Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 11 (1937-1938)
- Issue
- Heft 696 (19.11.1937)
- Date
- 1937-11-19
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Freitag-Ausgabe 9k Diese« VSfttt ibt »1> 4 Ulir nachmittags M den Kolporteuren erhältlich y. b. b. 15 g ‘Stimme Nr. 09* JÜDISCHE ZEITUNG Wie«*, Freitag, 19. November 1937 e if. Klelew $098 UU Jahrgang Gegen Repressalien: Erklärung der Jewish-Agency Jerusalem, 18. November. Die Exekutive der Jewish Agency in Jerusalem hat eine Erklärung veröffentlicht, in der Vergeltungsakte gegen die Araber entschieden verurteilt werden. Die Annahme, daß Vergeltungsakte geeignet seien, der Terrorkampagne der Araber ein Ende zu machen, heißt es in der Erklärung, ist„einege!ährlicheTäuschun g“. Diejenigen, die für den arabischen Terror verantwortlich seien, machen sich nichts aus dem Leben ihrer unschuldigen Brüder; jedes neue Blutvergießen stärkt im Gegenteil nur die Hände der arabischen Terroristen, Indem es ihre politischen Ziele fördert. Der Jlschuw wird aufgerufen, die im vergangenen Jahre geübte Selbstbeherrschung, gepaart mit mutiger Selbstverteidigung auch weiterhin zu wahren; dieses Verhalten habe dem Jischuw die Achtung der öffentlichen Meinung des Auslandes eingebracht und zur Einrichtung eines legal bewaffneten jüdischen Selbstschutzes geführt. Nach einem Hinweis auf die jüngst erfolgten Vorsprachen der Vertreter der Jewish Agency bei der Regierung, in deren Verlauf diese gefordert haben, daß dem Zustand der Gesetzlosigkeit im Lande ein Ende bereitet werde, sowie auf den in der letzten Zeit zu beobachtenden erfreulichen Wechsel in der Handlungsweise der Regierung wird erklärt, daß die Jewish Agency fortfahren werde, von der Regierung zu verlangen, daß sie diese Richtung bei behalte und die Juden in die Lage versetze, bei der Verfolgung der Terroristen in entsprechendem Maße teilzunehmen. Gleichzeitig aber — so heißt es in der Erklärung weiter — wird die Jewish Agency schärfstens gegen Unschuldige^utftrahL, da solehe^Akte nic^bmndwi^mgetaa seien, die arabische Terrorbewegung zu intensivieren, sondern auch die palästinensische Judenheit zu demoralisieren, sie in ihrem politischen Kampf zu hemmen und ihre Sicherheit zu unterminieren. Zum Schluß wird erklärt, die Jewish Agency vertraue darauf, daß „alle verantwortlichen Teile der jüdischen Bevölkerung sich gegen solche schimpfliche Taten stellen und mit allen ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln dieses Obel aus unserer Mitte ausrotten werden“. Zwischen Tel-Aviv und Jaffa 'Besser sehenbesser hören- TUNGSRAM Jßamfien TUNGSRAM 'Röhren Friedens-Nobelpreis für Lord Cecil Nach einer Meldung aus Oslo hat das Komitee der Nobelstfftung den Friedenspreis für dieses Jahr an Robert Cecil 'teSfÄÄÄS Verständigung der Völker und für die Idee des Völkerbundes einsetzen, mit lebhafter Freude begrüßt. Lord Cedi ist nicht nur ein Vorkämpfer 'des Friedens im allgemeinen. Er ist auch ein Förderer der zionistischen Bestrebungen aus der Erkenntnis heraus, daß ein wahrer Weltfrieden auch die Erfüllung der jüdischen Bestrebungen nach Freiheit und Selbständigkeit auf eigenem Land einschließen muß. Lord Cedi ist einer jener englischen Politiker, die stets volles Verständnis für die jüdische Sache gezeigt haben. Er bat ln seiner Stellungnahme zu der Judenverfolgung in Zentral- und Osteuropa jeden Opportunismus verschmäht und seine Meinung als die eines unbefangenen, durchaus freiheitlich gesinnten Demokraten stets offen und unverhüllt geäußert Darum ist der Sinn des Osloer Beschlusses eine