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Die Stimme · 1938-01-28 · Heft 725 (28.1.1938) · page 1

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Journal
Die Stimme
Volume
11 (1937-1938)
Issue
Heft 725 (28.1.1938)
Date
1938-01-28
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Freitag-Ausgabe Dieses Blatt ist ab 4 Uhr nachmittags bei den Kolporteuren erhältlich 158 JÜDISCHE ZEITUNG Wien, Freitag, 28. Jänner 1938 e 2*. Sefcwat 5698 11. Jahrgang •i-*" 'Besser sehenbesser hören- TUNGSRAM Jßamfien TUNGSRAM Böhren Vertagt... _ Der Eat des Völkerbundes wird die jüdischen Petitionen über Rumänien nicht JttftWMi flieht öffentlich behandeln. Den ■ Harren iir Sauf easehumt die Prag« van etwa. 800.000 Menschen, die von Ausweisung, Expropriierung und vielleicht von noch ärgeren Dingen bedroht sind, nicht dringlich, um sich jetzt mit ihr zu beschäftigen. Er glaubt auch nicht an ein öffentliches Interesse für eine Frage, die alle Minderheiten in gleich schwerer Art betrifft; auch das Interesse, das das gesamte jüdische Volk an der weiteren Gestaltung des Schicksals nehmen muß, bleibt in Genf unwirksam. Der Rat weist also die Petitionen, die wuchtige Anklagen über falsche Ziffern enthalten, an das Dreierkomitee für die Minderheitenfrage. Dieser Ausschuß wird die Petitionen auf dem normalen diplomatischen Weg nach Bukarest zur Gegenäußerung leiten. Wenn eine solche überhaupt erfolgt, so wird sie vielleicht im Mai dem Rat vorgelegt, der dann, wie üblich, ein weiteres Komitee einsetzen wird. Da aber inzwischen die Wahlen in Rumänien vor sich gehen, die sich unter der antijüdischen Parole und im Zeichen der bereite begonnenen Revisionen vollziehen, so wird Rumänien entweder gar nicht oder mit der Drohung antworten, daß es aus dem Völkerbund austritt. Jedenfalls ist die Angelegenheit vertagt. Der Rat will jede Belastung der Situation vermeiden, d. h., er will um Gottes willen wegen der 800.000 Juden die Mächte der Achse nicht verstimmen, die sieh hinter dem Kabinett Goga und den rumänischen ölschätzen aufbauen. Zu ihnen gravitiert heute auch schon Polen, das in der Judenfrage dem Herrn Micescu gute Ratschläge gegeben hat. Vielleicht ist der Rat des Völkerbundes, den die demokratischen Westmächte führen, auch unter dem Druck der Warnung Micescus, es könnte bei einer Aufrollung der Judendebatte zu einem Kabinett Cuza-Codreanu kommen. Die Theorie von dem kleineren Übel wird ja auch von Juden, geschweige denn vom Völkerbund willig akzeptiert Das was unter dem derzeitigen System geschieht und für die nähere Zukunft angekündigt wird, scheint vor den anderen Aspekten der kommenden Ära verhältnismäßig harmlos und wird von den Kindern gern gehört. Der Völkerbund setzt das Werk der Nicht Madagaskar, sondern Palästina: Die mmänisdien Zionisten an England Bukarest, 26. Jänner. (JTA.) Die Zionistische Organisation Alt-Rumäniens hielt unter dem Vorsitz von Dr. S. Singer ihre Jahreskonferenz in Bukarest ab. Die Redner, unter ihnen Landesrabbiner und früherer Senator Dr. Niemlrower und Rabbiner Gutman, erklärten, daß das Ziel Jüdischer Auswanderer aus Rumänien nicht Mexiko, nicht Madagaskar oder andere überseeische Territorien seien, sondern einzig und allein Palästina könne auswandemden Juden eine Heimat werden. Es wurde beschlossen, eine Abordnung an die englische Regierung als die Regierung der