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Jüdische Korrespondenz · 1917-04-18 · 12 (18.4.1917) · page 2

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Journal
Jüdische Korrespondenz
Volume
3 (1917)
Issue
12 (18.4.1917)
Date
1917-04-18
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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bette 2 jüdische Korrespondenz Nr 12 ■ Versprechen zur Kenntnis, daß Sie in. diesen schweren Zeiten, weicht #u<ih tmsren geliebten Utigarn Solche riesige Lasten auferlege«, piit der größten OpferwiJligfceit, dem Vaterlaade dienen weiten.'* iSji< Das Elend der füdischrumänischen Flüchtlinge in Rußland. Lieber die Lage der jüdischen Flüchtlinge aus Rumänien in Rußland berichtet ein Mitglied der Ahtaro;. das im Auftrag« eines hoiiändisehen- Uiujfjsljöumigskoinitees verschiedene russische Und .„sibjrische Saniniellager„besuchte: Unge: fähr 150.000 Juden wurden mit äewalt aus den von den deutschen und österreichisch-ungarischen Heeren überfluteten rumänischen Gebieten vertrieben und unter den kläglichsten Umständen auf russisches Gebiet gebracht. Die britische Regierung erhielt flehentliche Aufforderungen seitens der israelitischen Kultusgemeinden. diese Austreibungen zu verhindern; nach Frankreich gingen Hunderte von Depeschen, in denen die Rabbiner um Schonung ihrer Glaubensgenossen baten. Allein die Bitten blieben vergebens. Aus London erhielten israelitische Gemeinden die Mitteilung, daß man für sie, sobald sie nach Rußland gekommen wären, Sorge tragen werde; aus Lyon kamen ähnliche Versicherungen. Aber ruhig ließ es die französisch-englische Militärmission geschehen, daß l ausende von Israeliten auf Eisenbahnzügen befördert wurden, die unter wütendem deutschen Feuer lagen. Viele Hunderte Juden kamen auf der Fahrt nach Galatz—Odessa um. Sie wurden in Viehwagen zusammengepfercht, ohne Nahrung gelassen. Die flüchtenden Einwohner bewarfen die Unglücklichen mit Steinen; denn es wurde von den russischen Soldaten und Agenten das Gerücht verbreitet, die jüdischen Späher seien an dem Unglück Rumäniens schuld. Es sind haarsträubende Dinge geschehen. Krankenhäuser blieben den gemarerten Kranken ausnahmslos verschlossen, da es hieß, sie hätten die Cholera aus Rumänien mitgebracht. Nach Odessa ließ man sie nicht herein. Vor der Stadt, in einem sumpfigen Gelände, lagerten 40.000 Juden unter großen Entbehrungen. Sie bekamen hartes Brot und verfaulten Kohl oder Mohrrüben. Nach zehntägigem Aufenthalt, wo wiederum viele der Geplagten infolge Hunger und Erschöpfung den Tod fanden, ging es weiter. Ein Teil wurde nach Azow gebracht, ein anderer nach Rostow. Mitte Dezember begannen dann die Abtransporte in die Regierungsbezirke Omsk und Tobolsk. Große Strecken mußten unter berittener Kosakeneskorte zurückgelegt werden. In London und Paris kennt man die Geschehnisse schon heute, Daß nicht eine Hand gerührt wurde, um diese Scheußlichkeiten zu verhindern, wird den Regierungen der verbündeten Westmächte zur unauslösliehen Schmach gereichen. Die Armen in Sibirien Hilfe zu bringen, diesem Zwecke diente meine Reise. Ich habe nichts erreicht. Die tnir erteilte Antwort lautete etwa: Das kümmert Sie nichts. Ob Sendungen die hungernden Juden erreichen, ob die Medikamente u. a eintreffen, entzieht sich unserer Kontrolle. Nur von London aus ließe sich etwas tun; doch drüben stopft man sich die