Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 11 (1937-1938)
- Issue
- Heft 698 (24.11.1937)
- Date
- 1937-11-24
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Miitnvocß-Jiusgabe 0 t Jet ab 4 Ulir nachmittags Kolporteuren erhältlich V. b. b. 158 JÜDISCHE ZEITUNG; WI«a, *Bttwocb, >4. November 1937 «k KMcw S698 u. Jahrgang Rufmord An der Wiener Universität haben sich ttn Montag studentische Demonstrationen gegen die neue medizinische Studien- und Rigorosenordnusjg ereignet, die zur Schließung der Hochschule führten. Die Änderung der Vorschriften besteht darin, daß ein klinisches Pffiichtjahr eingeführt "Wird, das die Vorbedingung für die Ausfolgung des Doktordiploms bildet Für Studenten, die derzeit im fünften oder lÄ<?rea Semester stehen, wird die Pflichtausbildung auf ein halbes Jahr herabgesetzt Von besonderem Interesse ist die Bestimmung, daß Ausländer zur Leistung des Pffichtjahres nicht verpflichtet sind, flle abhr sahidKden müssen, wenn sie später die Bundesbürgerschaft erlangen und die Praxis in Österreich ausüben wollen. JH» Reform soll am 1. November des iiehstea Jahres in Kraft treten. Die Demonstrationen wenden sich dagegen, daß den jungen Medizinern die Studienzeit tun ein ganzes Jahr verlängert wird. Die Studenten haben demonstriert und einen Streik in Szene gesetzt Der eigentliche Charakter der Kundgebungen aber wird Von der „Reiehspost“ in einem Leitartikel als eine politische Angelegenheit geschildert; das Blatt spricht von „einer von MC« Wtf der Klägern#!«-, in Dain Rom. Wenn London nnd oder ln Bagdad, such ntebt bi London, j etabliert und Wi . „ auszugeben begonnen hatte, deren wirklicher Zweck von einem beträchtlichen Teile der Studentenschaft nicht sofort durchschaut worden ist: die Hochschüler in abenteuerliche Aktionen zu hetzen, die unter allen Umständen und Verhältnissen unzulässig sind.“ Es ist leicht zu erraten, Schreibt das Blatt weiter, wer ein Interesse daran hätte, die Hörerschaft für radikale Parolen zu gewinnen, die den Btaatsorganismus an einer seiner empfindlichsten Stellen schwer zu verwunden vernichten. Die Ausführungen des Leitartikels der „Reiehspost“ sind ziemlich deutlich. Wer hat ein Interesse daran, den Staatsorganismus zu verwunden? Nun jene Elemente, denen die Existenz des Staates ein Dom im Auge ist. Aber es ist doch der Aufmerksamkeit wert, daß diese selbe „Reiehspost“ in dem Bericht über die Ereignisse erzählt: „In rührender Eintracht zogen deutsehvölkische Studenten und kommunistische Ostjuden von Hörsaal zu Hörsaal.“ An der Universität gibt es keine kommunistischen Ostjuden. Gäbe es solche, so würden sie es unbedingt vermeiden, an Bewegungen teilzunehmen, die nur dem Interesse der Nationalsozialisten dienen. Das kann sich die „Reichspost“ wohl selbst sagen. Aber das schreibt sieh so hübsch hin von den kommunistischen Ostjuden und es liefert wieder für die Versammlungen der Pogromleute treffliches Redefutter. Wo die Juden nicht sind, dort werden sie von so einem phantasievollen Berichterstatter gesehen. Aber wo es wirklich Juden und jüdisches Verdienst gibt, dort werden sie übersehen. Da hat es in Wien ein Jubiläum gegeben, das des hundertsten Jahrestages der alten Ferdinands-Nordbahn. Am Grabe des Erbauers dieser Verkehrslinie, des Ingenieurs Riepl, wurde