Mandatarmacht Palästinas zu entsenden, die bei Außenminister Eden und bei Kolonienminister Ormsby Gore vorsprechen und das Ersuchen stellen solle, die Ansiedlung von 40.000 rumänischen Juden in Palästina im Laufe der nächsten zwei Jahre zu gestatten. Sonntag* %11 Uhr vorm. Kf ndnrmatlnan großem Maße von der Zukunft der Demokratien abhängig. Der Präsident der Zionistischen Organisation Amerikas, Dr. Stephen S. W i s e, teilte mit, Präsident Roosevelt, mit dem er immittelbar vor Eröffnung der Konferenz eine Unterredung gehabt habe, bedauere tief die neue, Weile politischer und wirtschaftlicher Unterdrückung der Juden in verschiedenen Ländern Ost- und Mitteleuropas, sowie in anderen Teilen der Welt, in deren Gefolge die Not der Juden in ungeahntem Maße steige. Botschaft Weizmaims Denkschrift der jüdischen Organisation«! Bukarest, 27. Jänner. Der Zentralausschuß der jüdischen Organisationen hat unter dem Vonsitz des Bukarester; Oberrabbinere Niemerover eine Denkschrift verfaßt, in der gegen d'e Bestimmungen der Verordnung über die Revision der Staatsbürgerrechte protestiert wird. Vor allem wird die Erhöhung der für die Vorlegung der Dokumente bestimmten zwanzigtägigen Frist gefordert, welche Frist ’ ’ wendigen Papiere nicht beschafft WetÜeh könnten. Das Memorandum wird sowohl der Regierung, als auch dem König zugeleitet werden. In einer Botschaft an die Konferenz warnt der Präsident der Jewish Agency Unbeschadet dessen haben die Revisio-1 nnd der Zionistischen Weltorganisation, nen der Staatsbürgerschaft bereits! Prof. Chaitn Weizmann, vor den Gegbegonnen. Alle bisher gegen die Abnern in Palästina und außerhalb Palästina«, erkennung Angebrachten Rekurse sind die versuchen, den zionistischen abgewiesen worden. (politischen Bau zu unterminie- Nur mehr 18 Jüdische Advo*|ren katen in Bukarest Der Zweck der Konferenz Bukarest, 27. Jänner. Nach dem Beschluß der Advokatenkammer von Bukarest über die Suspendierung sämtlicher Advokaten, die ihre Aufnahme nach dem 1. Dezember . 191-8 beantragt hatten, verbleiben .. dort, welche Frist zu niedrig besamt nur 18 jüdische Advok . 4a in ah- Sei Kattas cri Div-mwewbteesenon'MvM- —i.— jkaten bezeichnen in einer Entschließung den Beschluß der Kammer als geeetzws-j widrig und kündigen eine Berufung an den Obersten Gerichtehof a Ausführlicher Bericht unseres nach Rumänien entsendeten Sonderberichterstatters auf Seite }. Amerikanische Palästina-Konferenz 41/2 Millionen Dollar-Fonds beschlossen Am 22. und 23. Jänner fand in W a s h i n g-1 3 n eine Konferenz der amerikanischen Judenheit für Palästina statt. Mehr als 1500 Delegierte ans allen Teilen der Verigten Staaten nahmen an der Konferenz teil. Innenminister Ickes sagte, die Judenheit möge die Hoffnung auf Erfüllung ihres Traumes von der Wiedererrichtung der Heimat nicht aufgeben. Die Redner des United Palestine Appeal und anderer an dem Aufbau Palästinas interessierten Organisationen berichteten, es sei der Zweck der Konferenz, die amerikanische Judenheit für eine v e rstina, zur Erweiterung und Intensivierung det Kolonisationsarbeit, sowie zur Erwirkung der Öffnung der Tore Palästinas für die Einwanderung großer Massen von Juden, die dem Druck und den Verfolgungen in verschiedenen Ländern Europas zu entgehen versuchen, zu gewinnen. Die Konferenz müsse ferner An konstruktives Programm zur Normalisierung des Wirtschaftslebens