Ohren zu, wenn dieses Thema angeschlagen wird. In Paris ist es ebenso. An der Abneigung der westlichen Alliierten, sich in eine sogenannte „reine russische Frage" einzumengen, scheitern unsere Anstrengungen. Die Paläsilnafrage. Der Versuch der Engländer, den Krieg nach Palästina hineinzutragen, hat unter anderem auch die Palästinafrage wieder aufs Tapet gebracht. England aspiriert schon lange auf den Besitz von*Palästina, wodurch es in der Lage sein würde, seinen Plan, ein großes afrikanisch-asiatisches Reich, das sich von Südafrika bis Indien hinziehen sollte — mit einem Worte: von Haudu bis Kusch — zu verwirklichen. Palästina un:l die angrenzenden Nachbarländer durchschneiden aber diese Linie u. müßten zuerst in den Besitz der Engländer gelangen. Mit dem englischen Vorstoß auf Gaza schienen sich die Engländer dem Ziel ihrer Aspirationen zu nähern und in London sah man bereits in der Phantasie >'as englische Banner auf dem „Migdad David" wehen..... Der Traum ist zwar bald verflogen, die englische Niederlage bei Gaza lieferte den Beweis, daß dafür gesorgt wurde, daß die englischen Bäume nicht in den Wald wachsen. Nichtsdestoweniger ist die PaDstinairage infolge dieser Ereignisse wieder aktuell geworden und sowohl die Ententepresse als diejenige im neutralen Auslände widmete derselben ausführliche Artikel. Zunächst wurde behauptet, daß das heilige Land „selbstverständlich" englisch werden wird- Um aber einerseits d|e ftrftrtj'&en, die seit (eher „Anspräche*' aurawes tani erheben; zu beruhigen, und um andererseits diesem Er« öberungszag gewohnheitegefljäß ein ideelles" Mäntelcheii umzuhängen, wurde tjie Mär ver4; breitet, die Erstände» wollen In Palfetina eine? Art jüdischer Autonomie einführen, um das3 Land seinen historischen Eigentümern zurückzugeben.....Die-Sache ging so weit, daß die Zionismen m Englartd bereits Versammlungen^ abgehalten haben, in welchen der bevorstehende englische Einzug in Jerusalem als Triumph 4er Juden und. clek Zionismus gefeiert , wurde. <, * ' 7", *Jf* m- -. . Plötzlich aber wurden jdjSÄS „Pläne durch^ das Eingreifen Nordamerikas in den Krieg' durchkreuzt. Es hieß mit einem Male, daß Palästina angeblich unter dem Protektorate Amerikas neutralisiert werden soll und dies sollte auch den realen Gewinn der Vereinigten Staaten für ihre Teilnahme an dem Kriege darstellen. Natürlich wurde wiederum damit geflunkert, daß die Juden tlazu berufen sein werden, unter Gewährung einer weitgehenden Autonomie sozusagen das Land in Besitz zu nehmen. Die Sache ist, wie bereits betont, trotz aller englischer Ruhmredereien nicht aktuell. Der Rückschlag, den die Engländer bei Gaza erlitten haben, hat sie belehrt, daß die palästinensischen Trauben doch zu hoch hängen und deswegen sauer seien. Die Engländer werden nicht als Triumphaleren in Jerusalem einziehen und auch die Policeman Wilsons werden dort mit ihren Clobs nicht die Hüter der Ordnung sein. Aber es ist trotzdem nötig, noch einmal darauf hinzuweisen, daß selbst im Falle eines englischen Sieges es bloß ein eitler Wahn wäre, anzunehmen, daß John-Bull dort den Juden irgend welche Konzessionen machen werde. Es ist ja kein Geheimnis, daß England den Plan verfolgt, mit der Hilfe der Araber seinen Imperialismus im nahen Orient zu verwirklichen. Die englischen Politiker haben sich auch seit jeher darauf verlegt, die Araber gegen die Juden zu hetzen, um ihnen