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Der Israelit · 1882-11-15 · Heft 46 (15.11.1882) · page 17

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Journal
Der Israelit
Volume
23 (1882)
Issue
Heft 46 (15.11.1882)
Date
1882-11-15
Page
– (sequence 17)
Language
German
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1167 Wasser in genügender Menge vorhanden wäre, diese erste unerläßliche Bedingung jedes Wachstbums. — Jeder Versuch diese, für die heilige Stadt so überaus ernste Lebensfrage zur befriedigenden Lösung zu bringen, verdient die aufmerksamste Beachtung von allen Denen, die für die glorreiche Stätte unserer Vergangenheit und unserer Hoffnungen für die Zukunft Sinn und Verständniß übrig haben. — Wir möchten daher die Aufmerksamkeit auf eine soeben erschienene Broschüre lenken, welche dieses Thema mit vielem Verständniß behandelt und dabei einer in unserer Zeit doppelt schätzenswerten symphatischen Auffassung des Judeuthums und seiner Bekenner Ausdruck gibt. Die Schrift hat den Herrn Marquis F. de Groy zum Verfasser und gipfelt in dem Vorschlag, der so einfach als originell erscheint: das reichliche, vorzügliche Wasser aus den Bergen desLibanon durch ei neu 4—5 Meter breiten Canal nach Jerusalem zu leiten.*) Daß die technischen Schwierigkeiten die Ausführung des großen Unternehmens nicht unmöglich machen, dafür führt der Verfasser die durch Engländer organisirte Wasserversorgung Melbournes an, welche Stadt in einer wasserarmen Gegend gelegen, durch das auf diese Weise aus der Ferne zugeführte Wasser den blühenden Aufschwung gewonnen hat, dessen es sich erfreut. Die territorialen Verhältnisse seien nun für eine Wasserverbindung zwischen dem Libanon und Jerusalem viel günstiger, was durch eine an Ort und Stelle zu entsendende Commission tüchtiger Ingenieure festzustellen wäre, welche dann auch Pläne und Vorschläge für das Unternehmen in allen seinen Details auszuarbeiten hätten. Der Canal brauchte nur circa 20 Meilen lang zu sein, also circa 45 M. weniger als derjenige von Languedoc. Die Schwierigkeiten liegen nach der Ansicht des Verfassers nur in der richtigen Wahl des Anfangs- und Endpunktes des Canals, die aber nach den großen Erfahrungen, die unserer Zeit gerade bei ähnlichen großartigen Anlagen zur Seite stehen, sicher leicht zu überwinden sein dürften. — Expropriationskosten gäbe es nicht; der Sultan ist alleiniger Eigenthümer des Bodens. Unter dem Druck einer einmüthigen öffentlichen Meinung, deren Einfluß, wie bekanntlich in Constantinopel und im ganzen Orient sehr ernste Beachtung findet, würde der Sultan als Beherrscher der Gläubigen den Boden unentgeltlich abtreten und damit einen Act der Pietät gegen Jerusalem üben. Die Beschaffung von Steinen böte ebenfalls keine Schwierigkeiten, sie sind reichlich in *) Der volle Titel der Schrift lautet: Arrivfie des sources du Liban ä Jerusalem. F. de Groy. — Chatellerault. Typographie Riviöre. Rue Burobon 58. — 1882. den Gebirgen des Libanon vorhanden und brauchen nur herausgebrochen zu werden. Daß im jüdischen Alterthum weder Salomon noch später Herodes, die beide doch durch Anlegung großartiger Bauten und zum Theil noch erhaltener Wasserleitungen sich auszeichneten, auf den Gedanken kamen, eine Wasserstraße vom Libanon nach Jerusalem zu schaffen, findet der Verfasser auffallend, ohne dafür eine Erklärung zu finden. Ein Blick auf das Wasserbausystem*) von Jerusalem zur Zeit des jüdischen Reiches dürfte jedoch leicht eine Erklärung jener Auffälligkeit ergeben. Die Wasseranlagen waren nämlich nach einem System gebaut, daß man im Falle einer Belagerung die Gegend außerhalb der Stadt des Wassers berauben und so den Feind in die harte Nothwendigkeit versetzen konnte, sich aus der Ferne damit zu versorgen. Diesen günstigen Umstand benutzte z. B. König Chiskijah, indem er dem herannahenden Feinde das Wasser abschnitt und es innerhalb der Stadt ansammelte. — Bei den vielen Belagerungen, welchen Jerusalem ausgesetzt war, litten die Belagerer sehr oft an Wassermangel und wurden genöthigt, aus großer Entfernung Wasser herbeizuschaffen, während die Belagerten diesen Mangel nicht empfanden. So wurden, als Antiochus die Stadt belagert hatte, seine Operationen zuerst aus Mangel an Wasser gehemmt. Bei Gelegenheit der Belagerung durch Pompejus hat Strabo auf diesen wichtigen Umstand besonders hingewiefen. Er berichtet: Jerusalem ist eine von Natur sehr starke Festung, innerhalb wohl bewässert, außerhalb ganz trocken. Tacitus drückte sich darüber ebenso bestimmt aus: Die Stadt hatte eine unversiegbare Quelle, durch den Berg gegrabene Canäle, Piscinen und Cisternen, das Regenwasser aufzubewahren. Von der Belagerung durch Titus erzählt Dio Cassius: Die Römer wurden sehr vom Durste geplagt, es stand ihnen nur ein ungenießbares Wasser zu Gebote, welches sie noch obendrein weit hcrholen mußten. Die belagerten Juden dagegen waren zur Genüge mit Wasser versehen und zwar durch unterirdische Leitungen, welche unter den Wällen der Stadt hindurchgingen und sich sehr weit in die Umgebung hineinerstreckten. So wurden auch während der Belagerung durch die Kreuzfahrer die Belagerer von entsetzlichem Durste geplagt, während die Einwohner mit Waffer wohl versorgt waren. — Diese großen strategischen Vortheile wären durch Anlegung eines offenen Canals dem belagerten Jerusalem verloren gegangen und wären dem belagernden Feinde zu Gute gekommen. Deshalb wohl konnte *) Dasselbe findet eine sehr einleuchtende Darstellung in Dr. Neumann's Buch über die heilige Stadt und ihr- Bewohner. 7. 177 ff.

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