in Palästina entwerfen, damit die wirtschaftliche Aufnahmefähigkeit des Landes, die das Kriterium für die Einwanderung ist, gesteigert werde. Das nichtzionistische Mitglied der Exebnvon aer tive der Jewish Agency, Dr. Maurice Friedens J. Karpf, legte den Srücke darsteile. Standpunkt der amerikanischen Der Innenminister verdolmetschte derl Nichtzionisten Konferenz die Gefühle der Sympathie! , ,, des Präsidenten Roosevelt für ™ dem ™an einer Teilung Palästinas dar. die Bemühungen der Juden, ihr Heimat- Die amerikanischen Niebtzionisten, sagte er, Palästinas Erfolg hänge Stärke der Demokratie und d ab, da Palästina eine land in Palästina wieder aufzurichten, j Nathan Straus erklärte gleichfalls, der; Erfolg des jüdischen Heimatlandes KOHLE-KOKS ANTHRAZIT.»-..»-. .BUCHENHOLZ BASCH I V., Argen tlnierstraQe KS U 47-5-40 ZWEIMAL TÄGLICH EILZUSTELLUNG IN ALLE BEZIRKE halten Teilung für tschaftlich i politisch gefährl Errichtung eines Jüdischen Staates rufe Verwirrung hervor und verursache Spaltung. Da England sich nicht willens zeigt, eine jüdisch-arabische Round Tahle- Konferenz einzuberufen, sei es Pflicht der Juden, eine solche Konferenz zustandezubringen. Die amerikanischen Nichtzionisten sind der Ansicht, daß das Mandat durchführbar ist und daß die Mehrzahl der Araber und der Juden auf dieser Basis Eintracht wünscht. Sie sind für Errichtung I eines jüdisch - arabischen demokratischen I Staates mit gegenseitiger Versicherung des Selbstzerstörung fort. Die Sorge um die Minderheiten und unter ihnen insbe. nlere der wehrlosesten Minderheit ist geradezu der Prüfstein für die Auffassung von Humanität und Demokratie, aber auch bestimmend für den Grad an Vertrauen, den Genf erwartet. Was soll"- " die Reden über Vertragstreue und Achtung vor dem gegebenen Wort, wenn sc ein rumänischer Ausschuß von offenkundigen Gewaltanbetem nur mit dem Finger zu winken braucht, um alle Räson in die Versenkung zu treibet! Die Idee des Völkerbundes ist die des Friedens durch internationale Zusammenarbeit und Verständigung. Aber es gehört zu einer Idee daß sie nicht nur mit den Lippen bekannt wird, sondern daß man sie ausführt. Wenn der Völkerbund, wie dies Eden und Delbos im Donnerstag in der Jubiläumssitzung jesagt haben, die stärkste moralische Einrichtung sein soll, dann müssen sich die Mächte, die ihn noch halten, auch für ihn durch die Tat einsetzen. Und dazu ist es notwendig, daß sie den Schutz der Schwachen auf sieh nehmen, unbekümmert um den Vorwurf, einen ideologischen Block zu bilden. Rumänien ist trotz seiner ideologischen Verwandtschaften nicht gar so stark, als es sich gibt. Es ist durch seine wirtschaftliche und territoriale Gestaltung sehr stark auf den Völkerbund angewiesen und kann auf ihn nur vernichten, wenn es den Gang ins Unglück, j den es jetzt angetreten hat, auch wirklich vollenden will. Die Situation, die jetzt eingetreten ist, erfordert es, daß das gesamte jüdische jVolk die ganze Kraft einsetzt. Wir sind nicht so schwach und wir haben noch immer Kraft genug, um die Gefahr zu bekämpfen. Nur Einsicht ist notwendig. Was heute in Rumänien geschieht, kann morgen anderwärts, kann in jedem Land geschehen, das innere Schwierigkeiten auf Iden jüdischen Sündenbock abwälzen will. Deshalb muß aller Wille, jede Möglich- | keit aufgeboten werden.

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