Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 31 (1890)
- Issue
- Heft 78-79 (8.10.1890)
- Date
- 1890-10-08
- Page
- – (sequence 41)
- Language
- German
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X XXL Ja hrgang. Zweite Kkilage M^578»79LkL ^Israelit & Ieschurun^ ZeiLuugsrro^ richreu uud <LsrresPoudenzen. Deutschland. , Leipzig, 2,5. September. Zahlreiche hier zur Messe weilende fremde Israeliten konnten am Vorabende des Versöhnnngsfestes in der hier bestehenden israelitischen Speisewirthschaft nicht bedient werden, weil der Andrang zu den kleinen Lokalitäten ein ungemein großer gewesen. Es herrschte eine lebhafte Erbitterung über die mangelhafte Einrichtung. Ebenso waren viele hiesige jüdische Familien ungehalten, loetC sie ihre allen Platze in der Synagoge, die sie seit Jahrelt titue hatten, nicht bekommen. Karl Wiesenthal. Trier, 15. Sept. Seit längerer Zeit wird in unserer Stadt die Umwandlung der israelitischen Elementarschule, die den Charakter einer Privatschule trägt, in eine öffentliche Schule erwogen. Die Sache hat mehr als eine lokale Bedeutung, schon ans dein Grunde, weil die gleiche Frage auch in anderen rheinischen Städten auf der Tagesordnung steht. Die jüdischen Elementarlehrer der Nheinprovinz haben sich gemeinsam an den KultnsmuiiiiiT gewandt und mit Rücksicht auf den Umstand, daß sie als Lehrer von Privatschnlen keinen Ruhegehalt beziehen, die Umwandlung der privaten, jüdischen Elementarschulen in öffentlichen Schulen angeregt. Der Kultusminister hat zu dieser Anregung freundlich Stellung genommen und die Regierungen angewiesen, sie möchten dort bei den städtischen Behörden dahin wirken, daß die gewünschte Umwandlung statlsinde. Die hiesige Stadtverordneten- Bersammlung ist entschlossen, die Umwandlung vorznnchmen trotz des hartnäckigen Widerstandes, den die klerikalen Mitglieder des Kolleginins der Reuerung entgegensetzen. Sachlich haben die Herren natürlich nichts oorzubringen, und nun klammern sie sich krampfhaft an die haarsträubende Möglichkeit, daß einmal ein Jude Mitglied der Schulkommission werden und auf die Verwaltung der Volksschulen Einfluß gewinnen könne. Indessen ihr sonderbares Treiben hat in der Stadt wie bei der Mehrheit der Stadtverordneten nur einen Heiterkeitsersolg davougettageu. Die Umwandlung wird nach Erledigung einiger Formalitäten vorgenommen werden. Groß-Zimmern. Dem von hier kürzlich berichteten Todesfall ist in kurzer Zeit ein zweiter gefolgt. Es betrifft diesmal eine Frau, die der öffentlichen Beachtung ferner steht, und auf welche hinzuwcisen daher umso mehr gebotene Pflicht ist. Am zweiten Rosch Haschonotage verstarb Frau Jettchen Lehmann, Ehefrau des Herrn Meyer Lehmann. Die Verblichene war eine echt fromme, brave jüdische Frau, die sich durch ihr gutes Herz und bescheidenes Wesen besonders auszeichnete. Die Beerdigung fand unter großer Betheiligung am Donnerstag den 18. d. M. statt und gab Herr Lehrer Spier der allgemeinen Theilnahme durch eine ergreifende Rede Ausdruck, anknüpfend an die Worte idid’» D’jnv D’Tin o, in welcher der Redner das Leben der Verblichenen und ihre reichen Vorzüge schilderte. n"3son Oeftorr. Ungar. Monarchie. Wien, 25. Sept. Bei den heutigen Landtagswahlen in den niederösterreichischen Landgemeinden haben die vereinigten Antisemiten und Klerikalen, welche bisher über 13 Mandate verfügten, zwölf Mandate behauptet, vier gewonnen und ein Mandat wurde verloren. In die Landgemeinden-Kurie wurden somit 16 Antiliberale und 4 Liberale gewählt. Eine heute vom Vizebürgermeister Borschke in der Volkshalle des Nathhauses einberufene Wählerversammlung wurde von den Antisemiten unter großem Skandal gesprengt. — Der Abg. Süß hielt in Leopoldstadt eine glänzende Rede gegen die antisemitische Hetze. Preßburg. Dem Jahresbericht der Bürgernnd Handelsschule der orthodoxen israelitischen Cultusgemeinde in Preßbnrg am Ende des Schuljahres 1889/90, erstattet von Prof. Max Oesterreicher, Director, entnehmen wir: Wer das bescheidene Wirken der Preßburger isr. Bürger- und Handelsschule seit ihrer Gründung bis auf den heutigen Tag mit strengem, jedoch vorurtheilsfreiem Blicke verfolgt, der wird und muß die allgemeine Sympathie, welche derselben nicht nur seitens der isracl. Mitbürger unserer Stadt, sondern auch aus allen Theilen der Monarchie in ausgiebigster Weise entgegengebracht wird, die mit. jedem neuen Schuljahre in erfreulicher Weise sich steigernde Frequenz ihrer Zöglinge als Folge der bisher erzielten Lehrresuttate, der gesunden, krättigen Organisation derselben betrachten. Wohl selten noch wurde für ein junges Institut, das erst durch den Jahre hindurch erbrachten Nachweis seiner ersprießlichen Thätigkeit sich Namen und Ansehen zu schaffen im Stande ist und demzufolge zur Stütze und Erhaltung einer sogenannten Anticipando-Sympathie bedarf, so wenig Propa-