Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 11 (1937-1938)
- Issue
- Heft 710 (24.12.1937)
- Date
- 1937-12-24
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Freitag-Ausgabe 9ut Dieses Blatt ist ab 4 Uhr nachmittags M den Kolporteuren erhiltlich y. b. b. 15 g ^Stimme Nr. 7x0 JÜDISCHE ZEITUNG Wien, Freitag, 24« Dezember 1937 e 2o. Teweth $*98 XI. Jahrgang 'Besser sehen,' besser hören■ Es wird Ordnung gemacht: Polizei und Militär in Erez greift fest zu Hach Amerika und Kanada Koschere Küche Nächste Abfahrten: 5. Jänner 1938! 19. Jänner 1938 Aquitania ] Aquitanie 12. Jänner 1938 j 26. Jänner 1938 Berengaria ] Berensaria Cunard White Star Repräsentanz: Wien, I., Kärntnerring4 Telephon: ü 46-2-48 Telephon : U 42-0-43 TUNGSRAM jßamßen TUNGSRAM 'Röhren Jerusalem, 23. Dezember. (Privat) Die Polizei- und Militärbehörden treten nun, da auch High Commissioner Sir Arthur Wauchope die Notwendigkeit eingesehen hat, mit Entschiedenheit gegen den Terror einzuschreiten, stets energischer gegen die arabischen Banditen auf. Jetzt gelingt es auf einmal, Banden stellig und unschädlich zu machen, jetzt werden auch Mörder und Attentäter, die bisher in der Regel nicht festzustellen waren, ansfindig gemacht So wurde bei den militärischen Operationen, welche die britischen Truppen vorige Woche in den Bergen bei T u 1 k a r m durchführten, eine Bande zersprengt, die längere Zeit die dortige Gegend terrorisiert hatte. Bei dem Kampf fanden sieben Terroristen den Tod. Bezeichnend ist die Tatsache, daß unter den Gefallenen zwei Syrer waren, eine Bestätigung der Annahme, daß die Terroristen von Syrien her Zuzug erhalten. Drei der getöteten Araber wurden von der Bande weggeschafft, während die anderen vier von den Militärtruppen gefunden wurden. Der Anführer der Bande erlitt schwere Verletzungen. Auch die militärischen Operationen in den nördlichen Bergen und Dörfern von Erez hatten Erfolg. Dort konnten im Verlaufe von zwei Tagen sechzig Araber verhaftet werden. Zu den Verhafteten gehört Scheik Bakhri, ein Prediger, der f rühe r M itgüed des Obe rsten Mohammedanischen Rates war. Ferner wurde ein Korrespondent der arabischen Zeitung „Al Islamia“ festge- Die Wahlen in Rumänien Bukarest, 23. Dezember. (Privat.) Soweit bisher das Wahlergebnis überblickt werden kann, ist damit zu rechnen, daß von der jüdischen Reichspartei 1 i s t e zwei bis drei Kandidaten gewählt worden sind. Niederlage der Regierung Tatarescu Iin übrigen bedeutet die Wahl eine Niederlage der Regierung Tata- Leibbinden, wie der Arzt sie verlangt: FaAfiina ÜPittP«»n-ftnholBBth 1 ...und Friede den Menschen auf Erden Wieder einmal feiert die Christenheit „ |Ea« Wfiihwbhtsfest, wieder einmal heißt ei: j-lhre sei Gott in der Höh’ und Friede len Menschen auf Erden. Aber die Begleitmusik zu diesem sohönen Wort machen Haß und Neid, berstende Granaten und schwelende Giftgasbomben. So ehrt man Gott, so pflegt man den Frieden im Jahre des Unheils 1937. In unzähligen Weihnachtsreden aber und Zeitungsartikeln wird sich die Menschheit am Schwall hochtönender Phrasen berauschen, zwei Tage lang den Frieden minien, dann wird der Friedensspuk verflogen sein und die Menschheit wird weiter alles Böse tun, was sie bisher getan hat. Einen Weg gibt es nur zu Heil und Frieden: Die Abkehr vom Haß und die Rückkehr zu jenen heiligen Prinzipien von Recht und Gerechtigkeit, die unsere Bibel und unsere Propheten gepredigt haben- Solange der Nationalsozialismus Haß gegen das Judentum predigt und das Gefüge der Staaten mit seiner Propaganda unterwtihlt, solange Kommunismus und Marxismus Klassenkampf predigen, solange kann es keinen