den Glauben beizubringen, daß mit der Errichtung der englischen Herrschaft sie (die Araber) die maßgebenden Faktoren im Lande sein werden. In den jüdisch-palästinensischen Kreisen wußte man dies ganz genau und man fürchtete nichts so sehr, als die Verwirklichung dieser englischen Pläne, da dann die Juden fast ganz der arabischen Willkür ausgeliefert, sein würden. Wenn England heute mit der Versicherung herumflunkert, daß es bereit sei, den Juden im „eroberten" Palästina Konzessionen zu machen, so entsnricht dies vollständig der intrigantischen englischen Politik. Es dürfte sich aber kaum ein einsichtiger Jude finden, der derselben auf den Leim gehen werde. Einem Berichte der „Jewish Chronicle", der in den „Basler Nachrichten" reproduziert wurde, ist zu entnehmen, daß in London ein zionistisches Meeting stattgefunden hat, bei welchem mehrere Redner den bevorstehenden englischen Sieg bei Jerusalem begeistert gefeiert haben. Man kann es nun begreiflich finden, daß englische Juden sich dazu herbeiließen. Als fast unglaublich möchten wir aber die Meldung bezeichnen, daß auch das Mitglied des E. A. C, Nachum Sokolow, sich bei diesem Meeting in demselben Sinne geäußert haben soll. Sokolow kennt ganz genau das Schicksal des Jabotinskisehen Mauleselkorps, das sich für" die Engländer auf Gallipoli verblutet hatte. Er weiß es auch ganz genau, daß die zionistische Zentralleitung eine solche einseitige Haltung nicht billigen kann. Im Interesse der Sache wäre es wünschenswert, daß das E. A. C. zu dieser sicherlich falschen Meldung Stellung nihme, um den englischen Preßlügnern das Handwerk zu legen. Plauni-Almoni. Vor Schluß des Blattes erhalten wir die Nr. 15 des „Israelitischen Wochenblattes für die Schweiz", in welcher wir die Ungeheuerlichkeit bestätigt finden, daß Sokolow tatsächlich eine solche Rede vom Stapel gelassen hat und daß sich auch noch gewisse Kreise finden, die mit derselben Propaganda treiben. Das erwähnte auf zionistischer Grundlage stellende Blatt schreibt diesbezüglich: „Der neugegründete zionistische Verein „Theodor Herzl" in Zürich verbreitet „eine historische Rede" von Nachum Sokolow, Mitglied der E. A. C, die er am 4. März 1917 in einer zionistischen Versammlung in Nord-London gehalten hat. Die Rede ist eine Schmeichelei für England, von welchem er das Heil der Juden erwartet, namentlich für die Erwerbung Palästinas als Land der Zionisten. Ob es politisch klug ist, in der Schweiz diese Rede zu Propagandazwecken fe diesem Augenblicke zu .yerbreife», möchten wir gjtr se % ÄSoerlf .ür^ «cht zu nehm«i auf die j Falg$iij|s, dä^o&MBdieg seftw zu dölden tat/* :? Wir haben diesen tat {Ten Tridfts tfnzu zufügen'. n.*: , , We Pessach-Aktion der »Agudas-Jisröei«. Die groösügige Pessach>Aktiwi der v.Agu«' 4as.-üisr.oeJ" ,liät. nieder einmal den glänzende»). Beweis für die Existenzberechtigi^g und&die Ersprießlichkeit dieser wirklichen Vo^sblrglniüälTdn fifeTTelg^'UIW berechtigt zTrrJeT Hmflimig, daß sich die breiten jüdischen Volkskreise um die Fahne dieser Organisation scharen wertlen. Es dürfte wohl zu weit führen, alle Einzelheiten dieser Aktion eingehend zu schildern. In kurzen Zügen sei nur die Mannigfaltigkeit derselben verzeichnet: 1. Außer der Mazzoth- Aktion in Wien, welche es unzähligen Flüchtlingen ermöglichte, streng koschere Mazzoth nach galizischer Art zu erhalten, hat die „Agu;- da" fast sämtliche