses Mendelssohn an die Freunde Lessings. Und in der Tat! Macht doch die Fähigkeit, lange Entwicklungsreihen in einem zusammenfassenden Blick aufnehmen, Rcsul- Jeuilketon. Aus den Briefen über das Judentum. Von Samson Raphael Hirsch. Jünfzehnter Aries. <^a,-dung> Und diese Lehre absondernd? Allerdings! sonst wäre längst schon Jisroel Jisroel nicht mehr. Sehen Sie nur, welche Kämpfe die Reinhaltung des Jisroeltums in Jisroel zu bestehen hat trotz dieser Absonderung! Aber aus Feindschaft? aus Stolz? Als ob Gott nicht aller Wesen, aller Menschen Gott? unseliges Mißverständnis! Hat ja gerade Jisroel keine andere Bestimmung als den alle Menschen zu seinem Dienste berufenden und erziehenden Alleinen als seinen Gott anzuerkennen, ihn als solchen durch Geschick und Leben zu verkünden! Heißt ja Szegulloh nicht, daß Gott keinem anderen Volke, sondern, daß dies Volk keinem anderen Gotte angehören, kein anderes Wesen als seinen Gott anerkennen solle! Findet Jisroel nicht sein täte bereits in ihren Keimen erkennen und tverten zu können, das Wesentliche des genialen Geistes ans! Und wo der Betrachter überdies nicht in planetenferner Weite, aus der Vogelperspektive historischer Höhe, sondern mitten im Fluß der erzählten Ereignisse stehend, artverwandt, ja zum Teile identisch mit den agierenden Personen, den wechselvollen Lauf der Entwicklung betrachtend, zu Worte greift und zu sprechen ansüngt, wird jeder begierig lauschend aushorcheu. Selbst ein „königlicher Kanfmann“, schildert Mayer den jüdischen Handelsmann des Ghettos in seinen mannigfachen Schicksalen, begleitet ihn auf seinen allivöchentlichen Fahrten aus der Jndengassc Preßburqs in das ihm für längere Dauer verschlossene Wien, macht die folgenschwere Wandlung seiner Lage mit, die mit dem Fallen der Ghettomanern angesetzt hat, und deckt die bekannten und unbekannten Wege auf, auf denen der kleinstädtische Krämerjude, alle Stufen der wirtschaftlichen Entwicklung der Reichshaupt- und Residenzstadt teils schaffend, teils mitmachend, durchläuft, und sich dem komplizierten Gefüge der modernen Großwirtschaft assimilierend, auch in derselben die führende Rolle übernimmt. Was jedoch, neben der wissenschaftlichen und literarischen Bedeutung des Werkes, uns und alle Zeitgenossen ganz besonders anregt, ist die politische Stellungnahme des hochbetagten Autors zu den jüdischen Fragen des jungen und jüngsten Tages. Daß er, der dem Ghetto siegreich Entwachsene, für dasselbe keine allzu großen Sympathien übrig hat, wird keinen weiter wunderuehmen. Daß er jedoch, der doch überzeugt ist, daß „ohne die Juden und ihre Religion der geistige und sittliche Punkt, zu dem die heutige Welt gelangt ist, undenkbar wäre," die Bedeutung des Ghettos für die Erhaltung der Religion nicht zu würdigen weiß, ist allerdings von unserem Standpunkte aus zu beklagen. Ziel in Alloerbrüderung der Menschheit? Wird nicht fast auf jeder Seite selbst unserer heutigen Gebete um Förderung dieses Zieles gefleht? — An einem großen Bau arbeiten wir alle, alle Völker, die waren und sind in Ost und West, in Süd und Nord, — jedes mit seinem Dasein und Schwinden von der Bühne der Geschichte, mit dem, was er erringt und verliert, mit seinen Tugenden und Fehlern, seiner Weisheit und seinem Wahn, mit seinem Steigen und Fallen, und mit dem, was es als Summe seines Daseins der Nachwelt vermacht; — alles Beitrag zu einem Bau der Menschheit; alle hinauferzogen zu einem Gott! Dafür werden alle Guten unter allen Völkern gelebt haben, die das Beispiel gaben uneigennütziger Gerechtigkeit und wahrer Menschenwürde; dafür werden gewirkt haben die Erleuchteten aller Völker, die mit Wort und mit Tat ihre Brüder hinaufhoben zu dem Alleinen und zur Achtung des Rechtes und zur Erhebung des Menschen über das Tier; dazu wird auch der Griechen Kunst, wenn rein, die Gemüter veredelt; ihre Weisheit, wenn wahr, die Geister er- Beiblatt der „Jüdischen Korrespondenz“. ABONNEMENTS sind zu beziehen mittelst l’ostkaite durch das: PreÖkomitee des Vereines „Jeschurun“ Wien, I., Salztorgasse 2. Die entschiedene und ivohlargumcntierte Ablehnung der Schaffung einer eigenen jüdisch-nationalen „Kurie" beweist die große politische Voraussicht des erfahrenen Mannes, der die Gefahren des Antisemitismus richtig zu schätzen weiß. „Ohne Leidenschaft gibt es keine Genialität", sagt Mommsen. Es ist nun interessant zu sehen, tvie der blinde, leidende Mensch Worte voll innerer Kraft zu finden weiß, wenn er von der Bedeutung, von der großen Vergangenheit seines Volkes zu sprechen ansängt. Wahrlich, ein Buch, das nicht allein gelesen, sondern auch nacherlebt zu werden verdient. F. wir im Lichte der Alten. (Was jene wollten und wir erstreben.» Ein Gelehrter beschäftigt sich nicht mit den Waffen, und wer das Waffenhandwerk treibt, ist kein Gelehrter. Abo da Sara. * Wer sich Wissen in der Jugend erwirbt, gleicht einer Frau, welche mit warmem Wasser knetet; iver es aber im Alter zu erlernen anfängt, gleicht einer Frau, welche mit kaltem Wasser knetet. Aboth d. Rabb. Natan. Wer seine ganze Gelehrsamkeit nur e in ein Lehrer verdankt, dem bringt sie keine segensreichen Früchte. Äboda Sara. So wie das Feuer an einem einzigen Stück Holz nicht fortbrennt, so hat das Studium dessen kein Gedeihen, der es für sich allein betreibt. T a a n i t h. Alles kommt auf den Sinn an, den tvir mit den Worten verbinden. Megilla. leuchtet; dazu der Römer Schwert alle Völker vereinigt; friedlicher der Europäer Handel dazu Nationen verbrüdert haben; — und dazu wird auch Jisroel sein Teil auf seine Weise lösen. — Riedergebeugt der Geist durch die Ergebung, die diese Lehre fordert? — Wen achten Sie höher, wer ist wahrhaft der Stärkere? — der niedergetretene Jude, der im Staube Geistes- und Gemütskraft behält, den Gegner zu bemitleiden, den Hohn als von Gott geschickte Prüfung hinzunehmen und als Teil seines Volksgeschicks; — oder der Bube, der in seinem Uebermut die Schwäche mißbraucht, sich gleichsam berufen fühlt, zur Hvhnung des Schwachen und seine Größe darin erkennt? Und sagen Sie doch nicht, daß eine solche Gottes-, Welt- und Allmenschheitslehre Wissenschaft hemme! Kunst, bildende Kunst? Freilich, seitdem Menschen des Meinen vergaßen und seine dienenden Geschöpfe vergötterten, vergötterten selbst ihre tierischen Triebe, deren Allmacht sie fühlten und sie im Steinsymbol verehrten, und nun jede Götterstatue trauriges

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