Frieden auf Erden und keine Ehre für Gott in der Höh’ geben. Solange die Menschheit fortfährt, die sittlichen Grundlagen der Bibel, auf denen sie geworden ist, zu unterwühlen, solange nicht die Achtung alles dessen was Menschenantlitz trägt in der Praxis des täglichen Lebens verankert ist, wird es keinen Frieden geben. Das sollten gerade die christlichen Religionen begreifen. Aber gerade hier kriselt es bedenklich im Gemäuer. Der Nationalsozialismus setzt zum Generalsturm gegen das Christentum an. In Deutschland wankt bereits die protestantische Kirche und die Katholiken werden arg bedrängt. In dieser kritischen Lage glauben noch immer maßgebende katholische Kreise in vielen Ländern ihren Frieden mit dem Nationalsozialismus machen zu können, indem sie ins antisemitische Horn blasen, den Judenboykott predigen und gegen Recht und Verfassung an der Ausschaltung der Juden aus dem Wirtschaftsleben Arbeiten. Damit erreichen sie aber nur die Radikalisierung der Massen, die dann Im Zusammenhang mit dem Morde an Simon Werner Less wurden heute drei Araber verhaftet, die von Polizeihunden aufgespürt und im Besitz von Gewehrkugeln gefunden wurden, die von einem ähnlichen Kaliber waren, wie diejenigen, mit denen Less getötet wurde. In zwei Araberdörfem in den Nablus- und Tulkartn-Bezirken wurden von der Polizei zwei Häuser zerstört, von denen man annimmt, daß sie Terroristen gehören. to einem Dort im Norden wmrde auch eine sehr ansehnliche Menge Mtt- »HI»» testgerteBh Die fkd& ■■****■ »ahKiicte Doch selWt, wenn nur einzelne Schußwaffen beschlagnahmt werden, verfahren die Behörden sehr strenge. In der Nähe von Akko wurde ein Araber angetroffen, der ein Gewehr und Munition bei sich hatte. Ais er den Versuch unternahm zu fliehen, wurde er niedergeschossen. Bald darauf wurde ein Araber, der im Besitz von zwei Revolvern war, verhaftet. Die Militärgerichte haben bisher schon ziemlich viel zu tun gehabt Insgesamt richteten sie seit dem Beginn ihrer Tätigkeit, am 18. November, über 24 Personen. Zwei Angeklagte wurden zum Tode verurteilt, zehn erhielten lebenslänglichen Kerker und neun Gefängnisstrafen im Höchstausmaße von zehn Jahren. Drei Personen wurden freigesprochen. Wie schwer der arabische Terror die eigenen Interessen schädigt und wie sinnlos er ist, geht aus der von der arabischen Presse verbreiteten Meldung hervor, daß die irakische Regierung die palästinensischen Araber ersucht hat, in Zukunft nicht mehr die Irak-Ölleitu'ug zu beschädigen, da biedtirch die irakische Wirtschaft schwer betroffen werde. Was übrigens auch ein deutlicher Fingerzeig ist, woher die Terroristen in Palästina bisher zumindest ermuntert wurden. mit fliegenden Fahnen in das nationalsozialistische Lager abschwenken, denn: Wer vom Nationalsozialismus ißt, stirbt daran. Der Nationalsozialismus ist ebenso wie der Katholizismus eine totalitäre Bewegung. Einer von ihnen wird dem anderen weichen müssen. Das ist das Bild der Menschheit in diesen Weihnachtstagen. Es ist nicht wahr, daß die Völker im Jahre 1918 den Weltkrieg beendet haben. Er wütet seither unter der Bezeichnung Friede noch ärger und das jüdische Volk ist sein größtes Opfer. Im Weltkrieg 1914 bis 1918 bluteten unsere Väter und Söhne auf allen Schlachtfeldern und seither verbluten wir wirtschaftlich. Das ist die Schuld der christlichen Nationen, die glauben, sich geltet retten zu können, wenn sie uns vernichten. Das ist die Schuld jener katholischen Kreise, die zusehen und dabei mitwirken wie man uns wirtschaftlich erwürgt. Oft und oft waren wir in den letzten 2000 Jahren in dieser Lage. Immer noeh ist irgend ein Wunder geschehen und wir