deutliche Stellungnahme, die in dem Chaos unserer Tage nicht zu verkennen ist. Französische Regierung gegen Rassenpolitik Paris, 18. November. (JTA.) Der französische Innenminister Max Dormay erklärte einer Abordnung der in der Volksfront vereinigten Parteien, die vor dem Überhandnehmen der antisemitischen Propaganda in Frankreich warnte und von der französischen Regierung eine Kontrolle der Finanzquellen der für diese Propaganda Verantwortlichen forderte, die französische Regierung werde mit aller Energie jeden Versuch, die Juden anzugreffen, unterdrücken, und die Einführung rassischer Theorien in Frankreich verhindern. Zum Schluß gab der Innenminister die Versicherung, er werde dafür sorgen, daß die Juden in Frankreich entsprechenden Schutz genießen. Jerusalem, 18. November. (JTA.) An der Grenze von Jaffa und Tel-Aviv sind Stacheldrahtverhaue errichtet worden; Polizeipatrouillen haben entlang den Verhauen Posten bezogen, um Zwischenfälle zu verhindern. Die im vergangenen Jahre errichtete Hilfspolizeistation an der Grenze Jaffa—Tel-Aviv, die in der letzten Zeit wegen der Beruhigung der Lage geschlossen werden konnte, ist wieder geöffnet worden. Der jüdische Schüler Mosche Abramov, der gesehen wurde, wie er einen arabischen Pardeß an der Grenze Tel-Aviv —Jaffa betrat, ist verschwunden. Der aus Ungarn eingewanderte Jedidja Lock wurde in Untersuchungshaft genommen unter der Beschuldigung, am Sonntag zwei Araber im Beth J Israel-Viertel von Jerusalem getötet zu haben. IHe Verurteilung der verhafteten Revisionisten Jerusalem, 18. November. (JTA.) 24 Revisionisten, unter ihnen der Führer des palästinensischen Betar, Ing. E r i J a b otinsky, die im Laufe des vergangenen Sonntag und Montag verhaftet wurden, sind auf administrativem Wege zu sechs Monaten Internierung in einem Konzentrationslager verurteilt worden. Da die Gefängnisse in Akko und Jaffa gegenwärtig überfüllt sind, dürften sie zu Wochenende aus der Polizeihaft in das Gefängnis von Jerusalem gebracht werden. Man glaubt, daß sie dann im Laufe der nächsten Woche nach Akko überführt werden, wo am 19. November 50 arabische Häftlinge freigelassen werden. Inzwischen wurden weitere acht RevisionisteninReehobot und f ün f in Haifa verhaftet, unter ihnen ein Lehrer des Haifaer Technikums. Sie wurden zu je drei Monaten Haft in Akko verurteilt. Protest gegen die Verhaftungen Eine Delegation der Leiter der jüdischen Kolonien im Süddistrikt mit dem Bürgermeister von Tel-Aviv, Israel Rokach, an der Spitze, sprach beim Distriktskommissar vor, um gegen die Verhaftungen Protest einzulegea. Die Abordnung hob hervor, daß unter den Verhafteten auch Pardessbesitzer sind, die sich politisch nicht betätigen, sowie Industrielle, Landwirte und schließlich Kinder unter 14 Jahren. Die Abordnung betonte ferr". daß die Kolonien, in denen die Verhaftungen vorgenommen wurden, seit jeher die friedlichsten Bezirke des Landes gewesen sind, während nach den Verhaftungen die Spannung in ihnen ungeheuer gestiegen ist. Der Distriktskommissar versprach, die ihm von der Delegation unterbreitete Beschwerde an den stellvertretenden High Comimssioner W. D. B&ttershill weiterzuleiten. Schutz der Wirtschaft! Dieser Tage wird in Wien eine Enquete der Buehkaufmannschaft durchgeführt, in der es sich darum handelt, Mittel und Wege zur Belebung der Wirtschaft Österreichs zu finden. Es wurde die Forderung hervorgehoben, daß der V erbraueher tunlichst billig einkaufe, daß die Ware möglichst wenig mit Zöllen und anderen Abgaben belastet werde. Ein Redner -wies darauf hin, daß dem