Militärseelsorger in Oesterreich sowie im Okkupationsgebiete auf die Pessach-Anforderungen mit Erfolg aufmerksam gemacht und ist ihnen mit Rat und Tat beigestanden. Z. Es wurden unzählige Feldpostsendungen mit Mazzoth an jüdische Soldaten an der Front, darunter zahlreichen deutschen Juden, die sich in der Monarchie befinden, versendet. Die vielen rührenden Dankesbriefe, die die „Aguda" täglich erhält, geben erst einen Begriff davon, was es bedeutet, einem Soldaten im Schützengraben oder auf einen entlegenen Posten im Walde, Mazzoth zugehen zu lassen. 3. Viele Militärseelsorger, Interniertenlager sowie andere jüdische Institutionen erhielten seitens der „Aguda" ansehnliche Subventionen. 4. Jüdische Flüchtlinge in entlegenen Ortschaften im Westen erhielten namhafte Unterstützungen. 5. Wiener hilfsbedürftige Flüchtlinge, namentlich Talmidei-Chachadim, wurden ausgiebig unterstützt. 6. Ein ungenannt sein wollender Wohltäter hat der „Aguda" ein reichliches Eier-Quantum für bedürftige galizische Rabbiner sowie anderer würdiger Bürger zur Verfügung gestellt. 7. Seiner Ehrwürden Herrn Rabbiner Fürst wurden eine ansehnliche Subvention für die'Armen im heiligen Lande übermittelt. 8. Vielen Front-Soldaten wurden auch rituelle Fleischkonserven -wÄ Hagadas■- zugeschickt. 9. Die „Aguda" bemühte sich, von der Kultusgemeinde ein ansehnliches Quantum Mazzoth zur Gratisverteilung an jüdische Soldaten zu erhalten. Es war geradezu rührend, zu sehen, mit welchen Dankesgefühteh diese Soldaten, die aus irgend einem Grunde es verspätet haben, von ihrem Kommando Mazzoth zu erhalten, in der „Aguda" die Mazzoth entgegennahmen. 9. Ueber Initiative Sr. Ehrwürden Herrn Oberrabbiner Dr. Rosenfeld aus Czernowitz wurde Herr Rabbiner Lazar Leiter aus Trembowla nach dem Barackenlager in Deutsch-Brod delegiert, um dort die Einrichtung für das Mazzoth-Backen, das Koschern der Geräte und des Geschirres usw. durchzuführen und zu beaufsichtigen. Die dort weilenden 7000 Juden waren voll Dank für die ihnen erwiesenen Gefälligkeiten. 11. Die „Aguda" delegierte einen ihrer „Melamdim" in das unter der ersDrießlichen Leitung der Frau Dr. Schwarz- Hiller stehende Mädchenheim, um den Zöglingen den Seder vorzutragen. Es war ein überaus rührender Anblick, als sich diese Kinder mit Tränen in den Augen an die Gebräuche ihrer Eltern im Pessach erinnert und die ffagada Wort für Wort mit Ernst und feierlicher Weihe nachgesagt haben. Schließlich möge noch erwähnt werden, Haß die „Aguda" gegenwärtig daran geht, ihre Chsdarim neue zu organisieren und neue Melamdim anzustellen. Es ist zu wünschen, daß besonders diese Schulaktion die entsprechende Förderung fände. Die jüdische bürgerliche Kriegsküche in Krakau. Dank der emsigen und energischen Kriegsfürsorgetätigkeit des auf sämtlichen jüdischen Wohlätigkeitsgebieten bekannten Präsidenten Dr. Raphael Landau, ist am 12. Dezember 1916 die erste in Europa jüdische bürgerliche Kriegsküche in Krakau entstanden. Für die vom Kriege hart betroffene jüdische Bevölkerung, bildet diese Küche eine große Linderung der Approvisionierungssorgen und eine erstrangige materielle Stütze. Ans dem uns eingesandten Berichte entnehmen wir folgende Ziffern: Vom 12. Dezember 1916 bis 12. März 1917 wurden 18.2t» Mittagsmahle, 10.768 Nachtmahle und 8000 Teeportionen verabreicht. Diese Küche nährt auch

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