wurden gerettet Es wäre aber gefährlich, immer auf ein Wunder zu warten und auf das Ende der Tage, da der Wolf friedlich neben dem Zicklein weiden wird. Das war die Erkenntnis des Zionismus, der eine Bewegung zurück zum Judentum und zurück ins Judenland ist. Verstünden die Völker die sittliche Bedeutung der zionistischen Bewegung J sie müßten in dem ehrlichen Bestreben! wetteifern, uns zu helfen und damit sich 'selbst zu helfen. Verstünden endlich die I Völker, daß der Kampf gegen den Schwachen und Wehrlosen ein nimmersatter Moloch ist, der sich schließlich , gegen seine Erzeuger wenden muß, sie I würden die Kultur-, Friedens- und Staatsfeindlichkeit des Antisemitismus erkennen und sich von ihm abwenden. Noch ist die Menschheit nicht so weit. Wieviel unschuldiges Blut wird noch fließen müssen, welches Elend muß noch über diese Welt kommen, Ws sie erkennt, daß sie zu jenen Grundlagen zurückkehren muß, auf denen sie erbaut wurde, zu den Grundpfeilern des jüdischen Sittengesetzes: Zu Recht, Gerechtigkeit und Völkerfrieden! Es hat einmal eine Zeit gegeben, da glaubten die Juden, es sei ihre Mission, die Menschen glücklich zu machen. Das war der grundlegende Fehler Moses Mendelsohns und der Assimilation. Aber die Völker wollen sieb von uns nicht belehren lassen. Uns maß auch das Hemd näher sein als der Rock und deswegen lehnen wir Zionisten es konsequent ab, uns in die Angelegenheit anderer Konfessionen und Nationen einzumengen. Sehe jeder wie er’s treibe und wer steht, rescu, da sie nicht die erhofften vierzig Prozent zu erlangen vermochte, die ihnen siebzig Prozent der Mandate gesichert hätten, sondern bloß etwa 38 P r o z e n t. Es ist zum erstenmal nach dem Krieg, daß eine Regierungskoalition in Rumänien die vierzig Prozent nicht erreicht. Die Mandate dürften sjctf Tolgenderinäßei verteilt: Regierungspartei 142 Stimmen, Natioroüzaranisten 77, „Eiserne Garde“ 62, Georg Bratianu 12, Goga-Cuza 36, Iunian 4 bis 5, Ungarische Partei 15, Jüdische Nationalpartei 2 bis 3, Sozialdemokraten 2, Argetoianu 2, Everescu 1. Daraus ersieht man, daß die Regierungspartei im neuen Parlament nicht die Mehrheit besitzt. Tatarescu wird daher, um sieh am Ruder zu halten, gezwungen sein, die Regienmgskoalition zu erweitern. Man vermutet, daß er sich dabei an die Gruppe Goga-Cuza halten wird, was eine Ver- K urses bedeuten würde. Möglicherweise wird aber Tatarescu zuriiektreten müssen. daß er nicht falle. Aber eines müssen wir tun. Wir vor allen müssen nach dem jüdischen Sittengesetz leben und dadurch eine ewige Warnung für die Völker sein, die durch ihre Staatsvergottung und ihre Haßpolitik den Kampf aller gegen alle heraufbeschwören. Wir müssen immer und immer die Rufer sein nach Recht und Gerechtigkeit für das jüdische Volk und wir werden Erfolg haben, wenn die Welt sehen wird, wie gut wir unser Haus trotz aller Not bestellen können und daß wir es verstehen, unsere Prinzipien nicht nur zu predigen, sondern nach ihnen auch zu leben und für sie zu sterben. Wir wollen nicht den Dank der Menschheit, wir wollen nur ihr Ohr und ihr Wohlwollen. Die Menschheit soll uns nicht daran hindern, nach unserer Fasson selig zu werden und sie wird einmal selbst selig werden, wenn sie verwirklichen wird, was der Prophet Amos verlangt hat: „Das Recht flute wie Wasser einher und Gerechtigkeit wie ein nimmer versiegender Bach.“ Verwirklicht einmal die Christenheit dieses jüdische Postulat, dann, aber nur dann wird sie ihr Postulat erfüllt haben, das nur eine Folge der Erfüllung des jüdischen Prinzips von Recht und Gerechtigkeit ist: „Ehre sei Gott in der Höh5 und Friede den Menschen auf Erden!“