Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 23 (1882)
- Issue
- Heft 19 (10.5.1882)
- Date
- 1882-05-10
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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463 Wir uns doch entschlossen die genannte Summe als erste Spende für den Schulfond zu registriren. Hoffentlich wird dies gute Beispiel baldige und zahlreiche Nachfolge finden. Außerdem hat Frau I. die Anstalt noch einmal mit 209 Mark bedacht. Die Einnahmen betrugen 2857 Mark, die Ausgaben 2801 Mark. Oesterr-Ungar. Monarchie. Aus Lemberg, 20. April, schreibt man uns: Dem Delegirten des englischen Hilfskomittzs, Mr. Laurence Oliphant, der die unumschränkteste Vollmacht zur Organisation der Hilfsaction für die nach Amerika auswandernden russischen Juden erhalten hat, werden jetzt in Galizien zahlreiche Ovationen bereitet, und zwar sowohl von Seiten der Polen, für die er zur Zeit des Sechziger-Aufstandes in werkthätiger Weise seine Svmpathien bekundet hatte, als auch von Seiten der Israeliten, für deren Interesse er als wahrer Menschenfreund schon zu wiederholtenmalen warm eingetreten ist. Einige biographische Daten, die über diesen aufopferungsvollen Verfechter humanitärer Bestrebungen bekannt geworden sind, dürften unzweifelhaft auch in weiteren Kreisen Interesse erregen. Mr. Oliphant, der Sprosse einer berühmten englischen Gelehrten-Familie, wurde im Jahre 1832 geboren; er kam frühzeitig nach Ceylon von wo aus er Jung-Bahadur nach Nepaul begleitete. Im Jahre 1852 eröffnete er in Edinburgh eine Advokaturs-Kanzlei, die er jedoch bald aufgab, um größere Reisen nach Rußland, Nordamerika und in die Türkei zu unternehme^. Später sungirte er als Secretär des Lord Elgin in China und sodann als Gesandtschafts-Secretär der englischen Mission in Ieddo, wo er am 5. Juli 1861 in seiner Wohnung von bezahlten Mördern überfallen und derart verletzt wurde, daß er in Europa Heilung suchen mußte. Im Juli 1862 wählte ihn der schottische Wahlbezirk Stirling in das Parlament, au dessen Berathungen er sich, namentlich wenn es sich uni die Beleuchtung der russischen Politik handelte, lebhaft betheiligte. Herr Oliphant hat eine Reihe geschätzter Reisewerke veröffentlicht. Der Repräsentant des englischen Hilfscomittzs wird in der galizischen Hauptstadt noch zehn Tage verweilen und begibt sich dann nach Sadagora (in der Bukowina), um den dortigen Chassidim-Rabbi kennen zu lernen, über welchen die Kunde sogar bis über den Canal gedrungen ist. Aus Billritz (Siebenbürgen) wird vom 20. d. M. dem „P. Ll." geschrieben: In Borgo-Tißa hat dieser Tage ein Rumäne den dortigen israelitischen Wirth auf die schrecklichste Weise ermordet. Der Wirth hatte nämlich für den Sonntag Abends seinen zum Verkaufe bestimmten Branntwein einer Rumänin in Commission gegeben. Abends kam ihr Mann von der Tagesarbeit ermüdet nach Hause und fand zu seiner angenehmen Ueberraschung den großen Schnapskrug auf dem Tische. Das war für ihn ein gefundenes Saufen und in wenigen Minuten war der Ueberglückliche in rosigster Laune. Als die provisorische Hebe bemerkte, daß ihr Mann nicht übel Lust zeige, den Krug bis auf die Nagelprobe zu leeren, eilte sie zu dem Israeliten und beschwor ihn, seinen Schnaps zu retten, denn ihr Mann saufe ihn sonst aus, und zahlen könnten sie nicht. Der Schankwirth sah Gefahr in Verzug, eilte sofort an Ort und Stelle, ergriff nach hartem Kampfe seinen Schnapskrug und suchte das Weite. Der Bauer, erbost wegen solcher Verkümmerung seines Privatvergnügens, ergriff eine Holzhacke, setzte dem Flüchtling nach, erfaßte ihn auf einer Brücke, warf ihn zu Boden, drückte dessen Kopf mit der linken Hand auf einen Brückenbalken und hieb ihm das Haupt vom Rumpfe. Nach dieser schrecklichen That setzte sich der Mörder zu seinem Opfer, zündete sich eine Tabakpfeife an und verharrte so gemüthlich rauchend bis zum nächsten Morgen. Als nun die Leute herbeikamen, sagte er, daß er Koscherfleisch gemacht und dasselbe die Nacht über vor den Hunden bewacht habe. Der Unmensch ist dem Strafgericht eingeliefert worden. Rußland. Petersburg, 30. April. Der Minister des Innern weift offiziell die von der Presse verbreiteten Gerüchte zurück, daß die Ausschreitungen gegen die Juden die Folge der Unthätigkeit der Behörden seien. Ernstliche Unruhen seien überhaupt nur in Balta vorgekommen, wo die Schuld auf die Juden falle, (!!) welche anläßlich der Schmähung eines Juden durch ein Kind christlicher Eltern dem Kampfe eine weitere Ausdehnung gegeben Hütten. Wenn anderswo Ausschreitungen verhindert worden seien, so sei dies gerade den energischen Maßnahmen der Central- und Lokal-Behörden zu danken, mit der gleichen Energie werde auch künftig verfahren werden. Der Minister weist sodann auf die Gefährlichkeit solcki unbegründeter Gerüchte hin, durch welche der zwischen der christlichen und der israelitischen Bevölkerung bestehende Antagonismus gesteigert werde, während die Presse doch im Interesse der Beruhigung und Versöhnung wirksam sein sollte. Während der in Balta stattgehabten Judenverfolgungen hat der Gouverneur von Podolien folgende Proklamation in der Stadt veröffentlicht: