Jüdische Korrespondenz
- Journal
- Jüdische Korrespondenz
- Volume
- 3 (1917)
- Issue
- 12 (18.4.1917)
- Date
- 1917-04-18
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. VI Jüdische Korrespondenz Seite 3 arme maische Schulkinder, für die bis fran 22.300 MittagsportioHen verteilt waPden. Während der Pessaet» - Feiertage ist diese Kriegsküche offen geblie&e» tmd stand unter der religiösen Aufsicht des Krakawer Rabbi nafs. Dem gastfonischen und administrativen Leiter der Küche Herrn Ingenieur Metzger wurde auf der letzten Sitzung die wärmste Anerkennung fttr seine ersprießliche Tätigkeit ausgedrückt A. H. Zupnik. s. A. rm After von 74 Jahfen ist am zweiten Hessach-Tage d. J. der in Wien seit Kriegsausbruchweilende k. k. Hoflieferam, Buchdruckererbesirzer und Herausgeber der „Drohobyczer Zeitung", Herr1 A. H. Z u p n i k, aus Drohobycz in Üalizien, nach längerer schwerer Krankheit verschieden. Der Lebenslauf des Verblichenen bietet ein treues Bild der Entwicklung des jüdischen Lebens in Qalizien. Geboren in Sambor, Galizien,. verbrachte er seine Jugend, wie damals üblich, im Beis-Hamidrasch und galt in seiner Vaterstadt als ein „lluj", als talmudisches Genie. Noch keine 20 Jahre alt, heiratete Zupnik nach Drohobycz, wo er auch sein Domizil aufschlug. Hier nahm sein Lebensweg eine andere Richtung an. Drohobycz galt damals als eine der wenigen jüdischen Gemeinden Galiziens, in welchen die „Haskala", die Aufklärung, einen fruchtbaren Boden gefunden hat. Hier machte Zupnik die Bekanntschaft einiger Maskilim, unter anderen des bekannten Bibel- und Midrasch-Exegeten Selig Lauterbach, des philosophischen Dichters Samuel A. Apfel, des Kritikers Berisch Goldenberg usw. und in dieser Gesellschaft ward auch er zum Maskil. Die hebräische Sprache mit au!3erordentlicher Geschicklichkeit beherrschend, ist Zupnik gar bald Korrespondent des damals in Brody erscheinenden hebräischen Wochenblattes „Iwri unochi", sowie anderer hebräischer Journale geworden; er veröffentlichte auch Artikel in den literarischen Monatsschriften „Habauker Or", „Haschadar" usw., übersetzte Erzählungen und jüdisch-historische Schriften ins hebräische, gründete in den 60-er Jahren in Drohobycz eine Filiale der Pariser Allianz und war ein eifriger Förderer der Haskala im Lande. Ende der 70-er Jahre errichtete Zupnik die erste Buchdruckerei in Drohobycz, gründete einige, Jahre ^äter.ein Wochenblatt in, deutscher Sprache und jüdischen Lettern unter dem Titel „Drohobyezer Zeitun g", mit welchem er die Tendenz verfolgte, unter den breiten Volksmassen Kultur und Aufklärung zu verbreiten. Seine Jugendliebe zur hebräischen Sprache rostete jedoch nicht, denn die „Drohobyezer Zeitung" brachte von Zeit zu Zeit Artikel in Hebräisch. Einige Jahre später gründete Zupnik auch eine spezielle hebräische Monatsschrift „Zion" (zur Förderung der hebräischen Sprache und Literatur), welche sich aber nur kurze Zeit halten konnte. Insgesamt sind sechs Hefte erschienen. Der Titel „Zion" hatte aber mit der Tendenz des Blattes nichts gemein. Dasselbe stand strenge auf dem Haskala-Standpunkte und war übrigens vornehmlich der Literatur (nach den damaligen Begriffen) gewidmet. Der erste mißlungene Versuch aber schreckte diesen Enthusiast für Hebräisch nicht ab. Einige Jahre später versuchte er zunächst, der „Drohobyezer Zeitung" eine hebräische Beilage beizugeben und als die Idee beim Lesepublikum lebhaften Anklang fand, erneuerte er in den Jahren 1896/97 den „Zion". Nunmehr hatte das Blatt bereits einen mehr modernen, nationalen Anstrich und entsprach auch mehr dem Geiste der Zeit. Wieder aber konnten aus äußeren Gründen bloß 6 Hefte erscheinen. Die „Drohobyezer Zeitung" hingegen erschien ohne jeder Unterbrechung bis zum Ausbruche des Krieges, wo Zupnik infolge der russischen Invasion nach Wien geflüchtet war, wo er bis zu seinem Ableben verblieb. Auch dieses Blatt hatte mit der Zeit eine Wandlung durchgemacht. Zunächst ein Haskalablatt, das Aufklärung und Kultur propagierte, nahm es später nach einer kurzen Kampfperiode gegen den Zionismus im Lande,' dessen allgemein-politische Betätigung Zupnik nieh tbilligte, eine teilweise jüdisch-nationale Richtung ein, ohne sich jedoch mit der. zionistischen Landespolitik solidarisch zu erklären. Zupnik selbst hatte inzwischen den Weg in zionistische Lager gefunden. In den Jahren 1897/98 war er Obmann des Vereines „Zion" in Drohobycz, Mitglied des Vereines „Ahawas-Zion" in Tarnow. Er nahm auch an den zweiten Kongreß in Basel teil. Seine Liebe zur hebräischen Sprache blieb Sim bis zu seinem Lebensende. Trotz aller Wandlangen, die die moderne hebräische Literatur in stilistischer Hinsicht durchgemacht hatte, blieb er dem alten biblischen Stil treu und es bereitete ihm ein seelisches Vergnügen, wenn «f die Gelegenheit hatte, hebräisch zu schreiben. Seine Buchdruckerei entwickelte sich im Laufe der Zeit zu einer sehr leistungsfähigen Offizin und auch die hebräische Abteilung derselben wurde eifrig gefördert. Zupnik erhielt den Hoflieferanten-Titel , und einer Kaiserbiographie desselben wu«3deder k. k. Famifc'en» fideikomisbibliothek einverleibt. Der Verblichene war auch sehr wohltätig, langjähriger Präsident der jüdischen Volksküche in Drohobycz und Mitglied zahlreicher lokaler und auswärtiger jüdischer Vereine. Ehre seinem Andenken. Chronik. Oroßherzog Ernst Ludwig von Hessen. Vor einigen Wochen rwurde in Deutschland das 25jährige Regierungsjubiläu» des Oroßherzogs Ernst Ludwig von Hessen, eines modern denkenden und ireih-eitlich gesinnten deutschen Fürsteü, der sich auch als Förderer der Künste große Verdienste erworben hat, gefeiert. Einen Aufsatz der „Frankfurter Zeitung" entnehmen wir die folgende SteUe: „Es ist bekannt, mit welcher Vorurteilslosigkeit der Großfürst insbesondere den Sozaldemokraten gegeniibergetreten ist. Wiederholt hat der Oroßherzog sich an parlamentarischen Abenden mit den Führern iiet hessischen Sozialdemokratie unterhalten, und es ist eine Tatsache, daß die Bestätigung eines sozialdemokraüschen Beigeordneten für di$ Stadt Offenbach auf seine personliehe Initiative zurückzuführen war. Als der ..lote Oroßherzog" ist er damals in der Scharfmacherpresse angegriffen worden, die um so mehr gereizt wurde, als er daraufhin bei der Adreßdebatte von der sozialdemokratischen Vertretung im Parlament ein st>ezietles Vertrauensvotum erWelt. Uebrtgens hat der hessische Fürst auch mit der früheren prinzipiellen Aussehließungspraxis gegenüber den Juden gebrochen und wiederholt jüdische Anwärter für das Richteramt wie zum Lehramt auf den Hochschulen bestätigt." Bericht des Joint Distribution Committee. Die folgenden Betrage wurden im Laufe des Monats Dezember 1916 vom Joint Distribution Committee in die verschiedenen Länder gesandt: Für die romanischen Juden Dollar 10.000: für die Juden in Tunis und Algier Dollar 4.000; für die Volksküche von Natiian Straus. Jerusalem, Bwllar 6.00»; für türkische Jadeit (Flüchtlinge) in Spanien Dollar 4.000: zur Hilfe nach Bulgarien Dollar O.00O; monatlicher Beitrag für die Juden in der Türkei (außerhalb Palästinas) Dollar 3.0*1; monatlicher Beitrag für die Volksküchen von Fräulein Rreyfnss in Jerusalem Dollar 1.0«); monatlicher Beitrog für Wohnung. Kleidung und Nahrung notleidender Juden in Palästina Dollar 30.000; zur Hilfe in Polen und Litauen Dollar 250.000; Mazzoth für Alexandrien durch U. S. A. S, „Caesar" Dollar 1.332: Zucker und Reis für Syrien dürc* 11; 8. A. S. „Caesar" Dollar 1.2in. Jüdische Aerzte in Bagdad, in einem im „Neuen Pester Journal" erschienenen Feuilleton „Bagdad" erinnert' der Verfasser Bernhard Stern, ein hervorragender Kenner des Orients, daran, daß die Bagtlader stets Verehrer der Aerzte gewesen seien. Allerdings waren das in alten Zeiten die gelehrtesten und geschicktesten Heilkünstler der damaligen Welt. Besonders taten sich am H>ofe der arabischen Kalifen die indischen Aerzte hervor. So lebte am Hofe des Kalifen Manllur und dessen Thronfolgers Isa ben Masu der jüdische Arzt Frat ben Schachnasa, den die Herrscher auch in allen politischen Angelegenheiten zu Rate zogen. Ein ariderer berühmter jüdischer Arzt in Mesopotamien war der Syrier Maserdscheweih; auf der Wiener HofbiMiothek befindet sich ein Manuskript des arabischen Arztes und Historikers Ihn Os&aibija, in dem kostliche Anekdoten von Maserdscheweih erzählt werden. Der jüdische Arzt Afrania in Bagdad war auch als Schriftsteller bedeutend; er besaß eine Bibliothek von dreißigtausend Handschriften. Vor tausend Jahren gab es in Bagdad ferner einen jüdischen Arzt tsak Israili ben Suleiman Ebu Jakob, der ebenfalls als Schriftsteller Ruhm genoß. Er wurde steinalt. Als man den Hundertzehnjährigen einmal fragte, weshalb er Junggeselle geblieben, antwortete er: „Ich habe vier Bücher geschrieben, die mein Andenken besser erhalten werden als Kinder." Und wahrlich: von der Stadt selbst, in der er Innger als ein Jahrhundert gewirkt hat, ist nichts übrig geblieben seine Werke aber existieren noch nach einem Jahrtausend in sorgfältig gehüteten kostbaren Pergamenten. Spenden - Ausweis für die Schulen der „Agudas- Jisrael", Wien, Ii.. Große Pfarrgasse 23, iür Schewai 5677. Groftrabhiner Frredmann, Czortkovv K 75.--, Isäk Spitz, K 52. — , Schalit, Zloczow, K 6.-—, Hauser, Wiznitz, K K—, Appisdorf, Orodek, K 6.— , Schmierer, Brody, K 6.— , Seidmann, Kolomea, K 6.—, Bursztyn, Die XXXVI. ordentl. Generalversammlung der Aktionäre der kais. kön. privilegierten Oesterreiehischen Länderbank findet Mittwoch, den 2. Mai d. J. 6 Uhr abends, im Anstaltsgebäude (I. Hohenstaufengasse 3) statt. GEGENSTÄNDE DER VERHANDLUNG SIND: 1. Bericht des Gouverneurs über das 4. Statutenänderung (§ 6). abgelaufene Geschäftsjahr. 5. Wahlen in den Verwaltungsrat 2. Bericht der Zensoren über die Ge- (§§ 22. 23 und 25). schäftsgebarung im Jahre 1916. 3. Beschlußfassung über die Verwendung des Reingewinnes des Jahres 1916. 6. Wahl der Zensoren und deren Ersatzmänner für das Jahr 1917 (§ 39) sowie Wertbestimmung der Anwesenheitsmarken für dieselben ($ 42). Die stimmberechtigten Aktionäre (§§ 41 und 44), welche an der Generalversammlung teilzunehmen wünschen, werden hiemit eingeladen, ihre Aktien spätestens am 18. April d. J. zu deponieren, und zwar: in Wien bei der kais. kön.privilegierten Oesterreiehischen Länderbank; in Baden, Graz, Innsbruck, Linz, Pilsen, Prag, Reichenberg, Salzburg, Teplitz bei den Filialen, respektive Exposituren der kais. kön. privilegierten Oesterreiehischen Länderbank; in Berlin bei der Deutschen Bank sowie deren Filialen, bei der Dresdner Bank und bei der Nationalbank für Deutschland; in Frankfurt a. M. bei der Deutschen Bank Filiale Frankfurt, bei der Deutschen Effekten- und Wechselbank, bei der Deutschen Vereinsbank, ' bei der Dresdner Bai* in Frankfurt a. M.; in Stuttgart bei der Württembergischen Vereinshank. Die Aktien sind, arithmetisch geordnet, in Wien mittels einer einfachen, bei den anderen Erlagstellen mittels doppelter Konsignation einzureichen und wird dem Einreicher hierüber eine Empfangsbestätigung ausgefolgt, gegen welche nach abgehaltener Generalversammlung die Aktien zurückgestellt werden. Wünscht ein Aktionär sein Stimmrecht durch einen anderen stimmberechtigten Aktionär auszuüben, so hat er die betreffende, auf den Namen des gewählten Vertreters lautende Vollmacht auf der Rückseite der Legitimationskarte auszustellen und eigenhändig zu unterschreiben (§ 46). Ausnahmsweise können jedoch Minderjährige durch ihren Vormund, Kuranden durch ihren Kurator. Frauen durch einen Bevollmächtigten, Handelsgesellschaften durch einen ihrer Firmaführer, Gesellschaften überhaupt durch ein hiezu bevollmächtigtes Mitglied, Körperschaften, Institute und dergleichen durch einen ihrer Vorstände vertreten werden, wenn auch diese Vertreter nicht selbst Aktionäre sind. WIEN, am 3. April 1917. Kais. kön. privilegierte Oesterreichische Länderbank. § 43. Die Gesamtheit der Aktionäre wird durch die statutenmäßig gebildete Generalversammlung vertreten. In derselben sind jene Aktionäre stimmberechtigt, welche mindestens 14 Tage vor dem Zusammentreten derselben 25 Aktien nebst Coupons bei der Gesellschaft oder bei einem anderen von dem Verwaltungsrate zu bestimmenden Institut hinterlegt haben, wogegen ihnen Legitimationskarten mit der Angabe der von ihnen vertretenen Aktien und der Zahl der ihnen gebührenden Stimmen erfolgt werden. Die Listen der stimmberechtigten Aktionäre mit der Angabe ihrer Aktien und Stimmenzahl werden denselben auf Verlangen verabfolgt und am Versammlungstische aufgelegt. % 44. Jeder AMonär ist zu so viel Stimmen berechtigt, wie viehnal er 25 Aktien vertritt. § 46. Das Stimmrecht in der Generalversammlung kann vom Aktionär sowohl persönlich als durch Bevollmächtigung eines anderen stimmberechtigten Aktionärs ausgeübt werden. (Nachdruck wird nicht honoriert.) HI lllifi