Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 31 (1890)
- Issue
- Heft 76-77 (25.9.1890)
- Date
- 1890-09-25
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
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GofrLIH wometach. Novelle von Dr. Ossip Duchowetzky. (Alle Rechte Vorbehalten. 8brthodoLe Kuderrthun^ A ft a [1890. Sil S-Ptbr.I Silk Sr1 ■Ä*i? „Du wirst Deine Güte an einen Taugenichts, an einen Faulpelz ^verschwenden, der lieber hinter den Büchern hockt, als daß er sich bemüht, Dir im Laden behilflich Zu sein. Thue es nicht; der Rock ist noch zu tragen. Die Aermel, die vorne zu sehr beschmutzt sind, kann man abschneiden, und dann — Großer Gott, siehst Du, wie Recht ich habe. Dort schau mal hin. Dort sitzt er auf dem Ladentisch und steckt die Nas' hf§ Buch anftatt das kleine Mädchen zu bedienen." Rasch eilte die also zankende Frau Breinle Zuckersüß in den kleinen Laden, um selbst nach dem Rechten zu sehen. Beim Vorübergehen gab sie dem auf dem Ladentische sitzenden, eifrig lesenden jungen Menschen, dem Gegenstände ihres Zornes, einen derartigen Stoß, daß er, da er den Stoß nicht erwartete und in Folge dessen auch nicht Pariren konnte, kopfüber vom Ladentisch herab und mit dem Gesicht in eine Schüssel voll Syrup fiel. Ohne sich weiter um ihn zu kümmern, fragte sie das Mädchen: „Was willst Du mein Täubchen?" „Ich soll Spitschkes') holen; aber keine prosten 1 2 3), feine soll ich bringen, die nicht riechen, wenn man sie ansteckt." „Zwetsche^) Spitschkes willst Du wohl?" „Ja, ja, so hat Tate gesagt; Zwetsche-Strcichhölzer." „Zu wos braucht denn Dein Tate so noble Spitschkes?" „Zu wos darf er se? um Feuer zu machen." 1) Srreichhölzer. 2) Ordinäre. 3) Schwedische. „Gott, was en kluges Kind! Da hast Du Zwetsche'Spitschkes und hast auch ein paar Szukerkes^), die sind für Dich; so süß wie Honig." „Danke, danke. Die Hölzchen wird der Tate morgen bezahlen." — Ehe Frau Breinle etwas erwiedern konnte, war die Kleine fort. „So en Kapzen", sprach Frau Breinle Zuckersüß zu sich selbst, „so en Kapzen muß noble Streich. —" Das Wort blieb ihr im Munde stecken, denn sie hatte sich jetzt umgedreht und erblickte den jungen Mann, den sie soeben vom Ladentisch heruntcrgeworfen hatte in einer Verfassung, welche ihr Staunen rechtfertigte. Derselbe saß auf der Erde, das Gesicht über die Syrupschüffel gebeugt und strich mit seinen Fingern die dickflüssige, braune Masse, die von seinem Gesichte herabtroff und ihm die Augen verkleisterte, in die Schüssel zurück, während er mit der Zunge den Syrup. der in deren Nähe kam, ableckte. Das war für Breinle zu viel. Ihren Syrup, ihren schönen, zuckersüßen Syrup« unterstand sich der Lump zu essen. Sie nahm einen in der Nähe liegenden Riemen und klopfte mit demselben den Rücken des armen Opfers braunund blau, während sie dazwischen ausrief: „Du Schofel, willst Du wohl das Lecken lassen: Syrup schmeckt gut! nicht wahr! So ein Chasir,5)so ein Schlemihl *), macht mir meinen Syrup treifeh7)." Und unbarmherzig ließ sie den Riemen auf dem Rücken des armen Menschen herumtanzen, der, weil der Syrup ihm die Augen verklebte, nichts sehen 4) Bonbons. 5) Schwein. 6) Tölpel. 7) Unrein.