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Der Israelit · 1882-05-03 · Heft 18 (3.5.1882) · page 19

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Journal
Der Israelit
Volume
23 (1882)
Issue
Heft 18 (3.5.1882)
Date
1882-05-03
Page
– (sequence 19)
Language
German
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den Behörden die Nothwendigkeit lehren, die Zurückbleibenden menschlich zu behandeln. Wir glauben den gefer überzeugt zu haben, daß die Lectüre der Broschüre ihre Ansicht über die Vorgänge in Rußland, die Aller Augen auf sich ziehen, wesentlich bereichern wird, und wenn wir hinzufügen, daß der Reinertrag zur Unterstützung der russischen Juden bestimmt ist, wird er gewiß nicht zögern, diese Schrift seiner Bibliothek einzuverleiben. Der Preis beträgt 60 Pfennige. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deuts ch l a n d. Burgpreppach, 4. Mai. Am vergangenen D’unp ntp-s pdp benutzte zum wiederholten Male unser allverchrter Herr 'Rabbiner Hirsch seinen Nachmittagsoortrag, um zur materiellen Unterstützung unserer so sehr bedrängten russischen Glaubensbrüder aufznfordern und durch Nachweise aus der Sidra dazu anzneifern. Anknüpfend an die Worte 60 Din vp i^Dxn setzte er auseinander, daß es unrecht, gefühllos — ja sündhaft sei, in einer Zeit, in der so viele unserer Glaubensgenossen lediglich ihrer Religion halber der Plünderung, den rohesten Mißhandlungen, der Vertreibung aus der liebgewonnenen Heimath, ja oft dem Tode preisgegeben sind, wenn wir, die wir in Ruhe und Frieden leben, unsere irdischen Glücksgüter auch in Ruhe und Frieden genießen wollten, 'während jene das Judenthum mit ihrem Blute besiegeln. In dieser Zeit, sei es vielmehr Pflicht von Jedem, der den Namen Jehudi führt, den Worten nnon nms wiederholt sollst Du Deine Hand den Armen öffnen, entsprechend, immer und immer wieder zn geben. So hatte denn auch die dritte, für unsere russischen Glaubensgenossen dahier vorgenommene Sammlung ein für die hiesige Gemeinde sehr günstiges Resultat. Es ergab sich bei derselben die Summe von 204 Mark. Gleichzeitig brachte Herr Rabbiner Hirsch '"-u das schon von anderer Seite angeregte Projekt, monatliche Sammlungen vorzunehmen, in Vorschlag, und ließ er zu diesem Zwecke eine Liste auflegen, wobei ebenfalls ein recht guter Erfolg erzielt wurde, indem pro Monat 33 M. gezeichnet wurden. Gerade das Letzte ist es, was dem Schreiber dieses die Feder in die Hand drückt; denn er glaubt, daß gerade dieses Projekt einer allgemeinen Beachtung und einer recht vielseitigen Nachahmung werth sei. „Steter Tropfen höhlt den Stein," sagt ein altes deutsches Sprichwort, so würden auch hier die kleinen, regelmäßigen, monatlichen Beiträge sich zu großen Beträgen summiren und würden, einmal angcfangen, eine dauernde Quelle zur Unterstützung bilden, was momentane Beiträge, die zwar anfangs größer sind, aber, wenn wiederholt angepocht wird, stets kleiner werden, sicherlich nicht sind. Rußland. Aus dem jüdischen Spital zu Odessa gehen der Wiener „Presse" von einem Arzte, der dasselbe persönlich besucht hat, die nachfolgenden erschütternden Mittheilungen zu: Das Schicksal der dem Massacre in Balta zum Opfer gefallenen russischen Juden (4000 an der Zahl) hat schon viel von sich reden gemacht; wenig ist seither seitens der Regierung gethan worden, die Gemüther zu beruhigen, noch weniger die aus ihrem Besitzthum Verjagten dem bittersten Elend zu entreißen, die Kranken und Verwundeten zu heilen. Im jüdischen Spirale zu Odessa haben seit einigen Tagen etwa 125 arg Verstümmelte Aufnahme gefunden, wohl ebensoviel und noch mehr liegen hülflos in Hozolo, in Balta und den umliegenden Ortschaften. Die verthierten Russen finden ein Gaudium daran, ihnen die blutenden Wunden mit Schnaps und Petroleum zu begießen, und setzen sich die Unglücklichen zur Wehr, so beginnt ein neues Gemetzel, das gar oft damit endet, daß ihnen Arme und Beine abgehauen werden und man sie den Wölfen zum Fraß in die Wälder hineinschleppt. Die im Odessaer Spital Untergebrachten, zum Theil rettungslos Verlorenen erzählen grauenvolle Geschichten; man möchte sie fast nicht glauben, wenn sie nicht die Belege für das, was sie mittheilen, an ihren aufs schrecklichste mißhandelten Körpern trügen. Da liegt z. B. eine junge, kaum 18jährige Frau, der die Unmenschen die rechte Brust abgeschnitten; ihr kleines, kaum einjähriges Kind ruht in ihren Armen; man hat es mit glühenden Eisen, wie sie uns erzählt, geblendet. Auf die Frage, woher sie komme, theilt sie uns mit, sie habe ein Haus und Geschäft in Hozolo gehabt, sei im besten Einvernehmen mit der dortigen Bevölkerung gewesen; da, am Osterabend, als sie gerade die' Vorbereitungen zum Feste traf, habe sie eine wilde Meute überfallen, ihr ihr Kind entrissen und gedroht, sie werde es nicht eher wiedererhalten, bis sie Geld und Schmucksachen hergegeben. Da sie das entsetzliche Schreien des Kindes hörte, gab sie, was sie hatte und als man ihr das Kind zurückbrachte, war das Entsetzliche bereits geschehen. Sie stürzte sich auf die Unmenschen los, doch man warf sie nieder, schändete sie, und als ihr Mann, der gerade dazu kam, von seinem Revolver Gebrauch machte, ward er gebunden und mußte mit ansehen, wie einer der Banditen ihr mit teuflicher Lust die

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