eine Besserung in Palästina Ruhe Jan Land Jerusalem, 23. November. (PaScor.) Die letzten 48 Stunden waren, mit Ausnahme von wenigen unbedeutenden Zwischenfällen in verschiedenen Gegenden des Landes, die ruhigsten, die Palästina seit langer Zeit erlebt hat Man schreibt dies allgemein der Errichtung der Militärgerichte zu. Im großem und ganzen hält die Ruhe an. Für jüdisch-arabische Verständigung Paris, 23. November. (JTA.) Die einflußreiche „Correspondence d‘0 r 1 e n t“, die im allgemeinen als Sprachrohr der christlich-arabischen Kreise ln Syrien güt, erörtert in ihrer November-Nummer die gegenwärtige Situation in Palästina nnd kommt zu dem Schluß, daß eine Verständigung zwischen Juden und Araber in Palästina so lange nicht zu erwarten lei, als es nicht zu einem Obereinkommen zwischen London und Rom kommt. In den 18 Jahren des Bestehens des Mandates, schreibt das Blatt, hat Großbritannien versucht, die beiden feindlichen Brüder, Juden und Araber, zu versöhnen, aber vergeblich. England tue «eine Pflicht, es erwidere Gewalttaten mit Gewalt Das Blatt schlägt einen fünfjährigen Waffenstillstand zwischen Juden und Arabern vor. Während dieser Zeit müssen sich die Araber verpflichten, die jüdische Einwanderung nicht zu beklopfen; die Zionisten müßten sich anderseits verpflichten, die jährliche Einwanderung auf eine bestimmte, von der Mandatarmacht garantierte Ziffer genau zu beschränken. Insofern» es auf die interessierten Parteien, nämlich die Juden, die Araber und Großbritannien, ankommt — schreibt das Blatt — kann dieser Plan verwirklicht werdte Wiederherstellung des Friedens in Paläf|t Pf» Rom zu einem Übereinkommen gelangen werden, Werden auch die Juden und die Araber in Palästina, sei es auch nur für eine kurze Zeit, zu einer Verständigung Ausländisches Geld für den Mufti Jerusalem, 22. November. (Psloor.) Aus verläßlicher arabischer Quelle wird gemeldet, daß die in Palästina zurückgebliebenen Anhänger des Mufti sich auch weiterhin eifrig mit der Organisierung von Terroristen befassen. Die Banden werden atu Geldern besoldet, die den Organisatoren aus dem Auslande zugetan. Verhaftete Juden fretgelassen irusalem, 23, November. (Palcor.) Der junge Jude, der am Sonntag in Zusammenhang mit. den Vorfällen im Betb-Israel-Viertel, Jerusalem, verhaftet worden war, wurde heute auf freien Fuß gesetzt. Eine Anzahl von Mitgliedern der Kwuzah Hassadeh im Beisan-Gebiet, die unter der Anklage standen, zwei arabische Schafhirten angeschossen zu haben, als diese ihre Herden auf jüdischen Boden trieben, wurden vom englischen Richter kt Tiberias freigesprochen. Aus dem Tatbestand ergab sieb, daß die Juden von den Arabern mit Steinen beworfen wurden und zur Selbstverteidigung schießen mußten. Der Richter erklärte in seiner Urteilsbegründung, daß er in Anbetracht der Umstände die Juden freigesprochen hätte, auch wenn sie mit Vorbedacht zum Gewehr gegriffen hätten. Cafe Prinz Eugen I., OPERNRING 11 Täglich Abendkonzert / M. K. 3 Künstler spielen 16 Instrumente Musikalische Schau / Normale Tagespreise / Angenehmer Aufenthalt / Treffpunkt der besten Gesellschaft / Sämtliche in- und auständischeZettungen liegen auf Feier veranstaltet, was in Österreich Rang ihm! Namen hat, vereinigte sich im Gedenken an den Erbauer, an die Eisenbahner