Getreidehandel Funktionen, die er seit Jahrzehnten zur vollsten Zufriedenheit besorgt hat, entzogen und den landwirtschaftlichen Korporationen übertragen worden sind, was nebenbei bemerkt, eine Kardinalforderung der antisemitischen Kreise gewesen ist. Wie die Landwirtschaft darüber denkt, das erfährt man aus den Klagen der Bauern, nicht aber aus der agrarischen Presse. Zur gleichen Zeit nun mit dieser Enquete hat am Mittwoch eine Massenversammlung des Gewerbebundes stattgefunden, in der der Vizebürgermeister Dr. Kresse über die Ausstellungsaktionen „Christen, kauft bei Christen!“ sprach. Er verteidigte diese Parole, deren klarer Sinn es ist, das Gebiet des jüdischen Kaufmannes und Gewerbetreibenden «nzuengen, ihn auszuschalten und so seine wirtschaftliche Kraft, aber auch seine Kaufkraft — sagen wir, nicht zu heben. Die Gefährdung seiner Existenz — und es handelt sich doch um Tausende von Existenzen — ist natürlich auch eine Gefährdung der Wirtschaft überhaupt, die in einem so kleinen Gebiet auf Störungen solcher Art sehr rasch reagiert. Während also auf der einen Seite die Kaufmannschaft und alle in ihr zusammenzufassenden Berufszweige nach einer Behebung der Störungen und nach Lockerung der Hemmungen in öffentlicher Beratung v sucht, tritt der Vizebürgermeister an die Spitze einer Aktion, die dem Zweck der Enquete diametral entgegengesetzt ist. Er nimmt wieder alle die Thesen, die aus den Versammlungen des Antisemitenbundes geläufig den Frontdienst, sondern auf die Gunst der ihnen weltanschaulich nahestehenden marxistischen Gemeindeverwaltung, die ihnen das Wiener Heimatrecht gegeben hat, Das ist im ganzen und in den Einzelheiten unrichtig. Die Zugereisten sind nicht zugereist, sondern ihre Familien sind von den k. k. Behörden aus dem Osten nach Wien „evakuiert“ worden, indes die Männer, die Tauisende und Zehntausende, an der Front standen. Sie haben das Heimatreoht nicht auf Grund politischer Verbindung, sondern auf Grund ihrer von der Polizei bestätigten einwandfreien Führung bekommen, um in Österreich leben zu können, da ihr Besitz von den Weltkriegskanonen zerstört und verwüstet worden war. Wenn es unter ihnen Elemente gibt, die sich gegen das Gesetz vergehen, so hat sie das Gesetz zu fassen, nnd dies auf Antrag der vom Gesetz hiezu berufenen Stellen, und nicht irgend einer demagogischen Hetzgeeellsehaft, und es vor dem Richter nachzuweisen, ob ein Verstoß gegen die Gesetze vorliegt. Es hat nur der Richter und sonst niemand ein Urteil zu fällen. Herr Kresse und die ihm nahestehenden Kreise empfinden es als ungehörig, daß sich die Juden gegen die Boykottparole wehren. Die Christen, wird gesagt, haben ein Anrecht auf die Aufforderung „Kauft bei Christen!“ Diese arische Parole ist Angriff, ist Aufforderung in der Absicht des Boykotts. Der Redner erwähnte, daß die von der „Union österreichischer Juden“ gegen die Veranstalter der bekannten Ausstellung erhobene Klage von der Staatsanwaltschaft Wien I zurückgelegt worden ist. jWenn dies richtig ist, dann beweist es Samstag, 4. Dezamber 1937 Repräsentative Makkabäer-Feier des Zion, landesverbandes Karten von S 150 bis 5 50 erhältlich: ZloBleBseher Landesverband, l.( Harc-Aurel-StraSe 5 U 22-2-11; Zionistische Bezirkssektion Leojm Großen Konzerthaus - Saal petdsladt, ll„ PraterstraQe |3, R 42 407; Bücherstube Rath, 11., Taborstrafie 20, R 45-305; ln sämtlichen BerirkesekUoiwn, WIZO, I., Sehottenrlng 25, A 11-6-26; BSeborstabe Melstrlk, I., Wollzelle 6, _ R 25-4-53; füd, Kuttaratells, I., Kal 3, R 28-2-36; BBoheratsbe Uoyf. L K&mtnerstr, 44, B 26-3-33.