Blau-Weiss-Blätter
- Journal
- Blau-Weiss-Blätter
- Volume
- 3 (1915-1916)
- Issue
- 1 (5.1915)
- Date
- 1915-05-01
- Page
- – (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
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Erzählender Teil Der Mond erzählt von I. L. P e r e 3. — verdeutscht von A. Horodisch. Von dem Anblick des weißen Marmors und der weißen Gasbeleuchtung ermüdet, zog ich in die Hintergäßchen und sah ... . . Aus einer verfallenen Bütte kommt eine Knabe, barfuß, dürftig bekleidet <kaum hängen auf seinem Körper die Lumpen), und auch das gegenüberliegende Haus, fast eine Ruine, verläßt ein solcher Knabe. Sobald sie einander begrüßt haben, wußte ich nicht mehr, aus welchem Hause ein jeder gekommen: beide mit dürren Leibern, erloschenen Augen, beide vor Kälte Zitternd — Dtelleidft auch vor Hunger. Ich höre ihre Unterhaltung. «Fertig?" — „Unfc du?" — „Auch!" „Hast du gegeffen?" „Nein . . . Vater hat nichts gebracht." „Mein Vater ist krank; die Mutter weint ..." „Gehen wir?" — „Lieber laufen ... 's ist kalt . . .* „Meinetwegen." _ Sie laufen so schnell sie können in die Stadt. Ich blicke ihnen nach, vor einem der schönsten Häuser machen fie halt. „Siehst Du! Meines Vettern Haus," sagt der eine stolz. Der andre weist auf ein gegenüberliegendes Haus hin: „Und das gehört meinem Vetter!" „Mein Vetter hat aber ein Berberroß für $6 000 gekauft!" „Und der Meine hat einen wagen mit feurigen Pferden!" „Meiner hat vielleicht lausend Dörfer!" „Meiner — vielleicht hundert Städre!" „Tor! Mein Vetter hat goldene Möbel!" „Dummkoxf! Meines Vettern Möbel sind aus reinem Demantl" __ „Aber meine Kusine mit ihrem Parfüm — es ist meilenweit zu spüren!" „Ach, meine Kusine geht täglich ins Theater!" „Und wenn mein Vetter jede Nacht Karten spielt — wie?" Lange stritten die beiden so, und schon begannen fie, sich zu prügeln. Einer hat jedoch ftüher aufgehört. — „Kalt", sagt er und zittert. Der zweite hört auch auf: „Ich bin sehr hungrig — sagt er —, läute einmal bei Deinem Vetter „Nein, — erwidert jener erschreckt — er hat seinen Portier angewiesen, mich die^Creppe hinunter zu werfen." „Mein Vetter auch." antwortet der Zweite. Traurig lassen sie beide den Kopf hängen. „Gehen wir?" — „Lieber laufen ..." Und auf dem Wege: „Morgen Nacht wieder." „Ja . . . sich ein wenig warm laufen .... Ich werde Dir ein Zeichen -geben . . . Ich werde krähen wie ein Hahn . . . „Ich antworte Dir, indem ich miaue wie eine Katze." „Gut." — Und sie verschwanden. Druck von Max Haase. Berlin S*2, Luckauer Str.3.