und an die Gefallenen. Aber wir wollen doch erwähnen, daß Riepl von der österreichischen Öffentlichkeit abgewiesen und verlacht wurde und daß es das Haus Rothschild war, dessen Chef dem jungen Ingenieur zu Hilfe kam. Ohne die Tätigkeit des Hauses Rothschild, das die Pläne prüfte, die Mittel zur'Ausführung der Vorarbeiten und des Baues überhaupt aufbrachte, wäre der Vorschlag Riepls nur ein Projekt geblieben. Da war auch noch eine andere jüdische Persönlichkeit, der Bankier Biedermann, der sich für Riepl einsetzte und für die Bahn, die die Ostprovinzen an die Hauptstadt anschloß, mit aller Kraft eintrat. Die deutschen Politiker haben wenig Verdienst um das Zustandekommen dieser Großtat, die sie heute so ehrfurchtsvoll preisen, sie haben den Ingenieur Riepl so behandelt wie den Erfinder Ressel und den Erfinder Kreß. Und die jüdische Bevölkerung der östlichen Kronländer, die die neue Bahn, die Verbindung Wien—Bochnia mit überströmendem Jubel begrüßte, die zu fana- Dr, Zwi Perez Chajes Von Oberrabbiner Dr. Taglicht. —r- OBERRA&iM' Vor zehn Jahren haben wir Zwi Peres Chajes zu Grabe getragen. Zehn Jahre! Die Zeit hat hier die ihr sonst zugeschriebene Wirkung, über das Vergangene Vergessen zu breiten, nicht hervorgebracht. Die Trauer um diesen Unvergeßlichen ist nicht gemildert. Sein Bild ist nicht verblaßt, sein Wort ist nicht verhallt, sein Werk ist nicht Ins Wanken geraten, die Erinnerung an ihn ist nicht geschwächt. Denn er war erfüllt vom Geiste Gottes, von dem unvergänglichen Geist des Judentums. Das Streben, diesen Geist zu erhalten, im jüdischen Volk zu erneuern, war Inhalt seines Lebens. Ein Ziel schwebte ihm vor: der jüdische Boden. In doppelter Bedeutung. Daß jüdische Menschen wieder den betreuten, 3er unseren Vätent heilig war, daß wir aber auch den geistigen, religiösen Boden wiedergewinnen, in welchen unsere Propheten, Dichter und Denker die göttliche Saat legten, die in reichen Halmen aufgegangen ist und der Menschheit die geistige Nahrung, die seelische Reinigung und Erhebung gebracht hat. Wie heute Juden in Erez Israel mit ihrem Pflug tiefe Furchen ziehen, so soU auch der Geist des Judentums tief in ihre Herzen sich graben, damit sie mit Körper und Geist als vollwertige Juden sich bewähren. Darum hat er seine Aufmerksamkeit, seine Sorge, seine Liebe ganz besonders der Aufnahme- und umbildungsfähigen Jugend gewidmet, für sie das Schulwerk, seine große, segensreiche Tat, errichtet. Das Heiligste, das in ihm lebte, seine Sehnsucht und sein höheres Wollen trug er nach dem Lande, das der Ewige erwählt hat Oft hat er die Überzeugung ausgesprochen, daß wir durch den Aufbau Palästinas und den Ausbau jüdischen Wesens im Lande der Väter auch zur tischen Verfechtern der österreichischen Großmachtsidee wurden, ist von den deutschen Politikern mit aller nur denkbaren Verständnislosigkeit behandelt worden. Die Nachfahren dieser Deutschen, die heute das Wort führen, haben den Dank abgestattet. Die Juden, die von der Heeresleitung nach dem Westen getrieben, die Haus und Besitz verloren haben und sich dann für das neue Österreich entschieden, nennt man kommunistische Ostjuden und übt an ihnen wie an der ganzen jüdischen Gmeinschaft den frechsten Rufmord. SAMSTAG 4. DEZ. 1937 Repräsentative des Zinn. Landesverbandes